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Dienstag, 11. August 2015

Was Linke denken






Was Linke denken
Gebundene Ausgabe – von Robert Misik (Autor)

Robert Misik, geboren 1966, ist Journalist und politischer Schriftsteller und schreibt regelmäßig für die Berliner »tageszeitung«, die »Berliner Zeitung«, die »Neue Zürcher Zeitung« und den Wiener »Falter«, außerdem produziert er die wöchentliche Videoshow »FS Misik« auf derstandard.at. Zahlreiche Preise, etwa der Bruno-Kreisky-Förderpreis, 2010 Journalist des Jahres in der Kategorie Online. 2009 Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik. Autor zahlrei­cher Bücher, zuletzt »Erklär mir die Finanzkrise« (2013).


Hier schon einmal eine kleine Ankündigung Robert Misik´s neuen Buches:
Im Spätsommer erscheint im Picus Verlag „Was Linke denken“. Es ist der Versuch, das zeitgenössische linke Denken (von dem viele Leute ja sagen würden: Gibt es das überhaupt?) auf die theoretischen und philosophischen Diskurse der letzten 150 Jahre zurückzubinden.
Und siehe da:
vieles von dem, was man so salopp die „linken Haltungen“ nennt, erweist sich als Resultat eines Sickerprozesses von Theorien. Woher diese stammen, welche Fragen sie aufwarfen und zu beantworten suchten und wie sich diese Antworten verbreiteten, das versuche ich in diesem Buch zu beschreiben.


Oft ist zu hören: Es herrscht Entideologisierung. »Links«, das ist doch heute mehr so ein Gefühl.
Vorschnelle Befunde!, meint Robert Misik. Denn der zeitgemäße Linke hat sehr wohl ein paar Bruchstücke an Theorien im Kopf:
 - Marx Lehren über die Widersprüche des Kapitalismus;
 - Eduard Bernsteins Postulat, dass Reform im Rahmen des Systems möglich ist;
 - Antonio Gramscis Gedankengänge über Zivilgesellschaft und Hegemonie;
 - den leicht depressiven kulturkritischen Sound der Frankfurter Schule von Walter Benjamin bis Jürgen Habermas;
 - Michel Foucaults Traktate, dass sich Macht eher in Machtknoten dezentriert hat und dass die Unterdrückten bei ihrer Beherrschung mitmachen;
 - eine Prise postmoderne Theorie, dass die Idee einer Wahrheit auch nur eine Täuschung ist;
 - ein großer Schöpflöffel Keynes, ein kleiner Schuss postkoloniale Theorie und viel Entfremdungskritik.

Robert Misik beschreibt rasant und amüsant von A wie Adorno bis Z wie i ek, aus welchen Brocken sich zeitgenössisches linkes Denken heute zusammensetzt.

Hier schon einmal, damit man sich die Chose etwas genauer vorstellen kann, das provisorische Inhaltsverzeichnis:
Einleitung: Philosophieren, ohne es zu wissen
1. Kapitel
Talking ’bout a Revolution 
Warum wir heute alle irgendwie Marxisten sind – und auch wieder nicht
2. Kapitel 
It doesn’t take a revolution
Es würde doch schon reichen, sich auf Trippelschritten einem Ideal anzunähern. Aber wer hat heute denn noch Ideale?
3. Kapitel
Herr Gramsci hätte gerne die Hegemonie
Wie die Herrschenden herrschen und wie der Kampf um die Hirne und Herzen der Unterdrückten funktioniert.
4. Kapitel
Wer hat die kritischere Kritik?
Herr Adorno hat stets schlechte Laune. Für und Wider von Aufklärung und Fortschritt.
5. Kapitel
Vom Ich-Aufstand zur Sexmeuterei
Herr Marx will unentfremdete Menschen, doch bald wird gefragt, ob „der Mensch“ überhaupt existiert. Kein Wunder, dass später Frau Butler sogar bezweifelt, dass es Frauen gibt.
6. Kapitel
Das kolonisierte Ding wird Mensch
Die Unterdrückung produziert den Unterdrückten. Die völlig Marginalisierten können nicht einmal sprechen, finden Frau Spivak heraus – denn wenn sie sprechen könnten, wären sie nicht mehr marginalisiert.
7. Kapitel
Sprechen heißt kämpfen
Herr Foucault sucht nach der Macht und findet den Diskurs – oder umgekehrt.
8. Kapitel
Vernetzt Euch!
Wie das postmoderne Wissen die alte Linke erst zerlegte und dann neu zusammensetzte.
Schluss: Fragend schreiten wir voran!

Samstag, 8. August 2015

Zur Aktualität der Marxschen Theorie





Zurück zum Original:
Zur Aktualität der Marxschen Theorie
Broschiert – von Johannes Schillo (Herausgeber), Uwe Findeisen (Autor), Manfred Henle (Autor), 3mehr


Der Herausgeber:
Johannes Schillo ist Journalist. Er hat lange Jahre als Autor und Redakteur für die Fachöffentlichkeit der außerschulischen politischen Bildung gearbeitet. 

Die Autoren:
Uwe F. Findeisen, Manfred Henle, Freerk Huisken, Ulrich Irion, Hans-Jörg Tauchert.
Johannes Schillo und seine Ko-Autoren konstatieren, dass heute vom Kapitalismus wieder allenthalben die Rede ist. Also: Zurück zum Original!


Die Marxsche Theorie stößt wieder auf Interesse. Aufgeschreckte Zeitgenossen reden ganz selbstverständlich vom Kapitalismus und meinen damit ein Monster des ungezügelten Egoismus, wie es Kulturkritiker (siehe Frank Schirrmachers »Ego«-Bestseller) im neuesten Trend des Informationskapitalismus entdeckt haben, eine rücksichtslose Ungleichheitsmaschine, die (so Thomas Piketty mit seiner Anklage des »meritokratischen Extremismus« der Machteliten) Verelendungstendenzen global produziert und legitimiert, oder eine einzige Ansammlung von Konsum- und Geldgier, die (laut amtierendem Papst) achtlos an den Todesopfern des Wirtschaftslebens vorbeigeht.

Bei solchen Anklagen kann und darf man neuerdings auch an die hellsichtigen Prophezeiungen, eindringlichen Warnungen oder menschlich ansprechenden Visionen denken, die angeblich von Marx stammen, und sich fragen, ob dieser nicht für einen Wärmestrom der deutschen Geistesgeschichte steht, der vielleicht sogar Anstöße für eine Zähmung der ökonomischen Monstrosität gibt.

Die andere Seite gehört zum aktuellen Diskurs genauso dazu: Die Marxsche Theorie reiche nicht aus, um das heutige Wirtschaftsgeschehen zu erklären, geschweige denn, es zu verbessern. Nicht zuletzt ist jedem durch Meinungsfreiheit und Pluralismus aufgeklärten Staatsbürger klar, dass das Marxsche Theoriegebäude höchstens als interessantes Material zu benutzen ist. Diesem neuerlichen Abgesang treten die Autoren entgegen. Sie bestehen auf der Aktualität der Marxschen Theorie, denn sie kann das Wirken des Kapitals im 19., 20. und 21. Jahrhundert erklären.


Dienstag, 4. August 2015

Wirtschaftspolitik und Sozialismus







Wirtschaftspolitik und Sozialismus:
Vom politökonomischen Minimalkonsens zur Überwindung des Kapitalismus

Gebundene Ausgabe – von Stephan Krüger (Autor)


Stephan Krüger arbeitet seit Anfang der 1990er Jahre als Unternehmensberater für Belegschaften und ihre Repräsentanten (Betriebsräte, Arbeitnehmervertreter_innen in Aufsichtsräten und Gewerkschaften). 


Bei VSA: erschien von ihm 2010:
Band 1 – Allgemeine Theorie der Kapitalakkumulation; 2012:
Band 2 – Politische Ökonomie des Geldes; ebenfalls 2012:
Band 4 – Keynes und Marx. 2015 erschien das statistische Taschenbuch:Entwicklung des deutschen Kapitalismus 1950-2013.



Oft steht in linken, alternativen Konzepten die Auseinandersetzung mit dem »Hier und Jetzt« sowie mit längerfristigen, über den Kapitalismus hinausreichenden gesellschaftsverändernden Vorstellungen zusammenhanglos nebeneinander.

Diesem Mangel versucht der Autor durch eine Integration aktueller wirtschaftspolitischer Gegenmaßnahmen in eine moderne und nachhaltige Sozialismus-Konzeption abzuhelfen. Ein Sozialismus im 21. Jahrhundert für die Bevölkerung der EU wird auf einer sozialistischen Marktwirtschaft im Rahmen eines europäischen Gesamt­reproduktionsprozesses aufbauen und auf drei Säulen stehen:
 - einem Mix an Eigentumsverhältnissen mit vorrangig genossenschaftlicher Corporate Governance sowie wirtschaftsdemokratischer Steuerung einer marktwirtschaftlichen Ressourcen­allokation;
 - neuen Institutionen wie unternehmerisch agierende Management-Agenturen für Innovation, Sanierung und Konversion, die den zivilgesellschaftlichen Gegenentwurf zum überkommenen staatsfixierten Sozialismus-Modell markieren.
 - Entflechtung der Institutionen des Finanzsektors und eine Transformation der Börsen machen Ernst mit einer »dienenden Rolle« von Geld und Kredit gegenüber produktiver Wertschöpfung.

Abschließend wird die Vision einer kommunistischen Gesellschaft mit Verteilungsformen entsprechend der Maxime »jeder nach seinen Bedürfnissen« als langfristige Perspektive für die tendenzielle und partielle Ablösung der Marktwirtschaft thematisiert.


Samstag, 20. Juni 2015

Philosophie nach Marx






Philosophie nach Marx:
100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik

Broschiert – 
von Christoph Henning  (Autor)Christoph Henning (Dr. phil.) promovierte in Dresden und war Mitarbeiter an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Er ist Junior Fellow am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt und habilitierte 2014 an der Universität St. Gallen mit der Schrift "Freiheit, Gleichheit, Entfaltung: Die politische Philosophie des Perfektionismus".


Christoph Hennings materialreiche Studie unterzieht hundert Jahre theoretischer Marxrezeption über die Disziplingrenzen hinweg einer kritischen Analyse. Vor diesem Hintergrund versucht der Autor eine Rekonstruktion des Marx'schen Werkes gegen seine bisherigen Auslegungen.
Der erste Teil des Bandes behandelt systematisch die Marxrezeptionen in Sozialdemokratie und Kommunismus, in Ökonomie, Soziologie, Philosophie, Kritischer Theorie und Theologie. Als Haupttendenz erweist sich hier die Verlagerung ökonomischer Argumente in immer spekulativere Gefilde.
Der zweite Teil kritisiert heutige Sozialphilosophien und zeigt, dass ihr dezidiert normativer Ansatz aus diesen verfehlten Marxrezeptionen resultiert. Der Band fordert damit zu einer neuen Auseinandersetzung mit Marx jenseits politischer Grabenkämpfe heraus.

Der Kulturwissenschaftler Christoph Henning hat mit seinem Buch einen theoretischen Rundumschlag vorgelegt, dessen Waffe das Breitschwert, nicht aber das Skalpell ist.
Henning tritt an, in Form einer „Destruktion des Überlieferungsgeschehens“ (23) den Rezeptionsschutt wegzuarbeiten, der sich im Laufe von mehr als einem Jahrhundert in der marxistischen wie antimarxistischen Theoriegeschichte angesammelt und unser Verständnis von ‚der’ Marxschen Theorie entscheidend geprägt hat. Den leitenden Gesichtspunkt, unter dem ein enormes Textmaterial ökonomischen, soziologischen, philosophischen und theologischen Denkens bearbeitet wird, liefert die These, die gesamte nachmarxsche Theoriegeschichte sei als Prozess des „Verlust[es] des Gegenstands ‚Gesellschaft’“ (29) zu begreifen.
Was bei Marx noch originäres Objekt kritischer Theoriebildung gewesen sei, zerfalle in den verschiedenen Disziplinen ‚bürgerlichen’, aber auch bereits in der ‚orthodoxen’ Richtung marxistischen Denkens in die Dichotomien von Subjekt vs. Objekt, Technik vs. Ethik, Arbeit vs. Interaktion, Mensch-Mensch vs. Mensch-Ding-Relationen usf. In den einzelnen Kapiteln, die eine kurze Aufarbeitung der Marxrezeption in den jeweiligen Fachgebieten enthalten und auch unabhängig voneinander lesbar sind, finden sich zugleich ‚systematische Kernpunkte’, die einen Zugang zum, wie es naiv-hermeneutisch heißt, „von Marx gemeinten Sinn“ (23) seiner Texte liefern sollen. Dessen Kritik der politischen Ökonomie wird als Ansatz begriffen, der empirische Erscheinungen der kapitalistischen Moderne durch theoretische Mittelglieder hindurch mit nichtempirischen Modellen zu erklären beansprucht (335, 564).

Weder dürften die Modelle empiristisch verkürzt als unmittelbare Beschreibungen empirischer Prozesse verstanden werden (so geschehen im traditionellen Marxismus (37)), noch sei die nichtempirische Ebene ungestraft von ihrem Zusammenhang mit der erfahrbaren Wirklichkeit der bürgerlichen Gesellschaft zu trennen (wie es für die mannigfaltigen ‚Verphilosophierungsversuche’ bis hin zum Hegelmarxismus (569) diagnostiziert wird). Die Entfernung von der Wirklichkeit wird vor allem der normativen Sozialphilosophie der Gegenwart von Rawls und Habermas bis hin zur Wirtschaftsethik bescheinigt, der mit einem „therapeutischen Realismus“ (547) begegnet werden soll.

Dabei ist Henning zwar zuzustimmen, wenn er den normativistischen Modellkonstruktionen der Gegenwartsphilosophie wie den Prämissen der neoklassischen Ökonomie vorwirft, bereits mit der schnöden Alltagserfahrung in Konflikt zu geraten und zentrale empirische Probleme der globalisierten Menschheit schlicht zu ignorieren: „Wir hören von Elend und Krieg, spüren natürliche Triebe und müssen unsere Rechnungen bezahlen“ (546). Doch dieser Ansatz gerät nicht selten zu einer unbegründeten Substantialisierung des common sense und unserer „Intuitionen“, resp. der ‚harten Wirklichkeit’ als Kriterium der Bewertung von Theorien und „Wegzeichen“ (547) zu einer sachhaltigen Analyse der Gegenwart.
Von hierher speist sich wohl auch der grobschlächtige und hemdsärmelige Argumentationsstil des Autors, wenn es um die Bewertung der Überlegungen der Kritischen Theorie, die schlicht unter „Religion“ abgekanzelt wird, oder des bundesdeutschen Marxismus der 1970er Jahre geht, „der aus den Marx’schen Texten nicht mehr zur Welt kam“ (569). In der Charakterisierung des ‚Neomarxismus’ wimmelt es zudem von sachlichen Fehlern, z.B. in der Bewertung der monetären Werttheorie, die Henning als Position (miss-)versteht, die einen logischen Primat des Geldes vor dem Wertbegriff vertrete und es derart als nicht weiter erklärbare Prämisse behandle (171).
Hier wird auch die „Wertformanalyse“ von einem Teil des Marxschen ‚Kapital’ kurzerhand zu „einem späten Ausläufer adornitischer Sozialphilosophie“ (170) und wird jemand wie Ernest Mandel zu einem Theoretiker (v)erklärt, der die Zentralität des Geldes für die Marxsche Werttheorie erkannt habe (172). Jeder, der sich ernsthaft mit der Rezeptionsgeschichte der Marxschen Geldtheorie befasst hat, kann über solche Thesen nur den Kopf schütteln. Ist doch Mandel derjenige, der in seiner ‚Marxistischen Wirtschaftstheorie’ mit dem größten Aufwand versucht, die Engelsschen Mythen einer einfachen, geldlosen Warenproduktion mittels vermeintlicher empirischer ‚Beweise’ zu retten.

Bei näherer Betrachtung findet man eine ganze Reihe derart befremdlicher Thesen, vornehmlich zur neuen Marx-Lektüre in der Bundesrepublik. Geradezu verächtlich ist da von „Deduktionsmarxismus“ (332) die Rede, werden die unterschiedlichsten Theoretiker unter das Label ‚Hegelmarxismus’ subsumiert (selbst solche, die, wie Klaus Holz, sich nichts geringeres vornehmen, als Dialektik und Identitätsphilosophie grundlegend zu verabschieden!) (563) oder nimmt es Henning nicht so genau mit den Aussagen seiner Lieblingsgegner, namentlich dem Marxologen Hans-Georg Backhaus (171 FN 115). Hennings spärliche Bemerkungen zur Methode der Marxschen Ökonomiekritik fußen dabei weitgehend auf den Ausführungen des analytischen Philosophen Ulrich Steinvorth (u.a. 335, 563).
Mit dessen unzweifelhaft interessantem und elaboriertem Versuch einer einheitswissenschaftlichen Konzeption Marxscher Dialektik werden aber auch dessen Schwachpunkte schlicht reproduziert.
Marx’ Geldtheorie erscheint so als eine von pragmatischen ‚Regelzusammenhängen’, was ihre Differenz zu klassischen Ansätzen nicht mehr erkennbar werden lässt (175). Das erste Kapitel des ‚Kapital’ könne „überschlagen“ werden, „ohne dem Buch einen Abbruch zu tun“ (146) und die Darstellungsweise sei lediglich „didaktisch sinnvoll[e]“ Ordnung chaotischen Materials (145). Wie dann, ohne einen Begriff von Wert und Wertform, noch Geld und Kapital zu begreifen sind, bleibt Hennings Geheimnis.

Fragen, die bei einer Rezeption Steinvorths auftauchen, z.B. der, wie ‚unwirkliche’ Widersprüche, für die er diejenigen von Gebrauchswert und Wert, Ware und Geld hält, in einer Krise plötzlich zu wirklichen werden können, weicht Henning schlicht aus. Sein ‚Zurück zu Marx’ (13), so treffend es viele tatsächliche Fehlinterpretationen aufdeckt (obwohl ihm hierin keinesfalls Originalität bescheinigt werden kann), entpuppt sich so nicht selten als eine simulierte Orthodoxie, die mit einer Oberflächlichkeit und Selbstverständlichkeit methodologische Fragen übergeht, die einem den Atem verschlägt. 

Ein weiteres Ärgernis hängt mit der Stärke des Buches zusammen: Dessen ungeheurer Materialreichtum geht bisweilen in einen wahrhaften Zitier- und Fußnotenwahn über (bis zu 30 Buchtitel zu einem Stichwort sind keine Seltenheit; das Literaturverzeichnis umfasst 88 (!) eng bedruckte Seiten), der etliche Werke meist ohne Seitenangaben als Belegstellen anführt, der Bücher angibt, die noch gar nicht veröffentlicht sind (z.B. Krätke 2002) oder es auch sonst mit deren Erscheinungsjahr (z.B. Dieter Wolf 1980 (tatsächlich 1985) bzw. 2003 (tatsächlich 2002)) oder den Namen von Autoren (Lucio Colletti wird zu Coletti (41, 329, 585), Gert Schäfer zu Gerd Schäfer (640) usw.) nicht so genau nimmt.
Dennoch kann dieses Buch sowohl für solvente Einsteiger in die Beschäftigung mit ‚dem’ Marxismus als auch für solche, die sich mit den Geisteswissenschaften der Gegenwart herumschlagen wollen, von Nutzen sein. Bei einem Preis von fast 40 Euro und der Konzentration auf Rezeptionsgeschichte hätte aber ein Personenverzeichnis nicht schaden können... 
Ingo Elbe 
Christoph Henning, Philosophie nach Marx. 100 Jahre Marxrezeption und die normative Sozialphilosophie der Gegenwart in der Kritik, transcript-Verlag, Bielefeld 2005, 659 S., 39,80 Euro
 

Mittwoch, 10. Juni 2015

Staat und Revolution von W.I. Lenin








Staat und Revolution von W.I. Lenin
weiters: „Marxismus und Staat“ von Alan Woods und Ted Grant
Aufstand der Vernunft Nr. 10
Verlag AdV, 150 Seiten


Die neuste Erscheinung in der Reihe Aufstand der Vernunft: Lenins „Staat und Revolution“. Ebenfalls im Buch enthalten ist der Text „Marxismus und der Staat“ von Ted Grant und Alan Woods.

In Zeiten der Krise erleben wir einen neuerlichen Aufschwung des Klassenkampfes. Die Regierungen reagieren auf soziale sowie politische Protestbewegungen zusehends mit staatlicher Repression und Aufrüstung des Staatsapparates. Die Auseinandersetzung mit der Staatsfrage wird einer neuen Generation somit durch den Druck der Ereignisse aufgezwungen.

Die Frage des Staates ist aus Sicht aller revolutionären Kräfte von grundlegender Bedeutung und nimmt dementsprechend auch einen zentralen Stellenwert in der marxistischen Theorie ein. Die marxistischen Klassiker entwickelten ihre Staatstheorie unter dem Eindruck lebendiger revolutionärer Prozesse, wie der Pariser Kommune 1871 oder der Russischen Revolution 1917. Lenins Schrift „Staat und Revolution“, die wir hiermit neu auflegen, fasst diese Theoriearbeit wie kein anderer Text zusammen.


Seit dem Verfassen dieses Standardwerks des Marxismus sind mehrere Jahrzehnte vergangen. Die Arbeiterklasse hat seither eine Vielzahl an Erfahrungen gesammelt und immer wieder den Versuch unternommen, auf revolutionärem Weg den Kapitalismus zu überwinden. Wer an Revolution denkt, hat meist den gewaltsamen Barrikadenkampf oder den heldenmutigen Sturm auf das Winterpalais im Hinterkopf. Die Frage, wie viel Gewalt eine Revolution hervorbringt bzw. ob es eine friedliche Revolution geben kann, wurde in der Linken immer schon sehr heftig debattiert. 
Ted Grant und Alan Woods versuchen in ihrem Dokument „Marxismus und der Staat“, das nun zum ersten Mal in deutscher Sprache vorliegt, anhand der Methoden von Marx, Engels, Lenin und Trotzki sowie den Erfahrungen der revolutionären Bewegungen in Frankreich 1968 und in Portugal 1974/5 diese Frage zu beantworten.
Wir sind überzeugt, dass dieses Buch einen wichtigen Beitrag zur Vorbereitung der revolutionären Kräfte im deutschsprachigen Raum leisten wird. Wir steuern auf bewegte Zeiten zu, in denen der Klassenkampf wieder mit aller Härte ausgefochten werden wird. Ausgestattet mit den Ideen und Methoden des Marxismus wird eine neue Generation an die Umwälzung des Kapitalismus schreiten.


Montag, 4. März 2013

Zum Verhältnis von Anarchismus und Marxismus







Begegnungen feindlicher Brüder:
Zum Verhältnis von Anarchismus und Marxismus in der Geschichte der sozialistischen Bewegung [Broschiert]  Band I und Band II
Philippe Kellermann (Herausgeber)

Philippe Kellermann, geb.1980, lebt in Berlin und veröffentlicht in Grundrisse und Graswurzelrevolution. Er ist Initiator des Fanzines Aus‘m Bauch und spielt in der Punkband Kackfeuer.



Band 1
Dieser Sammelband vereinigt Aufsätze, die, neben der Rekonstruktion der 'klassischen' Auseinandersetzung zwischen Anarchismus und Marxismus, die Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen AnarchistInnen und MarxistInnen in der weiteren Geschichte der sozialistischen Bewegungen zu rekonstruieren versuchen.

Band 2
Wie schon der Vorgängerband widmet sich Begegnungen feindlicher Brüder, Band zwei den Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen AnarchistInnen und MarxistInnen in der Geschichte der sozialistischen Bewegungen und diskutiert diese anhand ausgewählter Strömungen und AkteurInnen:

- von der klassischen Polemik zwischen Marx/Engels und Stirner,
- über die Kritische Theorie eines Adorno und die heftige Debatte zwischen Jean Paul Sartre und Albert Camus,
- bis hin zu einem Neuen Linken wie Rudi Dutschke
- oder einem poststrukturalistischen Denker wie Gilles Deleuze.

Abgerundet wird der Sammelband durch Aufsätze, welche die Politik der Bolschewiki und die der spanischen CNT gegenüber den ArbeiterInnen miteinander vergleicht, die Frage nach dem marxistischen Charakter des deutschen Anarchosyndikalismus stellt oder das Kunstverständnis in Marxismus und Anarchismus diskutiert.



Band 3

An die Bände 1 und 2 anschließend, behandelt auch Band 3 der Begegnungen feindlicher Brüder die Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen AnarchistInnen und MarxistInnen in der Geschichte der sozialistischen Bewegungen und diskutiert diese anhand ausgewählter Strömungen und AkteurInnen.
Eher thematisch angelegt sind die Aufsätze zu unterschiedlichen sozialistischen Pädagogikkonzeptionen, differierenden staatstheoretischen Ansätzen und der Haltung zur Gewalt; während Akteursbezogen die Frage nach dem Widerstand gegen die Nazis in Deutschland behandelt wird, daneben die Gruppe Socialisme ou Barbarie, Erich Fromm, der Künstler und Sozialist William Morris, sowie der Ethnologe Pierre Clastres.

Freitag, 2. November 2012

Dreizehn Versuche, marxistisches Denken zu erneuern.

Dreizehn Versuche, marxistisches Denken zu erneuern.
Gefolgt von Sondierung zu Marx / Lenin / Luxemburg [Taschenbuch]
Wolfgang Fr. Haug







Erster Versuch
Rückblick auf den Marxismus des 20. Jahrhunderts
Erbe, Aufgaben, Aussichten einer marxistischen
Renaissance 15


TEIL I: PERSPEKTIVEN

Zweiter Versuch
Was ist tot, was lebendig an der Problematik
des >pluralen Marxismus< 35


Dritter Versuch
Terrainwechsel in der Beziehung von
Marxisten und Christen 52


Vierter Versuch
Was kommt nach dem fordistischen Marxismus? 59


Fünfter Versuch
Perspektiven marxistischen Denkens 83


Sechster Versuch
Krise und Kritik der politischen Ökonomie heute 108


Siebter Versuch
Der verlorene Buchstabe
Eine symptomale Fehllektüre des Kapitals 113


TEIL II: PHILOSOPHIEREN IM ANSCHLUSS AN MARX
Achter Versuch
Die drei Kritiken
Utopischer Überschuss in der marxschen Theorie 123


Neunter Versuch
Karl Marx oder der Beginn der ultima philosophia 135


Zehnter Versuch
Zur Wiederkehr der Philosophie im Marxismus 153


Elfter Versuch
Philosophieren mit Gramsci und Brecht 171


Zwölfter Versuch
Mariäteguis Verteidigung des Marxismus 191


Dreizehnter Versuch
Von Marx zu Gramsci - von Gramsci zu Marx
Historischer Materialismus und Philosophie der Praxis 202 





Donnerstag, 13. September 2012

Marx verstehen !





Marx verstehen [Gebundene Ausgabe]
Robert Misik
(Autor)

Robert Misik, geboren 1966, ist ständiger Autor der tageszeitung (Berlin), von profil und Falter (Wien) und einer der streitbarsten linken Publizisten seiner Generation. Autor zahlloser Kritiken, Essays, Kommentare und Reportagen. 1999 und 2000 erhielt Robert Misik den "Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch".




Der Marxismus ist tot, Marx' Werk aber ist lebendiger denn je.
"Das Kapital" und das "Kommunistische Manifest" sind verblüffend aktuell.

Die Gegner ebenso wie die Befürworter der globalisierten Wirtschaft entdecken in den Theorien des großen Denkers den besten Schlüssel zum Verständnis unserer Zeit.

Der vielfach ausgezeichnete Journalist Robert Misik stellt die aus heutiger Sicht wichtigsten Marx'schen Ideen vor und skizziert anhand ausgewählter Selbstzeugnisse das facettenreiche Porträt eines herrschsüchtigen Visionärs, der stets über seine Verhältnisse lebte.




Dienstag, 17. Juli 2012

Kritisches Denken von Marx bis Michael Moore




Genial dagegen:
Kritisches Denken von Marx bis Michael Moore [Kindle Edition]
 
Robert Misik


Robert Misik, geboren 1966, ist ständiger Autor der tageszeitung (Berlin), von profil und Falter (Wien) und einer der streitbarsten linken Publizisten seiner Generation. Autor zahlloser Kritiken, Essays, Kommentare und Reportagen. 



Der Kapitalismus schafft Unbehagen und produziert die Kapitalismuskritik gleich mit. Auch die Dissidenz wird zur Ware und verbreitet Bilder, die von Befreiung erzählen und wie Werbung aussehen. 

Die neue linke Welle ist Symptom einer Sehnsucht nach starken politischen Alternativen, nach dem „Echten“ und dem „wahren Leben“, eine Sehsucht, die von der breiten Lawine kommerzieller Geistlosigkeit ausgelöst wird.

Mit Witz, Ironie und Überzeugungskraft verdeutlicht Robert Misik, weshalb es heute so schwierig ist, auf kluge Weise links zu sein – und warum links zu sein doch die einzige Weise ist, klug zu sein. 

"Misiks clevere Reflexion über das neue kritische Denken trifft den Nagel genau." (Rheinische Post)Peter Sloterdijk hat „Genial dagegen“ „nachdrücklich empfohlen“.


Dienstag, 13. März 2012

Terry Eagleton: Warum Marx recht hat!



Warum Marx recht hat [Gebundene Ausgabe]

Terry Eagleton , Hainer Kober

Terry Eagleton ist Professor für Englische Literatur an der University of Manchester und Fellow der British Academy

Mitten in der schwersten Krise des Kapitalismus bricht der katholische Marxist Terry Eagleton eine Lanze für Karl Marx. Streitbar, originell und mit britischem Humor widerlegt er zentrale Argumente gegen den Marxismus.
Eagleton macht klar:


Marx’ materialistische Philosophie hat ihren Ursprung im Streben nach Freiheit, Bürgerrechten und Wohlstand. Sie zielt auf eine demokratische Ordnung und nicht auf deren Abschaffung.