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Samstag, 19. Dezember 2015

Für ein menschliches Europa






Voices for Refugees: Für ein menschliches Europa
Taschenbuch – von Erich Fenninger (Herausgeber)
Erich Fenninger, geboren 1963 in Bad Vöslau, seit 2003 Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe Österreich und stellvertretender Vorsitzender der Sozialwirtschaft Österreich. Vorstandsmitglied zahlreicher Sozialorganisationen und wissenschaftlicher Beirat der FH St. Pölten.
Er ist Herausgeber von „Ich bin wer ich war. Mit Demenz leben“ (2014) und „Von Freiheit träumen: Das Flüchtlingsleben der Westsaharauis“ (2012).


Am 3. OKTOBER 2015 fand in Wien Europas größte Manifestation der Menschlichkeit statt: Mehr als 200 000 Menschen waren auf den Straßen, um sich bei einer Demonstration und dem von der Volkshilfe veranstalteten, siebenstündigen Konzert mit den Flüchtlingen solidarisch zu zeigen. Bei „Voices for Refugees“ am Heldenplatz erhoben Die Toten Hosen, Conchita, Konstantin Wecker, Zucchero und viele mehr starke Stimmen gegen Ausgrenzung, Rassismus und gegen die „Festung Europa“. Das Buch versammelt eindrucksvolle Konzertfotos, Texte aus der Protestbewegung, eine Analyse von Erich Fenninger sowie Beiträge von Robert Misik, Julya Rabinowich, Marlene Streeruwitz, Vea Kaiser und viele weitere prominente Statements.

Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger hat mit „Voices for Refugees“ ein 160 Seiten starkes Zeitdokument rund um die Hilfsbewegung für Flüchtlinge herausgegeben. Prädikat: lesenwert!
Es war ein nachdrückliches und unübersehbares Zeichen von Menschlichkeit: Rund 200.000 Menschen sind letzten Oktober zur großen Solidaritätskundgebung samt Open-Air-Konzert gekommen, um ihre Unterstützung für Flüchtlinge zu unterstreichen. Jetzt ist ein Buch erschienen, das – wie Herausgeber Erich Fenninger betonte – „ein Zeitdokument ist und auch eine Zusammenfassung der gegenwärtigen historischen Ereignisse“. In „Voices for Refugees“ wird präzise das Entstehen der Refugee-Bewegung nachgezeichnet, also jener zivilgesellschaftlichen Bewegung, bei der sich Menschen gemeinschaftlich für Flüchtlinge engagieren.
Vorhang auf für ehrenamtliche HelferInnen
Das im Residenz Verlag erschienene Werk versteht sich auch als Dank an die vielen HelferInnen und AktivistInnen, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Mit zahlreichen Fotos wird die gemeinschaftliche Hilfe, die in den vergangenen Monaten geleistet wurde, vor den Vorhang geholt. „Das Buch soll auch ein Dankeschön an die vielen ehrenamtlichen HelferInnen sein und sie in ihrer Haltung ermutigen. Und es ist den Schutzsuchenden gewidmet“, sagte Fenninger.
Für den guten Zweck
Nachzulesen sind im Buch auch Stellungnahmen zahlreicher Prominenter – darunter Ski-Ass Marcel Hirscher, Erfolgsautorin Vea Kaiser oder Kabarettist Michael Niavarani. Das Buch ist nicht nur ein Muss für alle, die sich für die Refugee-Bewegung interessieren, sondern auch ein ideales Weihnachtsgeschenk. Ein Geschenk, das noch dazu helfen hilft: Denn pro verkauftem Buch gehen fünf Euro direkt an die Volkshilfe-Flüchtlingshilfe. Zusammen mit den freiwilligen Spenden, die beim Solidaritätskonzert im Oktober gesammelt wurden, kann so das neue Projekt „Voices & Aid“ gestartet werden.

Montag, 28. September 2015

Rechtsextremismus: Entwicklungen und Analysen






Rechtsextremismus:
Entwicklungen und Analysen - Band 1
Broschiert – 10. Oktober 2014
von Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (Wien) (Herausgeber)

Die 'Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit' (FIPU) ist ein loser Zusammenschluss von WissenschafterInnen in Österreich mit einem gemeinsamen Forschungsinteresse: der Auseinandersetzung mit Ideologien der Ungleichheit und den sie tragenden politischen AkteurInnen.
So erfolgreich die extreme Rechte, so überschaubar ist die kritische Rechtsextremismusforschung.
Vor dem Hintergrund von Vereinzelung und geringer Institutionalisierung legt die seit 2011 bestehende Wiener 'Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit' mit diesem Sammelband eine Bestandsaufnahme vor und gibt Impulse für weitere notwendige Arbeiten.
Die Beiträge behandeln eine breite Themenpalette - von der Kritik an der Mainstream-Forschung und ihrem begrifflichen Instrumentarium bis hin zu gängigen Auslassungen (wie Sexismus und Antifeminismus), von zentralen Akteur/innen der extremen Rechten bis hin zu einschlägigen Feindbildern, von der Kritik des Verfassungsschutzes bis hin zur kritisch-solidarischen Reflexion von Gegenaktivitäten anhand der Proteste gegen den Wiener WKR- bzw. Akademikerball.

Abgerundet wird der Band von einer Chronologie rezenter rechtsextremer Vorfälle. Der Band ist Auftakt zu einer Reihe kritsicher Auseinandersetzungen mit Ideologien und Politiken der Ungleichheit.



Inhaltsverzeichnis
Vorwort – [Überraschung]
Einleitung – FIPU
Kritische Rechtsextremismusforschung
Rechtsextremismusforschung in Österreich: Personen, Institutionen, Zugänge und Defizite. Ein geraffter Überblick
Bernhard Weidinger
(Re)Naturalisierungen der Geschlechterordnung. Anmerkungen zur Geschlechtsblindheit der (österreichischen) Rechtsextremismusforschung.
Judith Goetz
Zwischen Kritik und konservativer Agenda: eine Verteidigung des Rechtsextremismusbegriffs gegen seine Proponent*innen
Bernhard Weidinger
AkteurInnen
Teil des Problems? Der österreichische Verfassungsschutz und Rechtsextremismus
Matthias Falter
“National und liberal verträgt sich nicht”. Zum rechtsextremen Charakter der FPÖ
Heribert Schiedel
Ideologien
Vom Reden über “Islamophobie”, dem Streiten über Antisemitismus und dem Schweigen über Rassismus. Zur notwendigen Kritik der “Islamophobie”-Forschung
Carina Klammer
Obdachlosen-Hass und BettlerInnen-Feindlichkeit in Österreich
Lucius Teidelbaum
Reflexion antifaschistischer Praxis
Ausgetanzt! Eine kritische Bilanz der Proteste gegen den WKR-Ball
Judith Goetz
Dokumentation
Unvollständige Chronik des Rechtsextremismus in Österreich 2013
Heribert Schiedel

Freitag, 24. Juli 2015

Thomas Piketty und die Verteilungsfrage






Thomas Piketty und die Verteilungsfrage:
Analysen, Bewertungen und wirtschaftspolitische Implikationen für Deutschland

Taschenbuch – von Gustav A. Horn (Herausgeber), 
Kai D. Schmid (Herausgeber)
Thomas Piketty hat mit seinem Werk „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ großes Aufsehen erregt und mannigfaltige Diskussionen in einer breiteren Öffentlichkeit entfacht. Dieser Sammelband diskutiert ausgewählte theoretische und empirische Aspekte des Werkes mit einem speziellen Fokus auf Deutschland.
Dadurch sollen einerseits die Verständlichkeit von Pikettys Analysen erhöht und der Zugang zu spezifischen Teilaspekten erleichtert werden. Zugleich soll zur kritischen Auseinandersetzung mit Pikettys Ergebnissen und den daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen aber auch mit seiner Rezeption in Deutschland angeregt werden.

Autoren.

Stefan Bach,
 geboren 1964, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Staat am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin und Privatdozent an der Universität Potsdam, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät.

Julian Bank
, geboren 1986, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialökonomie an der Universität Duisburg-Essen und Herausgeber des Blogs Verteilungsfrage.org.

Charlotte Bartels
, geboren 1984, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für öffentliche Finanzen an der Freien Universität Berlin und koordiniert das Promotionskolleg „Steuer- und Sozialpolitik bei wachsender Ungleichheit“.

Timm Bönke
, geboren 1979, ist Juniorprofessor für öffentliche Finanzen an der Freien Universität Berlin.

Peter Bofinger
, geboren 1954, ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Hagen Krämer,
 geboren 1963, ist Professor für Economics an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft.

Miriam Rehm,
 geboren 1982, ist Referentin für Verteilung und Makroökonomie in der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der Arbeiterkammer Wien.

Philipp Scheuermeyer,
 geboren 1987, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geldpolitik und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Würzburg.

Kai Daniel Schmid
, geboren 1980, ist Wissenschaftler am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung und leitet das Referat „Makroökonomie und Einkommensentwicklung“.

Johannes Schmidt
, geboren 1967, ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft.

Matthias Schnetzer
, geboren 1983, ist Referent für Verteilungsfragen in der Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik der Arbeiterkammer Wien sowie Lektor für Wirtschaftspolitik
an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Dorothee Spannagel, geboren 1980, ist Referatsleiterin für Verteilungsanalyse und Verteilungspolitik im Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Ulrike Stein, geboren 1973, ist Leiterin des Referats „Wirtschaftspolitische Beratung, Modellsimulation“ im Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung.

Till van Treeck, geboren 1980, ist Professor für Sozialökonomie an der Universität Duisburg-Essen.


Samstag, 27. Juni 2015

Zivilcourage kann man lernen







Zivilcourage lernen. Analysen – Modelle – ArbeitshilfenGerd Meyer / Siegfried Frech / Günther Gugel (Hrsg.)
Zivilcourage kann man lernen –
so die Grundthese dieses Buches. Allerdings bedarf es hierzu spezifischer Voraussetzungen und Bedingungen. Zivilcourage als „sozialer Mut“ ist wichtig für die Auseinandersetzung mit Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Zivilcourage ist jedoch nicht nur in akuten Not- und Bedrohungssituationen gefragt, sondern weit darüber hinaus in vielfältigen Alltagssituationen. Zivilcourage ist eine oft unbequeme demokratische Tugend in einer sozial verantwortlichen Zivilgesellschaft.

Der erste Teil des Bandes enthält wissenschaftliche Analysen zum Verständnis von Zivilcourage in der modernen Gesellschaft. Zunächst werden begriffliche und demokratietheoretische Grundlagen geklärt, dann die Ergebnisse verschiedener, insbesondere auch von empirischen Studien zu förderlichen und hinderlichen Faktoren für Zivilcourage dargestellt.

Der zweite Teil des Bandes vermittelt Erkenntnisse und Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis, welche Bedingungen und Chancen der Förderung von zivilcouragiertem Handeln es in verschiedenen gesellschaftlichen Handlungsfeldern gibt: am Arbeitsplatz, in der Gemeinde, an allen Schularten.

Der dritte Teil des Bandes stellt bewährte Modelle der politischen Bildungsarbeit vor, reflektiert Fragen der Evaluation und enthält vor allem konkrete Arbeitshilfen, wie man Zivilcourage und friedlichen Konfliktaustrag in Seminaren und Trainings einüben und weit über die Schule hinaus fördern kann.
Ein Serviceteil enthält eine Bibliografie sowie Hinweise auf Trainingshandbücher und Angebote von Trägern politischer Bildung in diesem Feld. Jeweils am Beginn der drei Hauptteile findet sich eine Einführung in das Themenfeld und eine Übersicht über die Beiträge.

Der Band vereint analytische, politisch-gesellschaftspraktische und pädagogisch-didaktische Zugänge im Sinne handlungsnahen Orientierungswissens. Lehrer/-innen, Dozent/-innen der Erwachsenenbildung, aber auch engagierte Bürger/-innen sollen diesen
Band ebenso wie private Träger und öffentliche Einrichtungen der politischen Bildung für ihre Arbeit verwenden können.

Samstag, 20. Juni 2015

Philosophie nach Marx






Philosophie nach Marx:
100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik

Broschiert – 
von Christoph Henning  (Autor)Christoph Henning (Dr. phil.) promovierte in Dresden und war Mitarbeiter an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Er ist Junior Fellow am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt und habilitierte 2014 an der Universität St. Gallen mit der Schrift "Freiheit, Gleichheit, Entfaltung: Die politische Philosophie des Perfektionismus".


Christoph Hennings materialreiche Studie unterzieht hundert Jahre theoretischer Marxrezeption über die Disziplingrenzen hinweg einer kritischen Analyse. Vor diesem Hintergrund versucht der Autor eine Rekonstruktion des Marx'schen Werkes gegen seine bisherigen Auslegungen.
Der erste Teil des Bandes behandelt systematisch die Marxrezeptionen in Sozialdemokratie und Kommunismus, in Ökonomie, Soziologie, Philosophie, Kritischer Theorie und Theologie. Als Haupttendenz erweist sich hier die Verlagerung ökonomischer Argumente in immer spekulativere Gefilde.
Der zweite Teil kritisiert heutige Sozialphilosophien und zeigt, dass ihr dezidiert normativer Ansatz aus diesen verfehlten Marxrezeptionen resultiert. Der Band fordert damit zu einer neuen Auseinandersetzung mit Marx jenseits politischer Grabenkämpfe heraus.

Der Kulturwissenschaftler Christoph Henning hat mit seinem Buch einen theoretischen Rundumschlag vorgelegt, dessen Waffe das Breitschwert, nicht aber das Skalpell ist.
Henning tritt an, in Form einer „Destruktion des Überlieferungsgeschehens“ (23) den Rezeptionsschutt wegzuarbeiten, der sich im Laufe von mehr als einem Jahrhundert in der marxistischen wie antimarxistischen Theoriegeschichte angesammelt und unser Verständnis von ‚der’ Marxschen Theorie entscheidend geprägt hat. Den leitenden Gesichtspunkt, unter dem ein enormes Textmaterial ökonomischen, soziologischen, philosophischen und theologischen Denkens bearbeitet wird, liefert die These, die gesamte nachmarxsche Theoriegeschichte sei als Prozess des „Verlust[es] des Gegenstands ‚Gesellschaft’“ (29) zu begreifen.
Was bei Marx noch originäres Objekt kritischer Theoriebildung gewesen sei, zerfalle in den verschiedenen Disziplinen ‚bürgerlichen’, aber auch bereits in der ‚orthodoxen’ Richtung marxistischen Denkens in die Dichotomien von Subjekt vs. Objekt, Technik vs. Ethik, Arbeit vs. Interaktion, Mensch-Mensch vs. Mensch-Ding-Relationen usf. In den einzelnen Kapiteln, die eine kurze Aufarbeitung der Marxrezeption in den jeweiligen Fachgebieten enthalten und auch unabhängig voneinander lesbar sind, finden sich zugleich ‚systematische Kernpunkte’, die einen Zugang zum, wie es naiv-hermeneutisch heißt, „von Marx gemeinten Sinn“ (23) seiner Texte liefern sollen. Dessen Kritik der politischen Ökonomie wird als Ansatz begriffen, der empirische Erscheinungen der kapitalistischen Moderne durch theoretische Mittelglieder hindurch mit nichtempirischen Modellen zu erklären beansprucht (335, 564).

Weder dürften die Modelle empiristisch verkürzt als unmittelbare Beschreibungen empirischer Prozesse verstanden werden (so geschehen im traditionellen Marxismus (37)), noch sei die nichtempirische Ebene ungestraft von ihrem Zusammenhang mit der erfahrbaren Wirklichkeit der bürgerlichen Gesellschaft zu trennen (wie es für die mannigfaltigen ‚Verphilosophierungsversuche’ bis hin zum Hegelmarxismus (569) diagnostiziert wird). Die Entfernung von der Wirklichkeit wird vor allem der normativen Sozialphilosophie der Gegenwart von Rawls und Habermas bis hin zur Wirtschaftsethik bescheinigt, der mit einem „therapeutischen Realismus“ (547) begegnet werden soll.

Dabei ist Henning zwar zuzustimmen, wenn er den normativistischen Modellkonstruktionen der Gegenwartsphilosophie wie den Prämissen der neoklassischen Ökonomie vorwirft, bereits mit der schnöden Alltagserfahrung in Konflikt zu geraten und zentrale empirische Probleme der globalisierten Menschheit schlicht zu ignorieren: „Wir hören von Elend und Krieg, spüren natürliche Triebe und müssen unsere Rechnungen bezahlen“ (546). Doch dieser Ansatz gerät nicht selten zu einer unbegründeten Substantialisierung des common sense und unserer „Intuitionen“, resp. der ‚harten Wirklichkeit’ als Kriterium der Bewertung von Theorien und „Wegzeichen“ (547) zu einer sachhaltigen Analyse der Gegenwart.
Von hierher speist sich wohl auch der grobschlächtige und hemdsärmelige Argumentationsstil des Autors, wenn es um die Bewertung der Überlegungen der Kritischen Theorie, die schlicht unter „Religion“ abgekanzelt wird, oder des bundesdeutschen Marxismus der 1970er Jahre geht, „der aus den Marx’schen Texten nicht mehr zur Welt kam“ (569). In der Charakterisierung des ‚Neomarxismus’ wimmelt es zudem von sachlichen Fehlern, z.B. in der Bewertung der monetären Werttheorie, die Henning als Position (miss-)versteht, die einen logischen Primat des Geldes vor dem Wertbegriff vertrete und es derart als nicht weiter erklärbare Prämisse behandle (171).
Hier wird auch die „Wertformanalyse“ von einem Teil des Marxschen ‚Kapital’ kurzerhand zu „einem späten Ausläufer adornitischer Sozialphilosophie“ (170) und wird jemand wie Ernest Mandel zu einem Theoretiker (v)erklärt, der die Zentralität des Geldes für die Marxsche Werttheorie erkannt habe (172). Jeder, der sich ernsthaft mit der Rezeptionsgeschichte der Marxschen Geldtheorie befasst hat, kann über solche Thesen nur den Kopf schütteln. Ist doch Mandel derjenige, der in seiner ‚Marxistischen Wirtschaftstheorie’ mit dem größten Aufwand versucht, die Engelsschen Mythen einer einfachen, geldlosen Warenproduktion mittels vermeintlicher empirischer ‚Beweise’ zu retten.

Bei näherer Betrachtung findet man eine ganze Reihe derart befremdlicher Thesen, vornehmlich zur neuen Marx-Lektüre in der Bundesrepublik. Geradezu verächtlich ist da von „Deduktionsmarxismus“ (332) die Rede, werden die unterschiedlichsten Theoretiker unter das Label ‚Hegelmarxismus’ subsumiert (selbst solche, die, wie Klaus Holz, sich nichts geringeres vornehmen, als Dialektik und Identitätsphilosophie grundlegend zu verabschieden!) (563) oder nimmt es Henning nicht so genau mit den Aussagen seiner Lieblingsgegner, namentlich dem Marxologen Hans-Georg Backhaus (171 FN 115). Hennings spärliche Bemerkungen zur Methode der Marxschen Ökonomiekritik fußen dabei weitgehend auf den Ausführungen des analytischen Philosophen Ulrich Steinvorth (u.a. 335, 563).
Mit dessen unzweifelhaft interessantem und elaboriertem Versuch einer einheitswissenschaftlichen Konzeption Marxscher Dialektik werden aber auch dessen Schwachpunkte schlicht reproduziert.
Marx’ Geldtheorie erscheint so als eine von pragmatischen ‚Regelzusammenhängen’, was ihre Differenz zu klassischen Ansätzen nicht mehr erkennbar werden lässt (175). Das erste Kapitel des ‚Kapital’ könne „überschlagen“ werden, „ohne dem Buch einen Abbruch zu tun“ (146) und die Darstellungsweise sei lediglich „didaktisch sinnvoll[e]“ Ordnung chaotischen Materials (145). Wie dann, ohne einen Begriff von Wert und Wertform, noch Geld und Kapital zu begreifen sind, bleibt Hennings Geheimnis.

Fragen, die bei einer Rezeption Steinvorths auftauchen, z.B. der, wie ‚unwirkliche’ Widersprüche, für die er diejenigen von Gebrauchswert und Wert, Ware und Geld hält, in einer Krise plötzlich zu wirklichen werden können, weicht Henning schlicht aus. Sein ‚Zurück zu Marx’ (13), so treffend es viele tatsächliche Fehlinterpretationen aufdeckt (obwohl ihm hierin keinesfalls Originalität bescheinigt werden kann), entpuppt sich so nicht selten als eine simulierte Orthodoxie, die mit einer Oberflächlichkeit und Selbstverständlichkeit methodologische Fragen übergeht, die einem den Atem verschlägt. 

Ein weiteres Ärgernis hängt mit der Stärke des Buches zusammen: Dessen ungeheurer Materialreichtum geht bisweilen in einen wahrhaften Zitier- und Fußnotenwahn über (bis zu 30 Buchtitel zu einem Stichwort sind keine Seltenheit; das Literaturverzeichnis umfasst 88 (!) eng bedruckte Seiten), der etliche Werke meist ohne Seitenangaben als Belegstellen anführt, der Bücher angibt, die noch gar nicht veröffentlicht sind (z.B. Krätke 2002) oder es auch sonst mit deren Erscheinungsjahr (z.B. Dieter Wolf 1980 (tatsächlich 1985) bzw. 2003 (tatsächlich 2002)) oder den Namen von Autoren (Lucio Colletti wird zu Coletti (41, 329, 585), Gert Schäfer zu Gerd Schäfer (640) usw.) nicht so genau nimmt.
Dennoch kann dieses Buch sowohl für solvente Einsteiger in die Beschäftigung mit ‚dem’ Marxismus als auch für solche, die sich mit den Geisteswissenschaften der Gegenwart herumschlagen wollen, von Nutzen sein. Bei einem Preis von fast 40 Euro und der Konzentration auf Rezeptionsgeschichte hätte aber ein Personenverzeichnis nicht schaden können... 
Ingo Elbe 
Christoph Henning, Philosophie nach Marx. 100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik, transcript-Verlag, Bielefeld 2005, 659 S., 39,80 Euro
 

Sonntag, 24. Mai 2015

Wir sind der Staat; warum Volk sein nicht genügt !!!





Wir sind der Staat!:
Warum Volk sein nicht genügt

Gebundene Ausgabe – von Daniela Dahn  (Autor)

Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, heißt es im Grundgesetz – aber sie kehrt nie zu ihm zurück.
Wie auch, sie ist ja längst in den Händen des Big Business.
 - Kaum jemand nimmt den Politikern, die wir wählen, noch ab, dass sie Banken und Konzernen wirklich Grenzen setzen können.
 - Immer weniger Menschen glauben an die Kraft der Demokratien, Freiheit und Wohlstand für alle zu organisieren statt für immer weniger.
 - Der soziale Friede ist selbst in Europa längst brüchig geworden.
 - Die Berichte und Analysen zur Lage werden von Jahr zu Jahr bitterer und radikaler.

Aber wenn es darum geht, die Konsequenzen daraus zu ziehen, verstummen die Debatten schnell. Die Politik muss wieder das Primat über die Wirtschaft gewinnen – aber wie? Die Bürger, mit und ohne Wut, müssen wieder mehr selbst entscheiden – aber wie? Wer wirklich etwas ändern will, so die streitbare Schriftstellerin, muss sich zunächst einigen unbequemen, aber unvermeidlichen Einsichten stellen.
Darum geht es in diesem Buch: Daniela Dahn deckt tiefgreifende Blockaden auf, die den Staat daran hindern, die Dauerkrise zu lösen und sich in Freiheit weiterzuentwickeln – in ein Gemeinwesen, dessen Gesetze das Wohl aller in den Vordergrund stellen und nicht das Privateigentum, in dem die Allmacht der Parteien beendet wird. Einen Staat, der nicht mehr herrscht, wo er dienen sollte, und in dem die Bürger ihre wichtigen Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen. Und sie macht konkrete Vorschläge, wie wir dahin gelangen können – in Deutschland, Europa und, wer weiß, darüber hinaus.

































Die Mauer muß fallen. Eine Mauer, die seit der Antike für das größte marktbeherrschende Eigentumsrecht, das Privateigentum an Produktionsmitteln, vor dem Zugriff des Volkes zu schützen hat. Es ist eine Mauer um das Big Business, wie man in den USA sagt. Ein Schutzwall, der im Laufe der Jahrhunderte immer wieder durch Volksrevolutionen unter Beschuss geriet und sich doch noch hält, durchlöchert zwar, aber immerhin. Angeblich unzerstörbar…


Die neueste Kanonade gegen diese Mauer um das Reich der Kapitalmächtigen und der Politiker herum hat keine geringere losgelassen als Daniela Dahn, die Autorin von „Wehe dem Sieger“, zu DDR-Zeiten u.a. Gründungsmitglied des „Demokratischen Aufbruchs“. Ihre neueste Denkschrift: „Wir sind der Staat“. Die Autorin stellt darin „die morsch gewordenen Grundstützen des bürgerlichen Staates in Frage.“ Es gehe allerdings nicht um eine Schwächung des Staates, „sondern um seine stärkere demokratische Legitimierung“. (S. 107)

Mit scharfer Zunge geißelt sie den Kapitalismus mit einer erstaunlich analytischen Tiefgründigkeit. 

Auf 176 Seiten spannt sie den Bogen von der Antike, dem Römischen Recht, bis in die Gegenwart und in die Zukunft. Zum geistigen Genuss der deutschen Aktivbürger, die laut Forsa zu 84 Prozent gegen Privatisierungen sind. (S. 67). Bürger, die gegen Fluglärm, gegen Atomlager, gegen Stuttgart 21, gegen Drohnen, gegen Bundeswehreinsätze im Ausland, gegen Arbeitslosigkeit, gegen die Verdummung durch die Medien zunehmend energisch ihre Stimme erheben.


Gustav Heinemann klagte in den 50er Jahren nach seinem Austritt aus der CDU: „Sieht man denn wirklich nicht, dass die dominierende Weltanschauung (…) aus drei Sätzen besteht: viel verdienen, Soldaten, die das verteidigen, und Kirchen, die beides segnen.“
Für die sich für das Wirtschaftswunder Abrackernden war das schließlich, so Daniela Dahn, eine Luftnummer letztlich ohne Netz. (S. 57) 



Das Defizit im System liege in der Allmacht der Besitzenden, in deren Einfluss auf die Politik im Interesse des weiteren Wachstums. In der unechten Demokratie, in der das Volk in Grundsatzentscheidungen überhaupt nicht einbezogen werde.
„Demokratie und Freiheit“ als Aushängeschild einer untergehenden Gesllschaft, die nach dem Kollaps des Weltsozialismus nunmehr unverblümt einst soziale Fortschritte in Frage stellt.



Der Vordenkerin Daniela Dahn sei gedankt für ihren Mut, für ihre aufklärerische Kraft, geistigen Widerstand zu leisten, für ihre klare Sprache, für ihre tiefe Menschlichkeit.

Ja, es bleibt dabei, Unruhe stiften, „subversiv“ sein mit friedlichen Mitteln ist eine Ehre. Die alte Mauer zwischen Oben und Unten, zwischen Arm und Reich, zwischen Kapital und Arbeit muss weg! Wer winkt da ab?
Lassen wir noch einmal Jean-Jacques Rousseau zu Wort kommen: „Ich besitze nicht die Kunst, für jemand klar zu sein, der nicht aufmerksam sein will.“ (S. 21) 

Cleo Schreiber

Mittwoch, 3. Dezember 2014

ÖZP - Österr. Zeitschrift für Politikwissenschaft 3/2014




Open Issue 3/2014

Die ÖZP ist seit 1972 eine Stimme für politikwissenschaftliche Analyse und Forschung. Herausgegeben von der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft, ist sie offen für Einreichungen auf Deutsch und Englisch und ohne Bevorzugung einer sozialwissenschaftlichen Forschungsrichtung oder eines methodischen Zugangs. Einzig der wissenschaftlichen Qualität der eingereichten Texte verpflichtet, treibt die ÖZP die Kommunikation zwischen verschiedenen Perspektiven voran. Daher werden alle Zusendungen im Double Blind Peer Review von mindestens zwei GutachterInnen beurteilt. Obwohl sich die Zeitschrift vor allem für den Stand der Politikwissenschaft und für aktuelle Entwicklungen in Österreich und Zentraleuropa interessiert, werden Artikel und Forschungsberichte unabhängig vom Bezug zu Österreich angenommen.
Joscha Wullweber
Heuristik statt politische Theorie: Eine postpositivistische Kritik des Rational-Choice-Ansatzes
Heuristics instead of political theory: A post-positivist critique of Rational Choice
Abstracts: Deutsch | English

Ina Markova
Visuelle Geschichtspolitik: NS- und Nachkriegszeit im österreichischen Bilderkanon. Eine bildpolitische Mikrostudie zwischen "Opfer- und MittäterInnenthese" 2005
Visual memory politics: Austria's visual memory after 1945. A study on the visual representations of Austria's idea of co-responsibility in 2005
Abstracts: Deutsch | English

Christoph Knill, Kerstin Nebel, Caroline Preidel
Die katholische Kirche und Moralpolitik in Österreich: Reform-dynamiken in der Regulierung von Schwangerschaftsabbrüchen und der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften
Morality Policy in Catholic Austria: The Regulation of Abortion and Same-sex Unions
Abstracts: Deutsch | English

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Lina Klymenko
DISKUSSION: "Was du mich tun lässt, das verstehe ich": Wie man Studierende beim Lernen der Politikwissenschaft unterstützen kann
DISCUSSION: "Involve me, and I will understand": How to Engage Students in Political Science Classes
Abstracts: Deutsch | English

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Andreas Bieler
DISKUSSION: Und was ist mit Klassenkampf? Kritische Anmerkungen zu Brands HMPA
DISCUSSION: What about class struggle? Critical reflections on Uli Brand's HMPA
Abstracts: Deutsch | English

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Bernhard Leubolt
DISKUSSION: Geschichte, Institutionen und Selektivitäten in historisch-materialistischer Policy Analyse: Eine solidarische Kritik an Brands Staat, Kontext und Korrespondenz
DISCUSSION: History, institutions, and selectivities in historical-materialist policy analysis: A sympathetic critique of Brand's State, context and Correspondence
Abstracts: Deutsch | English

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..... .....
Buchbesprechungen (2014) H. 3 
Book Reviews (2014) Vol. 3 
Abstracts: Deutsch | English

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Dienstag, 14. Oktober 2014

Alles, was Sie über "Das Kapital im 21. Jahrhundert" wissen müssen






Alles, was Sie über "Das Kapital im 21. Jahrhundert"
von Thomas Piketty wissen müssen
 Taschenbuch – von Ulrich Horstmann  (Autor)

Ein praktisches Buch für alle, die kompetent mitdiskutieren wollen.
Börse online

Thomas Pikettys voluminöses Werk Das Kapital im 21 Jahrhundert hat die Zunft der Ökonomen entzweit wie kaum ein anderes Buch. Die Volkswirtschaft selbst scheint in ihren Grundfesten erschüttert. Pikettys illustre Leserschar reicht von US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus über den Nobelpreisträger Paul Krugman bis hin zu IWF-Chefin Christine Lagarde.
Doch an seinen Thesen über den Kapitalismus scheiden sich die Geister. Worum geht es also in diesem Opus magnum? Was hat Thomas Piketty untersucht? Welche politischen Empfehlungen – die letztendlich uns alle betreffen – leitet er daraus ab? Wie ist sein Werk einzuordnen und zu interpretieren?
Alles, was Sie über Thomas Pikettys Kapital, seine Thesen und die Kritik daran wissen müssen, hat Ulrich Horstmann in diesem Buch verständlich dargestellt und interpretiert.



Dienstag, 25. Februar 2014

Arme Roma, böse Zigeuner - Was an den Vorurteilen über die Zuwanderer stimmt, oder auch nicht !


















































Arme Roma, böse Zigeuner - Was an den Vorurteilen über die Zuwanderer stimmt (Ein Faktencheck)

Norbert Mappes-Niediek 
Warum kommen die Roma in Osteuropa aus ihrem Elend nicht heraus? 
- Sind sie arm, weil sie diskriminiert werden, oder werden sie diskriminiert, weil sie arm sind? 
- Sind sie arbeitsscheu, kriminell und womöglich dümmer als andere? 
So wird oft gefragt, wenn auch meistens hinter vorgehaltener Hand. Und die Antwort kennt man natürlich: "typisch Roma." Der langjährige Balkan-Korrespondent Norbert Mappes-Niediek unternimmt einen Faktencheck und kommt zu überraschenden Befunden. Zugleich kritisiert er die europäische Roma-Politik und die von ihr beförderte "Gypsy industry" fundamental und zeigt alternative Wege auf.


Kenntnisreich und erfahrungsgesättigt überprüft der langjährige Balkan-Korrespondent Norbert Mappes-Niediek weitverbreitete Vorurteile über Sinti und Roma. Entstanden ist aber keine trockene wissenschaftliche Analyse, sondern ein oft reportagehaftes Buch, das es nicht bei Beschreibungen belässt, sondern Perspektiven und Forderungen für den Umgang mit dieser großen europäischen Minderheit entwickelt. (SWR2 (Forum Buch))
Norbert Mappes-Niediek: Jahrgang 1953, lebt seit 1992 als freier Korrespondent für Österreich und Südosteuropa in der Steiermark (Österreich). 1994/95 war er beim Sonderbeauftragten des UNO-Generalsekretärs für das ehemalige Jugoslawien als Berater tätig. Er schreibt unter anderem für Frankfurter Rundschau, Standard (Wien) und NRC Handelsblad (Rotterdam). Zahlreiche Bücher; im Ch. Links Verlag erschienen: »Österreich. Einblicke in ein fremdes Land«, 2001/2012; »Balkan- Mafia. Staaten in der Hand des Verbrechens - Eine Gefahr für Europa«, 2003; »Die Ethno-Falle. Der Balkan-Konflikt und was Europa daraus lernen kann«, 2005; »Kroatien. Ein Länderporträt«, 2009/2011.








Montag, 30. September 2013

Das Faschismus-Syndrom






Das Faschismus-Syndrom [Gebundene Ausgabe]
Friedrich Hacker

Friedrich Hacker wuchs in Wien auf,  flüchtete 1938 vor den Nazis zunächst in die Schweiz, wo er sein bereits in Wien begonnenes Medizinstudium mit dem Grad des Dr. med. abschließen konnte.
1940 verließ er Europa und ging in die USA, wo er zunächst an mehreren Kliniken angestellt war und 1945 die Hacker Psychiatric Clinic (Beverly Hills und Lynwood, Kalifornien) gründete sowie die Hacker Foundation (Beverly Hills), die 1952/53 von Theodor W. Adorno geleitet wurde.

In späteren Jahren war er Professor für Psychiatrie an der University of Kansas sowie Professor für Psychiatrie und Rechtswissenschaften der Universität von Südkalifornien (USC) in Los Angeles.
1968 begründete Hacker in Wien die Sigmund-Freud-Gesellschaft, als deren Präsident er maßgeblich dazu beitrug, die langjährige Wohnung Sigmund Freuds in der Wiener Berggasse 19 zu erhalten. Heute ist dort das Sigmund-Freud-Museum untergebracht.
Hacker war 1976 Gründer und wissenschaftlicher Leiter des "Instituts für Konfliktforschung" in Wien, man findet in der dort herausgegebenen "Studienreihe Konfliktforschung", Band 3, in den Verlagen Braumüller Verlag und (anfänglich) Campus-Verlag ein Vorwort von ihm.
In den USA war Friedrich Hacker als Sachverständiger mit diversen, aufsehenerregenden Mordprozessen befasst, u.a. 1969 im Zusammenhang mit dem Mord an der Schauspielerin Sharon Tate.


Das Faschismus-Syndrom:Die tiefschürfende Analyse eines aktuellen Phänomens, die als Warnung verstanden werden muss! Friedrich Hackers Essay ist ein Aufruf, die Grauzonen zwischen den etablierten Parteien und den faschistischen Ideologien nicht aus dem Auge zu verlieren.

Immer wieder wird der Faschismus von seinen Anhängern als Erneuerung und Befreiung, ja spezifisch psychotherapeutisch als Kur und Heilung (zum Teil der Ganzheit und Ordnung) empfunden. Das vorliegende Essay eines der bekanntesten Psychoanalytiker ist zugleich sein Vermächtnis.
Er brachte es vor einigen Jahren in eine nie veröffentlichte Faschismusstudie des Instituts für Konfliktforschung, dessen Gründer er war, ein.

Es gilt als Mahnung, alte Fehler nicht mehr zu wiederholen, besonders nicht dadurch, daß wir den "Faschisten in uns selbst" arroganterweise übersehen.
Das weitgefächerte faschistische Angebot gibt dem Starken oder sich stark fühlenden die Möglichkeit, diese Stärke auszutoben, und dem Schwachen die Möglichkeit, sie zu kompensieren und die Sinnsuche nach einem starken Ich zu befriedigen.
Immer ist die strikte Rollenzuweisung, die zwar unbedingte Unterwerfung erfordert, aber gleichzeitig auch einen eigenen Machtbereich definiert, von entscheidender psychologischer Bedeutung, weil durch Disziplin und Hingabe scheinbar eine Aufgabe erfüllt und ein Lebenssinn gefunden werden kann.

Diese Kategorien sind:

- Die Maximierung von Ungleichheit. 
- Das Recht des Stärkeren 
- Das Führerprinzip. 
- Die Irrationalität. 
- Die Dauermobilisierung. 
- Die Vereinheitlichung. 
- Die organische Ganzheit. 
- Der Totaleinsatz. 
- Die Gewalt und der Terror von oben. 
- Das Uralte und das ganz Neue.

Dienstag, 30. Juli 2013

JusoLinke - 40 Jahre theoretische Orientierung




JusoLinke:
40 Jahre theoretische Orientierung der Jusos
- Vom Hannoveraner Kreis zum Netzwerk linkes Zentrum

[Taschenbuch]

Vogt
 

 

2011 jährt sich die Gründung des "Hannoveraner Kreises" zum vierzigsten Mal.

Anlässlich dieses 40sten Jubiläums der Gründung des "Hannoveraner Kreises" erschien im spw-Verlag eine umfassende Betrachtung der Strömungsgeschichte und die Einordnung vergangener Diskussionen sowie das Aufzeigen gegenwärtiger Herausforderungen. 

Das "Netzwerk linkes Zentrum" sieht sich dabei in der Tradition des "Hannoveraner Kreises" und der "Juso-Linken".

Inhaltlich gliedert sich der Band in die Kapitel „40 Jahre theoretische Orientierung der Jusos“, „Zur aktuellen Analyse und Strategie“ und „Aus dem NWLZ“.
Als AutorInnen für die Einzelbeiträge konnten u.a. Claudia Walther, Uwe Kremer, Franziska Drohsel, Reinhold Rünker, Marc Herter, Benjamin Mikfeld und verschiedene Mitglieder der spw-Redaktion gewonnen werden.