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Freitag, 12. Februar 2016

Die Gefallsüchtigen in den Medien und in der Politik




Die Gefallsüchtigen:
Gegen Konformismus in den Medien und Populismus in der Politik

Gebundene Ausgabe – von Wolfgang Herles  (Autor)
Wolfgang Herles, Jahrgang 1950, ist einer der profiliertesten deutschen Fernseh-journalisten. Seit über 40 Jahren, zunächst beim Bayerischen Rundfunk, dann beim ZDF, moderierte er politische Magazine, Elefantenrunden und Talkshows sowie zehn Jahre lang das Kulturmagazin Aspekte und zuletzt die Literatursendung Das blaue Sofa.
Herles ist Autor mehrerer politischer Sachbücher und Romane. Er lebt in München und Berlin.



Die längst fällige Medienkritik
Populistische Politiker, die ihr Fähnchen nur noch in den Wind hängen. Und Medien, die mitspielen. Vor allem ein immer seichteres öffentlich-rechtliches Fernsehen, das sich ohne Not unter das Diktat der Quote gestellt hat. 
Das Ergebnis:
Moralismus und Alarmismus statt kritischem Qualitätsjournalismus, statt Aufklärung und Bildung nur Fußball und Krimis.
Ihre Aufgabe, »vierte Gewalt« in unserem demokratischen Gemeinwesen zu sein, verfehlen die Gebührensender dramatisch. Und das am Beginn des digitalen Zeitalters, wo sie so wertvoll sein könnten wie nie.


Wolfgang Herles beschreibt diesen besorgniserregenden Zustand und fordert: Reformiert ARD und ZDF grundlegend oder schafft sie ab.

"Fernsehen und Politik wird zur Bühne gefallsüchtiger Individuen"
ist ein neuer Aspekt, der auch in unseren "Friedensgruppen" eine Rolle spielt.
Gefallsucht, wenn einer nicht mehr geliked wird, zieht er sich zurück und die FriedensArbeit wird unwichtig ...
Das ist aber volle Absicht des Systems und von Zbigniew Brzeziński (2014) genauso geplant, wir sollen uns gegenseitig anfeinden, und aus Eifersüchteleien, Gewinnsucht und Neid, die Brocken hinschmeissen.





Mittwoch, 19. August 2015

Auswege aus dem Kapitalismus





Auswege aus dem Kapitalismus:
Beiträge zur politischen Ökologie

Broschiert – von André Gorz  (Autor)

André Gorz (1923-2007), geboren in Wien, verbrachte die Kriegsjahre in der Schweiz und ließ sich nach Kriegsende in Paris nieder. Er arbeite mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir an der Zeitschrift Les Temps modernes , war Redaktor bei L'Express , später bei der Wochenzeitung Le Nouvel Observateur, die er 1964 zusammen mit Jean Daniel gegründet hatte. In seinen Buchpublikationen profiliert sich Gorz als Theoretiker der Arbeiterselbstverwaltung und der politischen Ökologie. Kurz vor Drucklegung der zweiten Auflage von »Brief an D.«, am 22. September 2007, hat sich André Gorz zusammen mit seiner schwerkranken Frau das Leben genommen.

Die Ökologie hat nur ihre volle kritische und ethische Kraft, wenn die Verwüstungen der Erde, die Zerstörung der natürlichen Grundlagen des Lebens als die Folge einer bestimmten Produktionsweise verstanden werden; und wenn verstanden wird, dass diese Produktionsweise die Maximierung der Erträge verlangt und zu Techniken greift, die dem biologischen Gleichgewicht Gewalt antun.



Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Die Texte zu diesem Buch - grundlegende Schriften zur politischen Ökologie - hat Andre Gorz kurz vor seinem Tod im September 2007 zusammengestellt.
Er schrieb dazu: "Dass bei der Arbeit Herrschaft über uns ausgeübt wird, wissen wir seit etwa 170 Jahren. Nicht aber dass das Gleiche für unsere Bedürfnisse und Wünsche, unsere Gedanken und unser Selbstbild genauso gilt.

Durch die Kritik des Modells unserer Konsumgesellschaft bin ich zum Ökologen 
avant la lettre geworden.
Mein Ausgangspunkt war ein Artikel, der 1954 in einer US-amerikanischen Zeitschrift erschien. Darin stand zu lesen, dass der Konsum in den kommenden acht Jahren mindestens um 50 Prozent wachsen müsse, damit die Produktionskapazitäten gewinnbringend ausgeschöpft werden könnten, dass aber die Leute gar nicht in der Lage seien, sich vorzustellen, worin denn diese 50 Prozent zusätzlichen Konsums bestehen sollten."

Kapitalismuskritik und politisch-ökologisches Denken ergänzen sich und bedingen sich gegenseitig, so die zentrale These von Andre Gorz. Und ein wirksamer Schutz der Umwelt ist ohne radikale Kritik des Kapitalismus nicht zu haben.


»Kapitalismuskritik und politisch-ökologisches Denken gehören für Gorz untrennbar zusammen. Ein anregendes, visionäres Bändchen.«
(Annette Jensen, Die Tageszeitung)


»Gorz selbst hatte mit seiner eigenen bescheidenen Lebensführung vorgeführt, dass ein Leben jenseits von Konsum und Warenflut möglich ist. Seine ausgeprägte Sensibilität für gesellschaftliche Entfremdungsprozesse hat uns den Blick auf eine bessere Zukunft geöffnet.«
(Henning Burk, 3sat-Kulturzeit)


»Die Texte für sein letztes Buch hat Gorz unter dem Aspekt der aktuellen politischen Herausforderungen zusammengestellt und antizipiert darin die doppelte Krise, mit der die Menschheit heute konfrontiert ist: Die Klimakrise und die Finanzkrise. Gorz hat mit seinem letzten Buch eine Art Abschiedsbrief für die Nachwelt verfasst.«
(Gerhard Klas, SWR2)







Dienstag, 11. August 2015

Was Linke denken






Was Linke denken
Gebundene Ausgabe – von Robert Misik (Autor)

Robert Misik, geboren 1966, ist Journalist und politischer Schriftsteller und schreibt regelmäßig für die Berliner »tageszeitung«, die »Berliner Zeitung«, die »Neue Zürcher Zeitung« und den Wiener »Falter«, außerdem produziert er die wöchentliche Videoshow »FS Misik« auf derstandard.at. Zahlreiche Preise, etwa der Bruno-Kreisky-Förderpreis, 2010 Journalist des Jahres in der Kategorie Online. 2009 Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik. Autor zahlrei­cher Bücher, zuletzt »Erklär mir die Finanzkrise« (2013).


Hier schon einmal eine kleine Ankündigung Robert Misik´s neuen Buches:
Im Spätsommer erscheint im Picus Verlag „Was Linke denken“. Es ist der Versuch, das zeitgenössische linke Denken (von dem viele Leute ja sagen würden: Gibt es das überhaupt?) auf die theoretischen und philosophischen Diskurse der letzten 150 Jahre zurückzubinden.
Und siehe da:
vieles von dem, was man so salopp die „linken Haltungen“ nennt, erweist sich als Resultat eines Sickerprozesses von Theorien. Woher diese stammen, welche Fragen sie aufwarfen und zu beantworten suchten und wie sich diese Antworten verbreiteten, das versuche ich in diesem Buch zu beschreiben.


Oft ist zu hören: Es herrscht Entideologisierung. »Links«, das ist doch heute mehr so ein Gefühl.
Vorschnelle Befunde!, meint Robert Misik. Denn der zeitgemäße Linke hat sehr wohl ein paar Bruchstücke an Theorien im Kopf:
 - Marx Lehren über die Widersprüche des Kapitalismus;
 - Eduard Bernsteins Postulat, dass Reform im Rahmen des Systems möglich ist;
 - Antonio Gramscis Gedankengänge über Zivilgesellschaft und Hegemonie;
 - den leicht depressiven kulturkritischen Sound der Frankfurter Schule von Walter Benjamin bis Jürgen Habermas;
 - Michel Foucaults Traktate, dass sich Macht eher in Machtknoten dezentriert hat und dass die Unterdrückten bei ihrer Beherrschung mitmachen;
 - eine Prise postmoderne Theorie, dass die Idee einer Wahrheit auch nur eine Täuschung ist;
 - ein großer Schöpflöffel Keynes, ein kleiner Schuss postkoloniale Theorie und viel Entfremdungskritik.

Robert Misik beschreibt rasant und amüsant von A wie Adorno bis Z wie i ek, aus welchen Brocken sich zeitgenössisches linkes Denken heute zusammensetzt.

Hier schon einmal, damit man sich die Chose etwas genauer vorstellen kann, das provisorische Inhaltsverzeichnis:
Einleitung: Philosophieren, ohne es zu wissen
1. Kapitel
Talking ’bout a Revolution 
Warum wir heute alle irgendwie Marxisten sind – und auch wieder nicht
2. Kapitel 
It doesn’t take a revolution
Es würde doch schon reichen, sich auf Trippelschritten einem Ideal anzunähern. Aber wer hat heute denn noch Ideale?
3. Kapitel
Herr Gramsci hätte gerne die Hegemonie
Wie die Herrschenden herrschen und wie der Kampf um die Hirne und Herzen der Unterdrückten funktioniert.
4. Kapitel
Wer hat die kritischere Kritik?
Herr Adorno hat stets schlechte Laune. Für und Wider von Aufklärung und Fortschritt.
5. Kapitel
Vom Ich-Aufstand zur Sexmeuterei
Herr Marx will unentfremdete Menschen, doch bald wird gefragt, ob „der Mensch“ überhaupt existiert. Kein Wunder, dass später Frau Butler sogar bezweifelt, dass es Frauen gibt.
6. Kapitel
Das kolonisierte Ding wird Mensch
Die Unterdrückung produziert den Unterdrückten. Die völlig Marginalisierten können nicht einmal sprechen, finden Frau Spivak heraus – denn wenn sie sprechen könnten, wären sie nicht mehr marginalisiert.
7. Kapitel
Sprechen heißt kämpfen
Herr Foucault sucht nach der Macht und findet den Diskurs – oder umgekehrt.
8. Kapitel
Vernetzt Euch!
Wie das postmoderne Wissen die alte Linke erst zerlegte und dann neu zusammensetzte.
Schluss: Fragend schreiten wir voran!

Samstag, 20. Juni 2015

Philosophie nach Marx






Philosophie nach Marx:
100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik

Broschiert – 
von Christoph Henning  (Autor)Christoph Henning (Dr. phil.) promovierte in Dresden und war Mitarbeiter an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Er ist Junior Fellow am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt und habilitierte 2014 an der Universität St. Gallen mit der Schrift "Freiheit, Gleichheit, Entfaltung: Die politische Philosophie des Perfektionismus".


Christoph Hennings materialreiche Studie unterzieht hundert Jahre theoretischer Marxrezeption über die Disziplingrenzen hinweg einer kritischen Analyse. Vor diesem Hintergrund versucht der Autor eine Rekonstruktion des Marx'schen Werkes gegen seine bisherigen Auslegungen.
Der erste Teil des Bandes behandelt systematisch die Marxrezeptionen in Sozialdemokratie und Kommunismus, in Ökonomie, Soziologie, Philosophie, Kritischer Theorie und Theologie. Als Haupttendenz erweist sich hier die Verlagerung ökonomischer Argumente in immer spekulativere Gefilde.
Der zweite Teil kritisiert heutige Sozialphilosophien und zeigt, dass ihr dezidiert normativer Ansatz aus diesen verfehlten Marxrezeptionen resultiert. Der Band fordert damit zu einer neuen Auseinandersetzung mit Marx jenseits politischer Grabenkämpfe heraus.

Der Kulturwissenschaftler Christoph Henning hat mit seinem Buch einen theoretischen Rundumschlag vorgelegt, dessen Waffe das Breitschwert, nicht aber das Skalpell ist.
Henning tritt an, in Form einer „Destruktion des Überlieferungsgeschehens“ (23) den Rezeptionsschutt wegzuarbeiten, der sich im Laufe von mehr als einem Jahrhundert in der marxistischen wie antimarxistischen Theoriegeschichte angesammelt und unser Verständnis von ‚der’ Marxschen Theorie entscheidend geprägt hat. Den leitenden Gesichtspunkt, unter dem ein enormes Textmaterial ökonomischen, soziologischen, philosophischen und theologischen Denkens bearbeitet wird, liefert die These, die gesamte nachmarxsche Theoriegeschichte sei als Prozess des „Verlust[es] des Gegenstands ‚Gesellschaft’“ (29) zu begreifen.
Was bei Marx noch originäres Objekt kritischer Theoriebildung gewesen sei, zerfalle in den verschiedenen Disziplinen ‚bürgerlichen’, aber auch bereits in der ‚orthodoxen’ Richtung marxistischen Denkens in die Dichotomien von Subjekt vs. Objekt, Technik vs. Ethik, Arbeit vs. Interaktion, Mensch-Mensch vs. Mensch-Ding-Relationen usf. In den einzelnen Kapiteln, die eine kurze Aufarbeitung der Marxrezeption in den jeweiligen Fachgebieten enthalten und auch unabhängig voneinander lesbar sind, finden sich zugleich ‚systematische Kernpunkte’, die einen Zugang zum, wie es naiv-hermeneutisch heißt, „von Marx gemeinten Sinn“ (23) seiner Texte liefern sollen. Dessen Kritik der politischen Ökonomie wird als Ansatz begriffen, der empirische Erscheinungen der kapitalistischen Moderne durch theoretische Mittelglieder hindurch mit nichtempirischen Modellen zu erklären beansprucht (335, 564).

Weder dürften die Modelle empiristisch verkürzt als unmittelbare Beschreibungen empirischer Prozesse verstanden werden (so geschehen im traditionellen Marxismus (37)), noch sei die nichtempirische Ebene ungestraft von ihrem Zusammenhang mit der erfahrbaren Wirklichkeit der bürgerlichen Gesellschaft zu trennen (wie es für die mannigfaltigen ‚Verphilosophierungsversuche’ bis hin zum Hegelmarxismus (569) diagnostiziert wird). Die Entfernung von der Wirklichkeit wird vor allem der normativen Sozialphilosophie der Gegenwart von Rawls und Habermas bis hin zur Wirtschaftsethik bescheinigt, der mit einem „therapeutischen Realismus“ (547) begegnet werden soll.

Dabei ist Henning zwar zuzustimmen, wenn er den normativistischen Modellkonstruktionen der Gegenwartsphilosophie wie den Prämissen der neoklassischen Ökonomie vorwirft, bereits mit der schnöden Alltagserfahrung in Konflikt zu geraten und zentrale empirische Probleme der globalisierten Menschheit schlicht zu ignorieren: „Wir hören von Elend und Krieg, spüren natürliche Triebe und müssen unsere Rechnungen bezahlen“ (546). Doch dieser Ansatz gerät nicht selten zu einer unbegründeten Substantialisierung des common sense und unserer „Intuitionen“, resp. der ‚harten Wirklichkeit’ als Kriterium der Bewertung von Theorien und „Wegzeichen“ (547) zu einer sachhaltigen Analyse der Gegenwart.
Von hierher speist sich wohl auch der grobschlächtige und hemdsärmelige Argumentationsstil des Autors, wenn es um die Bewertung der Überlegungen der Kritischen Theorie, die schlicht unter „Religion“ abgekanzelt wird, oder des bundesdeutschen Marxismus der 1970er Jahre geht, „der aus den Marx’schen Texten nicht mehr zur Welt kam“ (569). In der Charakterisierung des ‚Neomarxismus’ wimmelt es zudem von sachlichen Fehlern, z.B. in der Bewertung der monetären Werttheorie, die Henning als Position (miss-)versteht, die einen logischen Primat des Geldes vor dem Wertbegriff vertrete und es derart als nicht weiter erklärbare Prämisse behandle (171).
Hier wird auch die „Wertformanalyse“ von einem Teil des Marxschen ‚Kapital’ kurzerhand zu „einem späten Ausläufer adornitischer Sozialphilosophie“ (170) und wird jemand wie Ernest Mandel zu einem Theoretiker (v)erklärt, der die Zentralität des Geldes für die Marxsche Werttheorie erkannt habe (172). Jeder, der sich ernsthaft mit der Rezeptionsgeschichte der Marxschen Geldtheorie befasst hat, kann über solche Thesen nur den Kopf schütteln. Ist doch Mandel derjenige, der in seiner ‚Marxistischen Wirtschaftstheorie’ mit dem größten Aufwand versucht, die Engelsschen Mythen einer einfachen, geldlosen Warenproduktion mittels vermeintlicher empirischer ‚Beweise’ zu retten.

Bei näherer Betrachtung findet man eine ganze Reihe derart befremdlicher Thesen, vornehmlich zur neuen Marx-Lektüre in der Bundesrepublik. Geradezu verächtlich ist da von „Deduktionsmarxismus“ (332) die Rede, werden die unterschiedlichsten Theoretiker unter das Label ‚Hegelmarxismus’ subsumiert (selbst solche, die, wie Klaus Holz, sich nichts geringeres vornehmen, als Dialektik und Identitätsphilosophie grundlegend zu verabschieden!) (563) oder nimmt es Henning nicht so genau mit den Aussagen seiner Lieblingsgegner, namentlich dem Marxologen Hans-Georg Backhaus (171 FN 115). Hennings spärliche Bemerkungen zur Methode der Marxschen Ökonomiekritik fußen dabei weitgehend auf den Ausführungen des analytischen Philosophen Ulrich Steinvorth (u.a. 335, 563).
Mit dessen unzweifelhaft interessantem und elaboriertem Versuch einer einheitswissenschaftlichen Konzeption Marxscher Dialektik werden aber auch dessen Schwachpunkte schlicht reproduziert.
Marx’ Geldtheorie erscheint so als eine von pragmatischen ‚Regelzusammenhängen’, was ihre Differenz zu klassischen Ansätzen nicht mehr erkennbar werden lässt (175). Das erste Kapitel des ‚Kapital’ könne „überschlagen“ werden, „ohne dem Buch einen Abbruch zu tun“ (146) und die Darstellungsweise sei lediglich „didaktisch sinnvoll[e]“ Ordnung chaotischen Materials (145). Wie dann, ohne einen Begriff von Wert und Wertform, noch Geld und Kapital zu begreifen sind, bleibt Hennings Geheimnis.

Fragen, die bei einer Rezeption Steinvorths auftauchen, z.B. der, wie ‚unwirkliche’ Widersprüche, für die er diejenigen von Gebrauchswert und Wert, Ware und Geld hält, in einer Krise plötzlich zu wirklichen werden können, weicht Henning schlicht aus. Sein ‚Zurück zu Marx’ (13), so treffend es viele tatsächliche Fehlinterpretationen aufdeckt (obwohl ihm hierin keinesfalls Originalität bescheinigt werden kann), entpuppt sich so nicht selten als eine simulierte Orthodoxie, die mit einer Oberflächlichkeit und Selbstverständlichkeit methodologische Fragen übergeht, die einem den Atem verschlägt. 

Ein weiteres Ärgernis hängt mit der Stärke des Buches zusammen: Dessen ungeheurer Materialreichtum geht bisweilen in einen wahrhaften Zitier- und Fußnotenwahn über (bis zu 30 Buchtitel zu einem Stichwort sind keine Seltenheit; das Literaturverzeichnis umfasst 88 (!) eng bedruckte Seiten), der etliche Werke meist ohne Seitenangaben als Belegstellen anführt, der Bücher angibt, die noch gar nicht veröffentlicht sind (z.B. Krätke 2002) oder es auch sonst mit deren Erscheinungsjahr (z.B. Dieter Wolf 1980 (tatsächlich 1985) bzw. 2003 (tatsächlich 2002)) oder den Namen von Autoren (Lucio Colletti wird zu Coletti (41, 329, 585), Gert Schäfer zu Gerd Schäfer (640) usw.) nicht so genau nimmt.
Dennoch kann dieses Buch sowohl für solvente Einsteiger in die Beschäftigung mit ‚dem’ Marxismus als auch für solche, die sich mit den Geisteswissenschaften der Gegenwart herumschlagen wollen, von Nutzen sein. Bei einem Preis von fast 40 Euro und der Konzentration auf Rezeptionsgeschichte hätte aber ein Personenverzeichnis nicht schaden können... 
Ingo Elbe 
Christoph Henning, Philosophie nach Marx. 100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik, transcript-Verlag, Bielefeld 2005, 659 S., 39,80 Euro
 

Montag, 1. Juni 2015

Engels neu entdecken




Engels neu entdecken:
Das hellblaue Bändchen zur Einführung in die »Dialektik der Natur« und die Kritik von Akkumulation und Wachstum

Broschiert – 
von Elmar Altvater (Autor)

Elmar Altvater stellt im Anschluss an seinen erfolgreichen Band »MARX neu entdecken« Friedrich Engels (1820-1895) und eines seiner wichtigsten Werke vor, die »Dialektik der Natur«.
Elmar Altvater ist emer. Professor für Politische Wissenschaft, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac. Zuletzt erschienen von ihm »Der große Krach: oder die Jahrhundertkrise von Wirtschaft und Finanzen, von Politik und Natur« (Münster 2010) und bei VSA: 2012 Marx neu entdecken.

Friedrich Engels’ nicht vollendetes Werk »Dialektik der Natur« wurde posthum erstmals im Jahre 1925 in der jungen Sowjetunion in deutscher und russischer Sprache publiziert. Seitdem sind 90 Jahre und seit Engels’ Tod 1895 120 Jahre verstrichen. Nicht nur diese Jahrestage sind Anlass, Engels neu zu entdecken.

Auch Missverständnisse, Fehl- und Überinterpretationen kennzeichnen bis heute die Rezeptionsgeschichte der »Dialektik der Natur«. Und eine Auseinandersetzung mit Engels’ Thesen ist schon deshalb wichtig, weil es um zentrale Fragen des dialektischen Verhältnisses von Theorie, Realität und Praxis, um die Bedeutung von Zirkulation und Produktion in der Werttheorie, um das Verhältnis von gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen und Naturverhältnissen, von kapitalistischer Akkumulation und wirtschaftlichem Wachstum geht.

Engels ging es um das Begreifen eines »dialektischen Gesamtzusammenhangs« von Natur und Gesellschaft, von Ökonomie und Politik. Dieser »holistische« Ansatz ist heute in den Debatten um die Erde als »ökologisches Weltsystem«, als Anthropozän oder Kapitalozän aktueller denn je.

Die »Klassiker« des Marxismus beschäftigten sich also schon vor mehr als einem Jahrhundert auch mit ökologischen Fragen. Die »Dialektik der Natur« kann der Post-Wachstumsdebatte heute neue Impulse vermitteln. Daher werden in diesen Band einige zentrale Passagen von Engels’ Werk aufgenommen.




Im Jahre 2012 erschien das erste »hellblaue Bändchen« des Verfassers zur Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie: »Marx neu entdecken«. Im Jahre 2015 jährt sich zum 120. mal der Todestag von Friedrich Engels. Das wäre ein Anlass, seiner zu gedenken.
Aber wie?
Die nicht selbstverständliche Frage beantwortet sich fast von selbst. Denn es ist im Jahre 2015 ein weiterer Jahrestag zu bedenken. Friedrich Engels’ Schrift »Dialektik der Natur« erschien (posthum) erstmals vor 90 Jahren 1925 in der damaligen Sowjetunion in deutscher und russischer Sprache. Das ist Anlass genug, um die »Kritik der politischen Ökonomie« von Karl Marx und die »Dialektik der Natur« von Friedrich Engels darauf zu befragen, was sie zum Verständnis von Ökonomie und Ökologie heute beitragen können. 


Dabei wird auch auf die Kontroversen einzugehen sein, die die »Dialektik der Natur« und andere Schriften von Friedrich Engels, wie die »Anti-Dühring« genannte polemische Auseinandersetzung mit dem in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung seiner Zeit einflussreichen Eugen Dühring, ausgelöst haben.

Die Rezeptionsgeschichte der »Dialektik der Natur« ist schon deshalb wichtig, weil es um zentrale Fragen des dialektischen Verhältnisses von Theorie, Realität und Praxis, um die Bedeutung von Zirkulation und Produktion in der Werttheorie, um das Verhältnis gedanklicher Kategorien und der »Realkategorien« in der wirklichen Welt, um das Verhältnis von Gesellschaft und Natur in der kapitalistischen Gesellschaftsformation und ihrer Geschichte geht. Thema ist also, wie Engels von der Dialektik sagt, »die Wissenschaft von den allgemeinen Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, der Menschengesellschaft und des Denkens« (Marx-Engels-Werke, Band 20 [künftig: MEW 20]: 131f.).



Donnerstag, 22. August 2013

Die Reformlüge





Die Reformlüge:
40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren [Taschenbuch]

Albrecht Müller
 


Das Land taumelt von einer Reform zur nächsten, doch die erhoffte Wirkung bleibt aus. Die Zahl der Arbeitslosen steigt und steigt.
Albrecht Müller deckt auf:
Es sind die falschen Maßnahmen, mit denen das Land traktiert wird. Fundiert und faktenreich entlarvt er die gängigen Klischees über den Zustand unseres Landes als eiskalte Lügen. Den Nutzen haben einige wenige, die Zeche zahlen wir alle.

Mit einer anderen Politik wäre die Krise rasch beendet: Anstatt den Staat kaputtzusparen und unsere sozialen Errungenschaften preiszugeben, müssen wir auf Investitionen setzen und das Vertrauen in die eigene Wirtschaftskraft stärken.



Albrecht Müllers Buch "Die Reformlüge" schwimmt von Anfang bis Ende gegen den Strom. Müllers Buch ist ein guter, notwendiger Beitrag gegen die Eindimensionalität, mit der derzeit die Debatte um die angeblich alternativlosen Reformen in Deutschland geführt wird.

Mag das im Buch Gesagte in etlichen Details anfechtbar sein, das Grundanliegen ist voll und ganz berechtigt:
Müller kritisiert die Meinungsmonotonie unter Hinweis auf die banale Weisheit, dass es nie nur einen richtigen Weg geben kann und dass ein ewiges Schlechtreden und Problematisieren nach dem Prinzip der „self-fulfilling prophecy" die schlechte Situation nur weiter verschlechtert.

Die Notwendigkeit dieser Einheitsmeinung etwas entgegenzusetzen, wird allein deutlich an dem durchweg dürftigen Niveau der negativ ausfallenden Kundenrezensionen zu diesem Buch. Hier sind gar keine sachlichen Mittel mehr erforderlich, um die Kritik am Neoliberalismus zu erwidern, es reicht billige Polemik.

Freitag, 19. April 2013

Sarrazin-Debatte, "Islamkritik" und Terror in der Einwanderungsgesellschaft






Kritik und Gewalt: Sarrazin-Debatte, "Islamkritik" und Terror in der Einwanderungsgesellschaft [Broschiert] Klaus J. Bade (Autor)

Klaus J. Bade, geboren 1944, ist o. Professor für Neueste Geschichte und Vorstand des
Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.

Der Migrationsforscher, Publizist und Politikberater Prof. Dr. Klaus J. Bade lehrte bis 2007 Neueste Geschichte an der Universität Osnabrück und lebt seither in Berlin.
Er war u.a. Begründer des Osnabrücker Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) und bis Mitte 2012 Gründungsvorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) in Berlin.

Bade war Fellow an den Universitäten Harvard und Oxford, an der Niederländischen Akademie der Wissenschaften sowie am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Er hat zu Migration und Integration in Geschichte und Gegenwart viele Forschungsprojekte geleitet, einige Dutzend Bücher veröffentlicht und für sein Engagement in Forschung und kritischer Politikbegleitung diverse Auszeichnungen erhalten, zuletzt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (www.kjbade.de). 

Klaus J. Bade nimmt sich in seinem neu erschienenden Buch Kritik und Gewalt vor allem Sarrazin und Islamophobe vor.



Die Integrationsdebatte nach Thilo Sarrazins Buch ´Deutschland schafft sich ab´ offenbarte ein Paradox eine wachsende Akzeptanz des kulturellen Pluralismus, besonders unter jüngeren Menschen, und zugleich MASSIVE kulturelle Ressentiments in der Einwanderungsgesellschaft.  

Der renommierte Migrationsforscher und Politikberater Klaus J. Bade beleuchtet Ursachen, Hintergründe und bedrohliche Folgen dieser paradoxen Spannung. Ihr Ergebnis ist eine gefährliche Ersatzdebatte anstelle der verdrängten Diskussion um die neue Identität in der Einwanderungsgesellschaft.

Das Buch beschreibt diese Ersatzdebatte als negative Integration : die Selbstvergewisserung der Mehrheit durch die Ausgrenzung einer großen muslimischen Minderheit.
Die Politik verkennt die Brisanz dieser negativen Integration, solange sie Integrationspolitik nicht als Gesellschaftspolitik für alle versteht.

Mit scharfem Blick identifiziert Bade Zusammenhänge von Wortgewalt und Tatgewalt am Beispiel antimultikulturell und antiislamisch motivierter Bluttaten aus jüngster Zeit: dem Breivik-Massaker in Norwegen und den Serienmorden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in Deutschland.

Mit der Zunahme von Integrationserfolgen und der pragmatischen Akzeptanz kultureller Vielfalt sind in Deutschland auch aus kultureller Angst geborene fremdenfeindliche Abwehrhaltungen gewachsen, vor allem gegenüber dem Schreckgespenst Islam.
Im Umgang mit den Themen Einwanderung, Integration und Islam ist ein kritischer Punkt erreicht.


Samstag, 23. Februar 2013

Kritik der vernetzten Vernunft






Kritik der vernetzten Vernunft : Philosophie für Netzbewohner [Kindle Edition]

Jörg Friedrich  


Jörg Friedrich studierte zunächst Meteorologie und Physik und schrieb 1989 seine Diplomarbeit über die Simulation von Strukturbildung und Chaos in der Atmosphäre. 
Seit 1994 ist er Geschäftsführer der Firma INDAL in Münster, einer Softwarefirma, die individuelle IT-Projekte durchführt. 
Ein Studium der Philosophie schloss er 2009 als Master of Arts ab. 
Er beschäftigt sich in Artikeln und Vorträgen vor allem mit Fragen der praktischen Philosophie. 



Das Buch wendet sich an Menschen, die im Netz zu Hause sind, die nicht mehr zwischen online und offline unterscheiden, die in Blogs Kommentare posten und mit dem Kollegen über Fußball diskutieren, die Online-Zeitungen lesen und dabei mit dem Lebenspartner über das Wetter reden. 

Sie sind Netzwerker – nicht nur, wenn sie im Internet unterwegs sind. Ihr soziales Netz ist dicht geknüpft, die Online-Welt wird darin immer fester eingewoben. Sie ziehen ihr Wissen aus dem Netz, handeln in Netzwerken und indem sie sich vernetzen und sie hoffen auf Problemlösungen durch technische Vernetzungen.

Netzwerke sind die Basis unserer modernen Welt, aber Netze machen diese Welt auch immer komplexer und undurchschaubarer. Das Buch widmet sich den Herausforderungen der Vernunft in der vernetzten Welt. Es sucht die Antworten auf die großen philosophischen Fragen von Immanuel Kant, die in die Welt der vernetzten Vernunft passen: 
  • > Wie hängt unser Wissen von den Techniken der Vernetzung ab, und warum glauben wir dem Netz oft mehr als den eigenen Erfahrungen?
  • > Ist Handeln in einem richtungslosen Netz noch möglich, und kann man auch daraus ausbrechen, sich aus Knoten und Schlingen befreien?
  • > Gibt das Netz uns Grund zur Hoffnung und wird eine Welt technischer Vernetzungen unsere Wünsche erfüllen?
  • > Was macht den vernetzten Menschen aus, ändert er sein Wesen?





Dienstag, 14. August 2012

Soziologie - Kapitalismus - Kritik





Soziologie - Kapitalismus - Kritik:
Eine Debatte (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) [Taschenbuch]
Hartmut Rosa , Klaus Dörre , Stephan Lessenich



Einst gehörte es zu den zentralen Aufgaben der Soziologie, die moderne Gesellschaft über die sozialen Voraussetzungen und Konsequenzen ihrer Krisenhaftigkeit aufzuklären.

Diesem heute oft vernachlässigten Anliegen fühlen sich die Autoren dieses Bandes verpflichtet und stellen die Frage nach dem zeitdiagnostischen Potential soziologischer Analyse in den Mittelpunkt einer Debatte. Zeitdiagnostisch fundierte Gesellschaftskritik, so eine ihrer Thesen, gehört zum Kerngeschäft der Soziologie. 

Eine zweite besagt, daß jede Gesellschaftskritik der Gegenwart notwendig auch Kapitalismuskritik sein muß. Anhand von drei unterschiedlichen, aber komplementären Perspektiven auf aktuelle Prozesse der Landnahme, der Aktivierung und der Beschleunigung wird eine soziologische Kritik der Gegenwartsgesellschaft entfaltet, die zugleich Ansatzpunkte für politisches Handeln aufzeigt.

Mittwoch, 8. August 2012

EXIT! 9: Krise und Kritik der Warengesellschaf






EXIT! 9: Krise und Kritik der Warengesellschaft
[Broschiert]

Elmar Flatschart
, Robert Kurz , Daniel Späth (Autor)





Der kommende Aufstand ist schon da, aber er ist inhaltlich so armselig wie die Verhältnisse selbst, die er nirgendwo konzeptionell zu transzendieren vermag.

Ohne revolutionäre Theorie keine revolutionäre Bewegung, diese alte Wahrheit muss für die veränderte historische Situation neu erfunden werden. In der Entwicklung und Verbreitung innovativer Inhalte der Reflexion, in der theoretischen Intervention selbst liegt heute die Antwort auf die Frage, was zu tun sei; nicht in ausgeheckten Pseudo-Aktivitäten und nicht im Basteln an kleinen heilen Scheinwelten, die noch hinter den Protestbewegungen zurückbleiben. 

Wer die kapitalistische Totalität nicht erfassen und bekämpfen will, hat schon verloren. Die kulturalistische und dekonstruktivistische Wende hat in eine Sackgasse geführt, weil sie die versachlichte Logik des Kapitalfetischs vergessen machen sollte, um die Kritik im Design der Partikularitäten verschwinden zu lassen.

Es ist dagegen eine Art Universalismus-Streit vom Zaun zu brechen, der die kategoriale Abstraktion als wesentlichen Realitätsbezug kenntlich macht. Den Krisenverhältnissen wird ihre eigene Melodie nicht mit dem Bauch und nicht mit den Füßen vorgespielt.
Sicherlich bedarf es einer weltweiten theoretischen Anstrengung vieler Kräfte, um die Paralyse der revolutionären Transzendenz zu überwinden.
Aber nicht als bürgerlich-pluralistische Katzenmusik, sondern in der Bestimmtheit des übergreifenden Gegenstands, des Weltkapitals, und als Kampf um die theoretische Wahrheit der Zeit.

Die Kritik des auch geschlechtlich bestimmten Wert-Abspaltungs-Verhältnisses hat gezeigt, dass es nicht um eine alte ableitungslogische Kapitalexegese geht; aber gerade deswegen ist erst recht darauf zu bestehen, die in sich gebrochene Totalität des Kapitals auf den Begriff zu bringen.




Samstag, 21. Juli 2012

Weltmacht ITT




Weltmacht ITT -  Die politischen Geschäfte eines multninationalen Konzerns [Gebundene Ausgabe]
Anthony Sampson
(Autor)



Immer hilfloser scheinen die Bürgen, ja selbst Regierungen, der globalen Allgegenwart der multinationalen Konzerne ausgeliefert, deren Entscheidungen nur vom Eigeninteresse bestimmt werden. (Anmerkung: Das Buch erschien im Jahr 1973
http://www.amazon.de/Weltmacht-ITT-politischen-Geschäfte-mul...)

Einer dieser Konzerne ist die „Internationale Telefon- und Telegrafengesellschaft“ (ITT). Ihre Vergangenheit, ihre Geschäfte und ihre Machtpolitik hat der englische Publizist Anthony Sampson mit spektakulärem Erfolg untersucht.

ITT war auch einer der Konzerne die den Aufstieg der Nazis mitfinanzierte und auch noch 1943 / 44, also wo Amerika sich schon längst im Krieg mit Deutschland befandt, die Kriegsmaschinerie der Nazis weiter finanzierte; genauso wie man nach dem Krieg Unterlagen vernichtete und die Entnazifizierung deutscher Manager durch Druck auf die Militärs auf die lange Bank schob.

"Keine marxistische Kritik könnte das Bild von den großen Konzernen nachhaltiger beschmutzen und das System der freien Unternehmerschaft mehr diskreditieren als das Verhalten von ITT". (New York Times)
Quelle: Klappentext 


Auszug:
Warum soll die ITT nicht Firmen aufkaufen, sie reorganisieren, aber dann wieder verkaufen ..? Dadurch kann ein für die Firma nützlicher Gesundbrunnen entstehen, mit dem Verschwendung und Unfähigkeit ausgemerzt werden. Aber Geneen besteht darauf, daß sein System wie das von General Motors für die Ewigkeit errichtet sei, eine nicht nachvollziehbare Logik.
Langfristig, glaube ich, wird sich die Schwäche dieser ITT-Methode von selbst herausstellen. Denn die ITT ist so aufgebaut, daß sie nur einen einzigen Unternehmer an der Spitze duldet, originelle Außenseiter und dickköpfige Forscher, beides wesentliche Voraussetzungen für jede echte Innovation, haben dort keinen Platz. Imagination und Träume sind Geneen und seinen Kontrolleuren zuwider; denn sie bringen Überraschungen. Aber Überraschungen, gute oder schlechte, sind für neue Erfindungen und echtes Unternehmertum unabdingbar.
Nach meiner Meinung wird sich die ITT wahrscheinlich nach Geneens Ausscheiden als unfähig erweisen, ohne des Ansporn des Chefs zusammenzuhalten. Die einzelnen Firmen werden wieder an Selbstbewußtsein zunehmen, und dann werden die Grundfehler des Systems, der Mangel an Innovationen, an Unternehmerpersönlichkeiten und an logischer Verbindung der einzelnen Operationen offen zutage treten. Wahrscheinlich werden dann schließlich die größeren Tochterfirmen ausbrechen, wenn dies auch kein leichter Prozeß sein dürfte.

Wie die Entwicklung gezeigt hat, lag Sampson mit seiner Prognose, ein seltener Fall, fast vollständig richtig.



Weiterführende Informationen:   

http://de.wikipedia.org/wiki/International_Telephone_and_Telegraph



ITT: Weltkonzern zwischen Politik und Profit
Die Geschäfte des multinationalen Unternehmens International Telephone and Telegraph 





Freitag, 20. Juli 2012

Schwarzbuch Kapitalismus



Schwarzbuch Kapitalismus:
Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft [Gebundene Ausgabe]

Robert Kurz
(Autor)

Robert Kurz ist am 19.Juli 2012 an den Folgen einer Nierenoperation gestorben. Mit 68 Jahren, viel zu früh.
Er war maßgeblicher Mitbegründer der Wertkritik.
Mit der Gruppe Krisis und später der Gruppe Exit! entwickelte er eine vehemente Kritik an den Grundformen der kapitalistischen Gesellschaft: Arbeit, Ware, Wert, Geld.

Dem Traditionsmarxismus warf er eine verkürzte Analyse und Kritik vor, die nur auf die Ebene der Verteilung des Reichtums abzielt, aber Form und Zustandekommen dieses Reichtums außen vor lässt.



Zornig und kompromisslos - das richtige Buch zur richtigen Zeit
»Es kann nur noch ein Abenteuer geben: die Überwindung der Marktwirtschaft jenseits der alten staatssozialistischen Ideen. Danach mag eine andere Geschichte beginnen.«

Der Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten sinkt, die Arbeitslosigkeit nimmt zu, und der Ausweg in die Dienstleistungsgesellschaft erweist sich als Illusion mit Arbeitslöhnen knapp oberhalb oder unterhalb des Existenzminimums.

Die Marktwirtschaft steckt in der Globalisierungsfalle und die weltweite Finanzkrise vernichtet in jeder Minute mehr Kapital als sich selbst gut bezahlte Investmentbanker in den kühnsten Träumen vorstellen können.

In einer Analyse der drei großen industriellen Revolutionen zeigt Robert Kurz, weshalb die Wachstumsdynamik der letzten 200 Jahre zwangsläufig erlischt und warum das bisherige System von Arbeit, Geldeinkommen und Warenkonsum nicht mehr zu retten ist.


Das neue Buch Geld ohne Wert. Grundrisse zu einer Transformation der Kritik der politischen Ökonomie soll posthum im Horlemann-Verlag erscheinen.