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Donnerstag, 26. März 2015

Die deutsche Reparationsschuld






griechenland am abgrund.
die deutsche reparationsschuld: eine flugschrift

Broschiert – von Karl Heinz Roth (Autor)

Karl Heinz Roth ist Historiker, Mediziner und Vorstandsmitglied der Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts in Bremen.

Von ihm erschienen im VSA: Verlag u.a. 
der gemeinsam mit Angelika Ebbinghaus herausgegebene Band »Rote Kapellen – Kreisauer Kreise – Schwarze Kapellen.

Neue Sichtweisen auf den Widerstand gegen die NSDiktatur 1938-1945« (2004), die umfangreiche Studie »Die globale Krise« (2009) sowie die Flugschrift »griechenland

– was tun?« (2012).

Griechenland befindet sich am Rand einer humanitären Katastrophe. Der Zusammenbruch der Banken und ein Staatsbankrott sind nicht auszuschließen, seitdem die von Deutschland dominierten Gläubiger der Ende Januar 2015 neu gewählten Linksregierung unter Alexis Tsipras (Syriza) den Geldhahn zugedreht haben.

Karl Heinz Roth analysiert die Situation, in der Griechenland steckt, verfolgt den hoffnungsfrohen Aufbruch der neuen Regierung – und ihr mögliches Scheitern infolge der unnachgiebigen Haltung insbesondere der bundesdeutschen neoliberalen Hardliner mit Finanzminister Wolfgang Schäuble an der Spitze.

Weil vor allem die deutschen Eliten mit Unterstützung ihrer europäischen Partner dabei sind, die griechische Gesellschaft auf den Abgrund zuzutreiben, begründet er Vorschläge zu einer moralisch-politischen Alternative: Deutschland soll endlich seine Reparationsschulden begleichen und für den Wiederaufbau Griechenlands zur Verfügung stellen.

Denn es ist das zweite Mal in der jüngeren Geschichte Griechenlands, dass Deutsche als zentrale Akteure das Land in den Würgegriff genommen haben:
Im April 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht das Land und errichtete eine brutale Besatzungsherrschaft, während der Massaker an der Zivilbevölkerung verübt und die Wirtschaft ausgeraubt wurden.

Deshalb rekonstruiert Karl Heinz Roth zusätzlich die Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft aus dem Zweiten Weltkrieg – einschließlich der skandalösen Praktiken der westdeutschen Nachkriegseliten zur Vermeidung von Reparationszahlungen.

Der Zusammenbruch der griechischen Banken und ein Staatsbankrott scheinen unmittelbar bevor zustehen, weil die von den Deutschen dominierten Gläubiger

der Ende Januar 2015 neu gewählten Regierung den Geldhahn zugedreht haben. Die deutschen Eliten sind erneut dabei, die griechische Gesellschaft – diesmal mit Unterstützung ihrer europäischen Partner – auf den Abgrund zuzutreiben.


Diese Erpressungspolitik wird von den deutschen Medien 
fast uneingeschränkt mitgetragen und in der breiten Masse der Bevölkerung mit Hilfe sozialrassistischer Stereotype populär gemacht.


Karl Heinz Roth versteht seine Flugschrift als »eine realpolitisch durchdachte Blaupause, die den überfälligen moralischen Schlussstrich unter die vor allem von den Deutschen hinterlassenen Hypotheken des Zweiten Weltkriegs mit den Sichtweisen und Handlungsoptionen der post-keynesianischen Schule der politischen Ökonomie verbindet«, um die absehbare humanitäre Katastrophe in Griechenland abzuwenden und linksalternativen Optionen für Europa Luft zu verschaffen.


Dienstag, 7. Oktober 2014

Demokratie oder Kapitalismus?






Demokratie oder Kapitalismus?

Taschenbuch – von Elmar Altvater (Autor), Ulrich Beck  (Autor), Peter Bofinger (Autor), 
13 mehr

Mit Beiträgen von: Elmar Altvater, Ulrich Beck, Peter Bofinger, Hauke Brunkhorst, Christian Calliess, Henrik Enderlein, Joschka Fischer, Claudio Franzius, Ulrike Guérot, Jürgen Habermas, Rudolf Hickel, Paul Krugman, Isabell Lorey, Oskar Negt, Claus Offe, Ulrich K. Preuß, Stephan Schulmeister, Wolfgang Streeck, Hans-Jürgen Urban, Hubert Zimmermann und Karl Georg Zinn



"Die Großthemen werden heute nicht mehr unbedingt auf den Haupt- und Staatsbühnen ausgetragen, sondern in kleinen, ehrgeizigen Programmtheatern. Ein Beispiel dafür ist der von den Blättern für deutsche und internationale Politik angestoßene Streit zwischen dem Philosophen Jürgen Habermas und dem Soziologen Wolfgang Streeck über die Europäische Union. Schon beim ersten Schlagabtausch entstanden Schlüsseltexte, die fast alles auf den Tisch beförderten, was über die Jahre sauber versiegelt in separaten akademischen Schubladen eingelagert war."
Thomas Assheuer, "Die Zeit"


  9 Editorial
11 Die Beiträge in Kürze

Kapitalismus ohne Demokratie

19 Was nun, Europa?
    Kapitalismus ohne Demokratie oder Demokratie ohne Kapitalismus
    Wolfgang Streeck
31 Der politische Euro
    Eine Gemeinschaftswährung ohne Gemeinschaft  hat keine Zukunft
    Elmar Altvater
41 Europa in der Falle
    Claus Offe
55 Die gnadenlose Euro-Logik
    Hubert Zimmermann
63 Auf den Ruinen der Alten Welt
    Von der Demokratie zur Marktgesellschaft
    Wolfgang Streeck
75 Demokratie oder Kapitalismus?
    Vom Elend der nationalstaatlichen Fragmentierung in einer kapitalistisch
    integrierten Weltgesellschaft
    Jürgen Habermas
87 Vom DM-Nationalismus zum Euro-Patriotismus?
    Eine Replik auf Jürgen Habermas
    Wolfgang Streeck
105 Euroabwicklung: Der finale Schritt in den Wirtschaftskrieg
      Stephan Schulmeister
Die Diktatur der Austerität

117 Wir sparen uns zu Tode
      Paul Krugman
127 Das infernalische Dreieck
      Wie Staatsschuldenkrise, Bankenkrise und Rezession den Euroraum
      gefährden
      Peter Bofinger
139 Euroland bald abgebrannt?
      Die Währungsunion am Scheideweg
      Rudolf Hickel
149 Das Regime der Prekarisierung
      Europas Politik mit Schuld und Schulden
      Isabell Lorey
161 Die Krise in der Krise
      Austeritätspolitik und die Wiederholung der Geschichte
      Karl Georg Zinn
169 Austerität:
      Der Einsturz eines Glaubensgebäudes
      Paul Krugman

Die neue Deutsche Frage

183 Welches Deutschland braucht Europa?
      Ulrike Guérot
193 Europa und die neue Deutsche Frage
      Ein Gespräch mit Jürgen Habermas, Joschka Fischer, Henrik Enderlein und       Christian Calliess
212 Der Konstruktionsfehler der Währungsunion
      Jürgen Habermas
215 Kooperieren oder scheitern
      Die Existenzkrise der Europäischen Union
      Ulrich Beck

Mehr Demokratie wagen

229 Wie demokratisch ist die EU?
      Die Krise der Europäischen Union im Licht einer Konstitutionalisierung des       Völkerrechts
      Jürgen Habermas
241 Kollektiver Bonapartismus?
      Demokratie in der europäischen Krise Hauke Brunkhorst
251 Stabilitätsgewinn durch Demokratieverzicht?
      Europas Weg in den Autoritarismus
      Hans-Jürgen Urban
263 Lebendige Demokratie: Die Zukunft der EU
      Claudio Franzius und Ulrich K. Preuß
277 Das Europa von heute und die Wirklichkeit von morgen
      Zur Verteidigung der Utopie
      Oskar Negt

287 Autorinnen und Autoren

Dienstag, 2. September 2014

Totalitäre und autoritäre Regime





Totalitäre und autoritäre Regime 
Taschenbuch – von Raimund Krämer (Herausgeber), WeltTrends e.V. (Herausgeber), Juan J Linz (Autor)

Der vierte Band der Potsdamer Textbücher bringt erstmals den klassischen Text der Politikwissenschaft zum Thema diktatorische Herrschaftssysteme in deutscher Sprache. Juan Linz reflektiert darin die Debatten um Totalitarismus und Demokratie und beschreibt die autoritäre Herrschaft als eigenständige Form politischer Machtausübung. Es ist eine exzellente Auseinandersetzung mit den politischen Phänomenen des 20. Jahrhunderts, die sich durch theoretische Tiefe, empirische Fülle und methodische Klarheit auszeichnet.



Juan Linz hat mit seinem Buch "Totalitäre und autoritäre Regime" eines der wichtigsten Standardwerke zu diesem Forschungsthema verfasst und das Buch ist, trotz des Erscheinens des Originals im Jahr 1975, immer noch hoch aktuell.
Daher ist es sowhl dem Verlag WeltTrends wie auch dem Herausgeber Prof.-Dr. Krämer hoch anzurechnen, dass sie dieses Werk ins deutsche übersetzt und herausgebracht haben.

"Totalitäre und autoritäre Regime" eignet sich nicht nur für den Politikwissen-schaftler/Histroiker, sondern durch den guten und verständlichen Schreibstil für alle politisch Interessierten.


Samstag, 12. Juli 2014

"Unrecht im Sinne des Rechtsstaates" und "Die Steiermark im Austrofaschismus"





Werner Anzenberger / Heimo Halbrainer (Hg.),
„Unrecht im Sinne des Rechtsstaates“ – Die Steiermark im Austrofaschismus.
304 Seiten, CLIO: Graz 2014
ISBN 978-3-902542-14-1

Die österreichische Diktatur 1933 bis 1938 ist in den letzten Jahren wieder vermehrt in den Blickpunkt der zeitgeschichtlichen Forschung gerückt.
Anlässlich des 80. Jahrestages der Februarkämpfe 1934 fand in Graz und Bruck an der Mur eine Tagung statt, bei der neueste Arbeiten zu unterschiedlichen Aspekten des austrofaschistischen Regimes diskutiert wurden.

Neben allgemeinen Fragen, finden sich in diesem Sammelband vor allem regionalgeschichtliche Aspekt zum Austrofaschismus in der Steiermark und dem Umgang damit nach 1945.



- Der Jurist und Historiker Werner Anzenberger wies in seinen Gedenkansprachen 
auf die Gründe für den Aufstand und seine Auswirkungen auf die Gegenwart
hin. - Die Sozialistische Jugend Graz hielt einen Workshop zum Thema „Februar 1934. Aufstand und Diktatur“ ab. - Mit kräftiger Unterstützung des steirischen Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer/innen und Antifaschist/inn/en organisierte
die ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus eine Wanderung mit Dialogveranstaltung über den Koloman-Wallisch-Wanderweg auf den Hochanger und einen Thementag auf Facebook zu den Ereignissen im Februar 1934. Außerdem ging die ARGE ausgehend von Videodokumenten und ZeitzeugInnen der Frage nach, inwieweit zeitgeschichtliche Erinnerungsarbeit ein Mittel für zukunftsbezogene Demokratiebildung ist. - Und schließlich zeigt die Stadt Bruck an der Mur, in der die Kämpfe besonders

heftig tobten, von März bis Juli 2014 die Ausstellung „Widerstand 1934–2014“. Anhand von Objekten, Schautafeln und Zeitzeugeninterviews wird die soziale,
gesellschaftliche und politische Entwicklung dargestellt, die zur Spaltung der Gesellschaft in zwei verfeindete Lager, zur Auslöschung der Demokratie und letztendlich Österreichs geführt hat.

Samstag, 4. Mai 2013

Diktatur der Finanzmärkte, EU-Krise und Widerstand






Diktatur der Finanzmärkte, EU-Krise und Widerstand

Herrschaft des Finanzkapitals; EU-Wirtschaftsregierung; Geschlechterdemokratie; Griechenland unter Troika- Diktat; EU-Verfassungspolitik; Unternehmensgewinne und Staatsschulden; Gewerkschaften und Eurokrise; Reichtum und Armut; Finanztransaktions steuer; EU-Rohstoffpolitik; EU-Beitritt und Souveränität

J. Bischoff, A. Scheele, K. Dräger, G. Kritidis, G. Kassimatis, H.-J. Bieling, W. Vontobel, R. Herzog, H. Schäppi, V. Pedrina, N. Imboden, R. Erne, U. Mäder, P. Wahl, P. Niggli, G. Trepp, H.-J. Fehr  



Diskussion

R. Bossart:
Atheismus und Religionskritik

C. Goll:
Gewalt gegen Frauen

H. Schui:
Zukunft der Wirtschaftsdemokratie

P. Angele et al.:
Gewerkschaftliches Organizing

Marginalien, Rezensionen, Zeitschriftenschau


Inhaltsverzeichnis

3      Editorial 3
5      Joachim Bischoff Herrschaft der Finanzmärkte. Die Finanzkrise erfasst Wirtschaft und Gesellschaft
13    Alexandra Scheele Die Stunde der Technokraten. Geschlechterdemokratische Defizite der gegenwärtigen Krisenpolitik  
21    Klaus Dräger Europäische Wirtschaftsregierung. EU auf dem Weg zum „Deutschen Europa“?
37    Gregor Kritidis Griechenland unter dem Diktat der Troika. Erosion des politischen Systems, Massenmobilisierung und Demokratiebewegung  

49    Giorgos Kassimatis EU verstösst gegen demokratische und europäische Rechtskultur. Zum Kreditabkommen der Troika mit Griechenland  
61    Hans-Jürgen Bieling EU-Verfassungspolitik und Wirtschaftsregierung. Krisenkonstitutionalismus gegen Volkssouveränität und Demokratie
71    Werner Vontobel Unternehmensgewinne zerstören das Finanzsystem  

77    Roland Herzog / Hans Schäppi Gemeinsam für eine globale Transformation. Strategien gegen das Finanzkapital  
89    Vasco Pedrina Gewerkschaften und die Euro-Krise. Zwischen nationalem Rückzug und europäischer Gegenoffensive  
101  Natalie Imboden / Roland Erne Allgemeinverbindliche Tarifverträge gegen Sozialdumping. Erfahrungen aus Europa  
111  Ueli Mäder Reichtum und Armut. Vermögensentwicklung in Europa und in der Schweiz
117  Peter Wahl Durchbruch für die Finanztransaktionssteuer. Das Gesetzgebungsverfahren zur EU-Direktive ist gestartet
125  Peter Niggli EU-Rohstoffpolitik und ihre geostrategische Stossrichtung
135  Gian Trepp Metropolitanwirtschaft. Neuanfang aus den Trümmern des Finanzkapitalismus
141  Hans-Jürg Fehr EU-Beitritt heisst Souveränitätsgewinn
153  Diskussion Rolf Bossart Der Glaube der anderen. Der vulgäre Atheismus und der Niedergang der Religionskritik
165  Christine Goll Gewalt gegen Frauen. (Noch) ein Politikum in der Schweiz?
171  Herbert Schui Wirtschaftsdemokratie als Perspektive

181  Patrick Angele / Adrian Durtschi / Tanja Walliser Organizing in der Schweiz. Wie aus Gewerkschaften eine Bewegung wird
189  Marginalien / Rezensionen Sebastian Wolff / Jens Wissel Kämpfe um die institutionelle Struktur der EU. Tagung der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG)
193  Bernd Röttger Kapitalismus, Hegemoniekrise und neue Landnahme. Zu den fünften Braunschweiger Gramsci-Tagen 2011
196  WIDE-Arbeitsgruppe Arbeit & Gender / Lilian Fankhauser GENDER MACHT ARBEIT: Zur Prekarisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse aus Sicht der Care-Ökonomie
203  Mark Herkenrath über Nicolas Shaxson: Schatzinseln. Wie Steueroasen die Demokratie untergraben 200 Stephan Tschirren über Erklärung von Bern (Hg.): Rohstoff. Das gefährlichste Geschäft der Schweiz
205  Fabian Saner über Oliver Marchart: Die politische Differenz. Zum Denken des Politischen bei Nancy et al.
209  Zeitschriftenschau
215  Autorinnen und Autoren  



Siehe auch unter:
http://www.widerspruch.ch



Mittwoch, 5. Dezember 2012

Die Diktatur der Demokraten: Warum ohne Recht kein Staat zu machen ist






Die Diktatur der Demokraten: Warum ohne Recht kein Staat zu machen ist [Broschiert]
Juli Zeh  


Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und Völkerrechts. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. 
Ihr Roman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg und ist mittlerweile in 24 Sprachen übersetzt. 

Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem "Deutschen Bücherpreis" (2002), dem "Rauriser Literaturpreis" (2002), dem "Hölderlin-Förderpreis" (2003), dem "Ernst-Toller-Preis" (2003), dem "Carl-Amery-Literaturpreis" (2009) und dem Gerty-Spies-Literaturpreis der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz (2009). Sie lebt heute in Leipzig.





Demokratieaufbau gehört mittlerweile zu den Standardstrategien, um Länder zu befrieden, deren institutionelle Infrastruktur zerstört ist. Doch bedient sich die Staatengemeinschaft bei der Schaffung demokratischer Strukturen undemokratischer Mittel: 
Die neuen Freiheiten werden den Bürgern durch eine autoritäre Regierungsform nahegebracht, mit einem weitgehend autarken Chef der jeweiligen Mission an der Spitze.

Der Rechtsweg ist dabei ausgeschlossen, wie Juli Zeh anhand der Beispiele Kosovo und Bosnien-Herzegowina zeigt. Dass die Bürger keine Möglichkeit haben, sich gegen Willkürakte zu wehren, stellt allein schon eine Menschenrechtsverletzung dar.

Juli Zeh bestimmt erstmals den Charakter des Übergangsrechts: Als supranationale Rechtsordnung gehört es zur selben Kategorie wie das EU-Recht. 
Somit existieren Erfahrungen und Präzedenzfälle, aus denen mehr Rechtssicherheit für jeden einzelnen Bürger gewonnen werden kann. Weit über juristische Fragen hinaus verhandelt Zeh hier politische Grundsätze: Wenn die Staatengemeinschaft ihre rechtsstaatlichen Ideale verrät, kann Demokratieaufbau nicht gelingen. 

"Meines Erachtens ist es höchste Zeit, das internationale Projekt des state building auf eine rechtliche Grundlage zu stellen. Man kann legitimerweise nicht erwarten, dass Menschen das große Gesellschaftsspiel Demokratie erlernen, wenn der Aufbau der notwendigen Institutionen mit undemokratischen Mitteln erfolgt. Dass immer alles schnell gehen muss, ist hierbei die falsche Prämisse. Demokratie braucht Zeit, und sie funktioniert nur unter rechtsstaatlichen Bedingungen. Dazu gehört zwingend, dass auch und gerade das Handeln der Mächtigen im Land einer gerichtlichen Kontrolle unterliegt."






Sonntag, 8. Juli 2012

Die Welle




Die Welle: Bericht über einen Unterrichtsversuch, der zu weit ging [Taschenbuch]Morton Rhue , Hans-Georg Noack (Übersetzer)



Wäre Die Welle ein Roman, man könnte den Inhalt des Buchs kaum glauben. Aber so (oder doch zumindest ähnlich) ist es wirklich passiert, in der Klasse des Lehrers Ron Jones in den USA -- einer Klasse an einer Schule also, die sich so weit weg wähnte vom deutschen Nazi-Terror, und die dann doch auf schmerzliche Weise am eigenen Leib erfahren musste, dass die Regeln des Faschismus auch heute noch funktionieren und dass es jeden treffen kann.

In Die Welle beginnt alles mit einem Film über den Holocaust. Der junge Lehrer Ben Ross zeigt den Schülern der Gordon High School Bilder von ausgermergelten Juden im Konzentrationslager. Alle sind angewidert und entsetzt, aber eine Gruppe um Laurie Saunders von der Schülerzeitung "Die Ente" kann und will nicht glauben, dass Menschen zu derlei Grausamkeiten überhaupt fähig sind.

Um sie und andere zu überzeugen, startet Ross ein Experiment, dass auf fast unbemerkte Art und Weise Methoden der Diktatur installiert. Und plötzlich zerfällt der Klassenverbund in Opfer und Täter -- bis die Situation auf schreckliche Weise eskaliert.


Inzwischen gehört Die Welle des 55-jährigen Autors Morton Rhue (Ich knall euch ab!, Asphalt Tribe) zum Kanon auch an deutschen Schulen. Und das ist gut so. Denn das Buch räumt mit dem weit verbreiteten Vorurteil auf, dass der Nationalsozialismus ein historisches Phänomen war, das nicht wiederkommen kann.
"Wie kann man Millionen von Menschen abschlachten, ohne dass jemand etwas davon weiß?" Auch wenn Die Welle Fragen wie diese nicht beantworten kann, so wirft der Roman sie doch auf.
Umso wichtiger ist seine Lektüre.




Sonntag, 8. April 2012

Empört Euch!




Empört Euch! 

Broschiert - Stéphane Hessel , Michael Kogon

Mit eindringlichen Worten ruft Stéphane Hessel zum friedlichen Widerstand gegen die Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft auf. Gegen die Diktatur des Finanzkapitalismus, gegen die Unterdrückung von Minderheiten, gegen die ökologische Zerstörung unseres Planeten. »93 Jahre. Das ist schon wie die allerletzte Etappe. Wie lange noch bis zum Ende? 


Die letzte Gelegenheit, die Nachkommenden teilhaben zu lassen an der Erfahrung, aus der mein politisches Engagement erwachsen ist.« Stéphane Hessels Streitschrift bewegt die Welt. Der gebürtige Berliner war Mitglied der Résistance, hat das KZ Buchenwald überlebt und ist einer der Mitautoren der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen. Mit emphatischen Worten ruft der ehemalige französische Diplomat zum friedlichen Widerstand gegen die Unzulänglichkeiten unserer Gesellschaft auf. 

Er beklagt, dass der Finanzkapitalismus die Werte der Zivilisation bedroht und den Lauf der Welt diktiert. Er prangert die Lage der Menschenrechte an, kritisiert die Umweltzerstörung auf unserem Planeten und verurteilt die Politik Israels im Gaza-Streifen als Demütigung der Palästinenser. Stéphane Hessel ist das Gewissen der westlichen Welt und »Frankreichs Rebell der Stunde« (FAZ).
Erleben Sie 'Empört Euch!' als 'fahrende Lichtinstallation': http://www.youtube.com/watch?v=xGuGid4lLcE "
Der Diplomat Stéphane Hessel" - Ein Kinodokumentarfilm. Jetzt auf DVD: http://www.derdiplomatstéphanehessel-derfilm.de





"93 Jahre. Das ist schon wie die allerletzte Etappe. Wie lange noch bis zum Ende? Die letzte Gelegenheit, die Nachkommenden teilhaben zu lassen an der Erfahrung, aus der mein politisches Engagement erwachsen ist.«
Stéphane Hessels Streitschrift bewegt die Welt."
Stéphane Hessel (1917 - 2013) ist ein französischer ehemaliger Résistance-Kämpfer, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, Diplomat und Lyriker. Er ist Sohn des Schriftstellers Franz Hessel.
Hessel wurde nach dem Überleben der KZ-Haft 1946 Büroleiter des Vize-UN-Generalsekretärs Henri Laugier und 1948 Sekretär der neu geschaffenen UN-Menschenrechtskommission. 1962 gründete er in Frankreich die Vereinigung für die Ausbildung von afrikanischen und madagassischen Arbeitnehmern. Seine Eltern waren der deutsche Schriftsteller Franz Hessel, der dem in Preußen assimilierten polnisch-jüdischen Bürgertum entstammte, und die aus einer deutschen protestantischen Familie stammende Journalistin Helen Grund.
1924 zog die Familie nach Paris, seit 1939 ist Stéphane Hessel französischer Staatsbürger. Der Autor starb in der Nacht zum Mittwoch den 27. Februar 2013. Der gebürtige Berliner wurde 95 Jahre alt.
Wikipedia


»Empört Euch! wiegelt nicht wirklich auf - es berührt.«FAZ, Christian Geyer

Sonntag, 4. März 2012

Zeitsprünge von Eugen Herman-Friede


Eugen Herman-Friede ist ein deutscher Widerstandskämpfer, der vor allem durch seine autobiografischen Schriften bekannt ist.

Eugen Herman-Friede, 1926 geboren, in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen, besuchte zwangsweise die jüdische Mittelschule bis zu deren Schließung 1942. 1943 tauchte er unter, um seiner Deportation zu entgehen. Im Sommer 1943 wurde er nach Luckenwalde vermittelt, wo er die Gründung der Widerstandsgruppe »Gemeinschaft für Frieden und Aufbau« erlebte und in ihr mitwirkte. Im Dezember 1944 verhaftet, überstand Eugen Herman-Friede das Ende der nationalsozialistischen Diktatur in verschiedenen Gefängnissen bis zur Befreiung im April 1945.
Eugen Herman-Friede hat danach einige Jahre in Ostberlin gelebt.
Anfang 1949 flüchtet er nach Westberlin, 1953 geht er mit seiner Familie für einige Jahre nach Kanada und kehrt schließlich nach Deutschland zurück.

Eugen Herman-Friede hat als Zeitzeuge Hunderte Lesungen gehalten und wurde 2009 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Seine Erzählungen spiegeln persönliche Erinnerungen und den jeweiligen Zeitgeist in einer charmanten, bissigen und humorvollen Weise.
In seinen Geschichten unternimmt Eugen Herman-Friede Zeitsprünge aus seiner Kindheit im Berlin Anfang der 30er Jahre zur sowjetischen Militäradministration in der Nachkriegszeit, vom swinging London der 60er Jahre nach Neu Guinea und andere Welten der 70er und vom Ostberlin des geteilten Deutschlands der 80er bis nach Niederbayern, Israel und in die USA der 90er Jahre.