Freitag, 2. November 2012

Zur Sozialpsychologie des Kapitalismus










Zur Sozialpsychologie des Kapitalismus [Taschenbuch]
Peter Brückner Peter Brückner, geboren 1922 in Dresden, seit 1939 Kontakte zu Antifaschisten und Kommunisten, 1941 eingezogen nach Wien. Nach Kriegsende Mitglied der KPD, 1948 Übersiedelung zunächst nach Westberlin, dann nach Münster, dort Abschluss seines Psychologiestudiums mit Promotion.
Nach Ausbildung zum Psychoanalytiker 1967 Übernahme des Lehrstuhls für Psychologie an der Universität Hannover. 1972 und 1977 jeweils Dienstsuspendierung wegen Vorwurfs von Kontakten zur RAF sowie der Herausgabe des indizierten Textes Buback (ein Nachruf, der anonym unter dem Namen 'Mescalero' erschien).
Der Autor verstarb 1982 in Nizza.



Neuveröffentlichung von Peter Brueckners "Sozialpsychologie des Kapitalismus" in Kooperation mit dem Psychosozial-Verlag:

Wo liegt denn das wirkliche Bedingungsgefüge unseres psychischen 'Wachstums', unserer Entwicklung, unserer Wahrnehmungsweisen, unseres Verhaltens – gattungsgeschichtlich, für die Lebensgeschichte der Individuen, für dich und für mich?" (Brückner, aus der Einleitung) Das Ganze, den Zusammenhang denken, heißt fur eine kritische Sozialpsychologie vor allem – und Peter Brückner hat dies in der "Sozialpsychologie des Kapitalismus" exemplarisch ausgeführt –, Ökonomie, Kultur, Soziales und Psyche als scheinbar völlig unabhängig voneinander existierende Sachverhalte zusammenzuspannen, sie so zu vermitteln, dass Phänomene wie z.B. Kindesmissbrauch und -tötung auf eine Art und Weise erklärbar werden, die den Blick weg richten von den Tätern und hin auf die Verhältnisse, in denen Menschen zu Tätern und zu Opfern werden können. 


"Was soll man von Erfahrungswissenschaften halten, deren Analysen zeigen, dass ihnen der Schreck über Auschwitz nie in die Glieder gefahren ist?", fragte Peter Brueckner vor 20 Jahren in seinem Einleitungstext zu diesem Buch. Orientiert an Adornos Diktum, dass alles unternommen werde, damit Auschwitz sich nicht wiederhole, analysiert Brückner die Formen von Gewalt, welche die bundesrepublikanische Wirklichkeit auszeichneten und die sich bis heute kaum verändert haben. 
Vor allem die Analysen gewaltförmiger Beziehungen innerhalb der bürgerlichen Familie – später auf den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs verengt und skandalisiert – zeigen, dass Brückner es versteht, Subjektivität (Biografie, Sozialisation etc.) und Gesellschaft (Politik, Ökonomie, Wissenschaft etc.) zusammenzudenken wie kein anderer Sozialpsychologe. 


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