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Freitag, 20. November 2015

BERMERKUNGEN ZU WILLY BRANDT







BERMERKUNGEN ZU WILLY BRANDT
Daniela Münkel

Daniela Münkel ist Historikerin und seit 2008 als Projektleiterin in der Forschungsabteilung beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen tätig. Seit 2010 ist sie außerplanmäßige Professorin an der Universität Hannover.



Willy Brandt war der bedeutendste und am längsten amtierende Vorsitzende der SPD nach 1945. Als Bundeskanzler gehört der Schöpfer von Ost- und Entspannungspolitik zu den wichtigsten Regierungschefs der Bundesrepublik. 

Vielfach verehrt und nicht selten verklärt, stehen bisher vor allem seine Ostpolitik und seine Kanzlerzeit im Mittelpunkt der politischen und akademischen Diskussion.

Daniela Münkel diskutiert bisher vernachlässigte Aspekte des Politikers Willy Brandt: etwa sein Verhältnis zur SPD, seinen dialogischen Führungsstil, seine Beziehung zu den Massenmedien und seine Medienpolitik. 
Als erster „moderner Medienkanzler“ verstand er es, seine Politik medienwirksam darzustellen und seine Person mediengerecht zu inszenieren. Dieser Politikstil wirkt auf nachkommende Politiker und Politikerinnen – bis heute.

Montag, 30. März 2015

Das erste politische Todesopfer in der 2. Republik





Eine österreichische Affäre:
Der Fall Borodajkewycz

Broschiert von Rafael Kropiunigg (Autor)

Rafael Kropiunigg, 1988 in Wien geboren. Studium der Geschichte in London und Los Angeles. Interviewte für seine Forschungsarbeit an der Universität Oxford Historiker, Zeitzeugen und Akteure zur Causa Borodajkewycz.
Zurzeit Doktorand an der Universität Cambridge mit einer Arbeit über die Sozialgeschichte der Mauthausen-Außenlager Ebensee und Loiblpass.



Am 31. März 1965 wird bei der gewaltsamsten Demonstration der Nachkriegszeit der Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger tödlich verletzt. Es handelt sich um das erste politische Todesopfer der Zweiten Republik.

Auslöser für diesen Konflikt: die Affäre Borodajkewycz. Die Affäre Borodajkewycz war der erste und ausdrucksstärkste Fall der Nachkriegsjahre, durch den sich die versäumte Entnazifizierung und die Spannungsverhältnisse zwischen den verschiedenen österreichischen Identitäten offenbarten.

Der Hochschulprofessor Taras Borodajkewycz stolperte über das, was in der Nachkriegszeit nach wie vor gang und gäbe war: seine deutschnationalen Äußerungen. Die politischen Aussagen führten zu detaillierten Vorlesungsprotokollen, einem Ehrenbeleidigungsprozess, einer parlamentarischen Anfrage und großem Medienecho, bis die Affäre schließlich in die wüstesten Straßenkämpfe der Nachkriegszeit mündete - mit Todesfolge !!!




Donnerstag, 26. März 2015

Die deutsche Reparationsschuld






griechenland am abgrund.
die deutsche reparationsschuld: eine flugschrift

Broschiert – von Karl Heinz Roth (Autor)

Karl Heinz Roth ist Historiker, Mediziner und Vorstandsmitglied der Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts in Bremen.

Von ihm erschienen im VSA: Verlag u.a. 
der gemeinsam mit Angelika Ebbinghaus herausgegebene Band »Rote Kapellen – Kreisauer Kreise – Schwarze Kapellen.

Neue Sichtweisen auf den Widerstand gegen die NSDiktatur 1938-1945« (2004), die umfangreiche Studie »Die globale Krise« (2009) sowie die Flugschrift »griechenland

– was tun?« (2012).

Griechenland befindet sich am Rand einer humanitären Katastrophe. Der Zusammenbruch der Banken und ein Staatsbankrott sind nicht auszuschließen, seitdem die von Deutschland dominierten Gläubiger der Ende Januar 2015 neu gewählten Linksregierung unter Alexis Tsipras (Syriza) den Geldhahn zugedreht haben.

Karl Heinz Roth analysiert die Situation, in der Griechenland steckt, verfolgt den hoffnungsfrohen Aufbruch der neuen Regierung – und ihr mögliches Scheitern infolge der unnachgiebigen Haltung insbesondere der bundesdeutschen neoliberalen Hardliner mit Finanzminister Wolfgang Schäuble an der Spitze.

Weil vor allem die deutschen Eliten mit Unterstützung ihrer europäischen Partner dabei sind, die griechische Gesellschaft auf den Abgrund zuzutreiben, begründet er Vorschläge zu einer moralisch-politischen Alternative: Deutschland soll endlich seine Reparationsschulden begleichen und für den Wiederaufbau Griechenlands zur Verfügung stellen.

Denn es ist das zweite Mal in der jüngeren Geschichte Griechenlands, dass Deutsche als zentrale Akteure das Land in den Würgegriff genommen haben:
Im April 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht das Land und errichtete eine brutale Besatzungsherrschaft, während der Massaker an der Zivilbevölkerung verübt und die Wirtschaft ausgeraubt wurden.

Deshalb rekonstruiert Karl Heinz Roth zusätzlich die Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft aus dem Zweiten Weltkrieg – einschließlich der skandalösen Praktiken der westdeutschen Nachkriegseliten zur Vermeidung von Reparationszahlungen.

Der Zusammenbruch der griechischen Banken und ein Staatsbankrott scheinen unmittelbar bevor zustehen, weil die von den Deutschen dominierten Gläubiger

der Ende Januar 2015 neu gewählten Regierung den Geldhahn zugedreht haben. Die deutschen Eliten sind erneut dabei, die griechische Gesellschaft – diesmal mit Unterstützung ihrer europäischen Partner – auf den Abgrund zuzutreiben.


Diese Erpressungspolitik wird von den deutschen Medien 
fast uneingeschränkt mitgetragen und in der breiten Masse der Bevölkerung mit Hilfe sozialrassistischer Stereotype populär gemacht.


Karl Heinz Roth versteht seine Flugschrift als »eine realpolitisch durchdachte Blaupause, die den überfälligen moralischen Schlussstrich unter die vor allem von den Deutschen hinterlassenen Hypotheken des Zweiten Weltkriegs mit den Sichtweisen und Handlungsoptionen der post-keynesianischen Schule der politischen Ökonomie verbindet«, um die absehbare humanitäre Katastrophe in Griechenland abzuwenden und linksalternativen Optionen für Europa Luft zu verschaffen.


Freitag, 27. Juli 2012

Halbe Freiheit !




"Halbe Freiheit. Warum Freiheit und Gleichheit zusammen gehören"
Robert Misik

Robert Misik, geboren 1966, ist Journalist und politischer Schriftsteller. Er schreibt unter anderem für die tageszeitung, die Berliner Zeitung, Magazine wie Falter und Profil und betreibt den Videoblog »FS Misik« auf der Website der Tageszeitung Der Standard und bloggt unter www.misik.at.
2009 erhielt er den österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik. Er lebt in Wien.



Mit Esprit, sprachlicher Eloquenz und im Ergebnis äußerst treffsicher analysiert der Autor den Begriff der „Freiheit“, den sich inzwischen nicht wenige konservative Politiker, Journalisten, Historiker, Vertreter der Neuen Rechten, aber auch Staatsoberhäupter auf ihre Fahnen geschrieben haben.


Dieses Buch öffnet die Augen für die derzeitigen Geschehnisse auf politischer und gesellschaftlicher Ebene, die den Weg der Abwertung menschlicher und sozialrechtlicher Errungenschaften vorauszeichnen.


Extrem einseitig interpretiert wird der Freiheit von Konservativen, Neoliberalen und den Neuen Rechten aber spätestens dann, wenn es um die Wirtschaft geht. Zentraler Ort der Freiheit ist nämlich der Markt.
„Die Ordnung, die er schafft, sei gerecht, und wenn sie es nicht ist, dann kann man daran leider auch nichts ändern, weil entsprechende Versuche alles nur schlimmer machen würden.
Mit einem Wort: Der konservative und wirtschaftsliberale Begriff der »Freiheit« meint vor allem »Wirtschaftsfreiheit« und in der Praxis läuft er auf die Freiheit der Starken hinaus, den Schwachen auf dem Kopf herumzutrampeln.“
(Misik, Seite 29).




Robert Misik:
Am 13. August 2012 erschien mein kleines Büchlein "Halbe Freiheit. Warum Freiheit und Gleichheit zusammen gehören" im Suhrkamp-Verlag.

Darin frage ich, wie es passieren konnte, dass sich die Konservativen und Neoliberalen den Begriff "Freiheit" gekrallt haben und plädiere für einen neuen progressiven Freiheitsbegriff. Hier ein paar Zeilen aus dem Verlagsprospekt: 

Joachim Gauck führte im Frühjahr 2012 mit seinem Bändchen Freiheit wochenlang die Bestsellerliste an. Und ganz allgemein schreiben sich immer mehr konservative und neoliberale Politiker und Publizisten den Wert der Freiheit auf ihre Fahnen. Unbeantwortet bleibt dabei meist die Frage, was damit gemeint ist und wodurch unsere Freiheit heute in den Industrieländern überhaupt bedroht wird. Durch autoritäre Regimes? Zensurbehörden? Wird hier nicht gegen »abgenudelte Gespenster von gestern« gekämpft? Ist es nicht viel mehr so, dass die entscheidenden Freiheiten und Rechte im Zuge der letzten 150 Jahre gerade von Progressiven und Linken gegen konservativen Widerstand erstritten wurden? Warum hat sich die Linke diesen Begriff klauen lassen? 

Robert Misik setzt sich pointiert mit dem halbierten, auf die Sphäre der Ökonomie reduzierten liberal-konservativen Freiheitsbegriff auseinander und plädiert für eine neue, progressive Freiheitsbewegung, die sich in einer verunsicherten Gesellschaft einsetzt für die Freiheit von Angst und dafür, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, sich selbst zu verwirklichen: »Freiheit ohne Freiheit von Angst ist halbe Freiheit.

Freiheit ohne die Möglichkeit, sie auch zu leben, ist halbe Freiheit.«





Samstag, 2. Juni 2012

Quentin Tarantino gegen die Nazis


Quentin Tarantino gegen die Nazis:
Alles über INGLOURIOUS BASTERDS [Broschiert]

Georg Seeßlen
(Autor)

Quentin Tarantino ist durch vermeintlich zynische Gewaltexzesse (PULP FICTION) berühmt geworden und für seine ausgeprägte Vorliebe für alles Triviale und Trashige bekannt.
Was passiert, wenn sich dieser Regisseur den Zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus vornimmt?
"INGLOURIOUS BASTERDS ist ein Film, an dem sich das, was Geschichte, Erinnerung, Erzählung und Kino ist, neu definieren muss."
Georg Seeßlen analysiert INGLOURIOUS BASTERDS in allen Aspekten und beschreibt dessen vielfältige Bezüge, Zitate und Anspielungen. Zudem diskutiert er Tarantinos filmische Kriegserklärung im Zusammenhang neuerer Filme über das "Dritte Reich".

Natürlich ist das Buch nicht das letzte Wort zu INGLOURIOUS BASTERDS. Aber für die gerade erst anlaufende Diskussion legt es die Meßlatte hoch. Eine Steilvorlage, auch für nötige Einwände und Widersprüche!
Uneingeschränkt gelungen ist das Buch, wenn es um die Entstehung des damaligen Nazismus und das Bild des kultivierten Nazis geht. Hier ist die politische Analyse zwar genauso pointiert, aber stichhaltiger, und Seeßlen gelingt ein beeindruckender Beitrag zu der auch unter Historikern tobenden Debatte, ob die Barbarei gerade in der Kultur oder gegen die Kultur möglich war.
Seeßlen erteilt der These, dass Erziehung und Bildung das Schlimmste verhindert hätten, eine radikale Absage.
Das mag angesichts der heutigen Erscheinungen am rechten Rand verwundern - aber bei einem Blick nach Frankreich, wo die Rechtsextremen viel stärker im kulturellen Establishment und in der bürgerlichen Oberschicht verwurzelt sind, schon weniger.
Und es verwundert gar nicht mehr, wenn man sich beispielsweise einmal mit der Rolle von Beamten und Justiz im "Dritten Reich" und der davor liegenden Zeit beschäftigt.


Freitag, 4. Mai 2012

Die paradoxe Republik






Die paradoxe Republik: Österreich 1945 bis 2005 [Gebundene Ausgabe]

Oliver Rathkolb  

 - "Das Buch, kaum erschienen, wurde bereits als Standardwerk gehandelt." 
Ernst Schmiederer, Die Zeit 
 - "Der Bogen, den Rathkolb von der kontrollierten Demokratie zur Wirtschaft schlägt, ist typisch für dieses Buch: In konzentrischen Kreisen, auf scheinbaren Umwegen und Nebengleisen, führt er durch das Labyrinth Österreich. Immer kritisch, gut lesbar - und meist erhellend." Eva Linsinger, Die Tageszeitung
 - "...eine der erfreulichsten Neuerscheinungen im sogenannten Gedankenjahr." Armin Thurnher, Falter, 
 - "Das Kreisky-Wiesenthal-Kapitel ist nur eines in Rathkolbs sauber recherchierter und originell komponierter, etwas anderen Geschichte der Zweiten Republik." Herbert Lackner, Profil,
 - "'Die paradoxe Republik' ist ein besonders lesenswertes Buch, das in der Betrachtung die nationalstaatliche Enge abstreift und dem Leser wirklich neue Perspektive eröffnet - und Österreich schärfer sehen lässt." Robert Streibel

Vom "Bollwerk des Deutschtums im Osten" über die "Brücke zwischen den großen politischen Blöcken" zur "Insel der Seligen" und zuletzt zum Außenseiter der EU: 
In den vergangenen Jahrzehnten haben die Bilder, in denen sich Österreich spiegelte, gewechselt - in Balance zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplex, zwischen Engagement, Erfolg und Isolation. 
Oliver Rathkolb, einer der renommiertesten österreichischen Historiker, analysiert in zehn Kapiteln Kernthemen österreichischer Politik und Zeitgeschichte in den letzten sechzig Jahren. Darüber hinaus zeichnet er die Profile der Kanzler und wirft einen kritischen Blick auf die Perspektiven der Zukunft.

Donnerstag, 29. März 2012

Olof Palme - Die Biographie


Olof Palme - Vor uns liegen wunderbare Tage: Die Biographie

Henrik Berggren (Autor), Paul Berf (Übersetzer), Susanne Dahmann (Übersetzer)


Henrik Berggren, Jahrgang 1957, ist Historiker und Journalist. Er arbeitet als Leitender Redakteur bei der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter.

Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, KjellWestö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

Das Buch beschreibt das Leben eines "aristokratischen Radikalen", der in einer wohlhabenden Familie mit Dienstboten aufwuchs und später zu einem Arbeiterführer wurde, "der dem schwedischen Bürgertum Angst einjagen sollte".


Berggren porträtiert den Sozialreformer, den Dritte-Welt-Aktivisten und, was kaum wahrgenommen wurde, den vielleicht bedeutendsten Frauenrechtler Europas."
Das monumentale Werk ist ein Buch für Liebhaber des nördlichen Nachbarlandes ebenso wie für Verehrer einer Sozialdemokratie längst vergangener Tage.
Olof Palme war ein Mann der Widersprüche: Ein Aristokrat, der Sozialist wurde.Ähnlich wie Willy Brandt war auch bei Olof Palme die Nähe zu den Kunstschaffenden, Autoren, Filmemachern zu erkennen, getreu der Erkenntnis, dass der Geist eines modernen, Einfluss nehmenden Menschen ein mehr an Bildung und innerer Entfaltung benötigt als nur politische Schlagfertigkeit oder wirtschaftliche Kompetenz.

Überzeugend geschrieben und akribisch recherchiert gelingt Henrik Berggren zum einen die Darstellung eines außergewöhnlichen Menschen und Politikers, seiner Vision eines modernen Staates und der vielen Einflüsse, die ihn geprägt haben. Zum andern setzt Berggren den Geist einer ganzen Zeit wieder in den Mittelpunkt des Blickes und lässt fassbar werden, wie sehr das Wort und die Idee zu Zeiten weltgestaltend waren (und weiterhin sein könnten). Ein herausragendes Buch.

Sonntag, 11. März 2012

Wer regiert die Welt?


















Wer regiert die Welt?
Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden; Ian Morris (Autor)

Die Journallie ergibt sich in den höchsten Tönen:
"Ein großer Wurf - lesenswert, anregend, provozierend.";
"Faktenreich, Anekdoten stark und brillant geschrieben. Man liest es mit Gewinn.";
"Sieg nach Punkten -Ein blendend formulierender und beeindruckend belesener Autor.";
"Ian Morris schreibt vergnüglich und streitbar. Sein interdisziplinärer Ansatz verrät den rundum gebildeten Historiker, der den Leser souverän durch die Jahrhunderte führt."


Das neueste Buch von Ian Morris ist ein erstaunliches Werk: Auf Hunderten von Seiten das aktuelle Wissen über alle Aspekte gesellschaftlicher Veränderung. Plus die drängenden Fragen der Zukunft.

Ian Morris Stil ist locker, anekdotenreich, bisweilen sogar flapsig. Wer ein Buch sucht, in dem die letzten 12000 Jahre Menschheitsgeschichte lebendig durcherzählt werden, der wird in diesem Buch auf seine Kosten kommen!

Dienstag, 6. März 2012

Unser Jahrhundert: Ein Gespräch


Unser Jahrhundert: Ein Gespräch
Helmut Schmidt (Autor), Fritz Stern (Autor)
Altkanzler Helmut Schmidt & Historiker Fritz Stern, sprechen, streiten und spekulieren über Sternstunden der Weltgeschichte.
Dieses Buch ist vom Konzept und Inhalt her ein sehr kluges Werk, das in brillanter Weise versteht, einen besonderen Dialog zwischen zwei Persönlichkeiten darzustellen.
Jenseits von belanglosem "Talk", ausschweifenden "Diskussionsforen" und vermeintlichen Club-Gesprächen schafft es "Unser Jahrhundert" tatsächlich, ein tiefgreifendes, nahe gehendes, berührendes Gesprächserreignis zu sein.

Dieses Buch ist auch ein echter Lichtblick: Zwei Menschen, ebenso gebildet wie gescheit, Altkanzler Helmut Schmidt und Historiker Fritz Stern, eine Art Waldorf und Statler des Geistes.
Bei dem Gespräch, das hier dokumentiert wird, handelt es sich um alles andere als um den Austausch von Höflichkeiten und das Schwelgen zweier Greise in den Erinnerungen an gute wie schlechte, alte Zeiten.
Gleichermaßen belesen und eloquent, scheuen sie auch nicht davor zurück, dem Anderen Paroli zu bieten oder sogar in die Parade zu fahren – was sich ja insbesondere in Anbetracht der berühmt berüchtigten Apodiktik Helmut Schmidts in einem echten Disput kaum vermeiden lässt.

Das Gespräch fand innerhalb von drei Tagen im Hause Schmidt in Hamburg statt und ist in sechs Abschnitte eingeteilt, denen jeweils die Themenbereiche stichwortartig zusammenfassend vorangestellt sind.

Man ist bei der Lektüre immer wieder erstaunt, wie präzise und disziplinübergreifend das Wissen von Helmut Schmidt und Fritz Stern reicht.