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Dienstag, 24. Februar 2015

Paul Krugman: Die neue Weltwirtschaftskrise





Die neue Weltwirtschaftskrise
Gebundene Ausgabe – von Paul Krugman (Autor), Irwin L. Collier (Nachwort), Herbert Allgeier (Übersetzer), 1 mehr


Schon vor zehn Jahren wies Paul Krugman auf die Rückkehr der ökonomischen Missstände hin, die die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre ausgelöst haben. Doch im Boom nach der Jahrtausendwende wurde seine Warnung vergessen. Jetzt steht eine neue Weltwirtschaftskrise vor unserer Tür.
In seinem Buch zeigt der Nobelpreisträger, wie die mangelnde Regulierung der Finanzmärkte die Voraussetzungen für eine Rückkehr der Weltwirtschaftskrise schuf. Er legt dar, welche Schritte unternommen werden müssen, damit die Krise eingedämmt und die Weltwirtschaft vor dem Absturz in eine tiefe Rezession bewahrt werden kann.
Brillant geschrieben, in Krugmans typischem Stil – klar und deutlich, lebendig und unterhaltsam, dabei zugleich enorm fundiert –, wird dieses Buch sofort nach Erscheinen zu einem Grundpfeiler in der Debatte zur Lösung der Krise werden.

Die Krise sitzt im Kopf "Paul Krugman sticht unter den zeitgenössischen Ökonomen hervor, und nicht nur deshalb, weil er der aktuelle Wirtschaftsnobelpreisträger ist. 
Was Krugman so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass er den Sachverstand, den man bei einem Mann seines Kalibers voraussetzen darf, mit didaktischem Feuer paart, mit volksbildnerischem Elan ... 

Als Blogger und Kolumnist der New York Times ist er eine Stimme, die nicht überhört werden kann. Deshalb vor allem ist Paul Krugman der legitime Erbe von John Maynard Keynes."
Robert Misik

Freitag, 13. Februar 2015

Yanis Varoufakis: Der globale Minotaurus








Der globale Minotaurus: 
Amerika und die Zukunft der Weltwirtschaft [Kindle Edition]

Yanis Varoufakis Ursel Schäfer 
Globalisierung, Gier und fehlende Bankenregulierung – sie alle wurden für die Krise der Weltwirtschaft verantwortlich gemacht. In Wahrheit sind dies nur Nebenschauplätze eines weit größeren Dramas. Eines Dramas, das in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wurzelt und bereits seit den 1970er Jahren auf offener Bühne spielt: als die Welt wider besseres Wissen begann, mit ihrem Geld den »Globalen Minotaurus« Amerika zu nähren – so wie einst die Athener dem mythischen Fabeltier auf Kreta Tribut zollten.

Heute sind die USA als Stabilisator der Weltwirtschaft selbst nachhaltig geschwächt, und die Konsequenzen des Machtvakuums zeigen sich allerorten. Sie machen vor allem eines klar: Stabilität in der Weltwirtschaft ist nicht umsonst zu haben; sie erfordert historische Entscheidungen – wie nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Hegemonialstellung Amerikas begann.
Statt hektischer Rettungsaktionen mit immer kürzeren Verfallsdaten ist eine grundlegende Debatte über Stabilitätspolitik, ist ein Neuanfang unvermeidlich.
Über die Finanzkrise selbst und fehlende Lösungen dazu sind zahlreiche Publikationen erschienen. Yanis Varoufakis aber hinterfragt, wer letztlich die Schuld für die Finanzkrise trägt. (...) Ein Buch, das gelesen werden muss.
(Indira Gurbaxani, Süddeutsche Zeitung)


In verständlicher Sprache, die Makroökonomie fest im Blick und unterm Sattel die Bücher des John Maynard Keynes, macht Varoufakis sich ans Werk. (...) Ein kluger Befund zur Lage.
(Christiane Müller-Lobeck, taz)


Das Buch entschleiert unter anderem den Mythos des deutschen und japanischen Wirtschaftswunders, die weniger auf der angeblich jeweils so effizienten Arbeitskraft beruhen, als auf einseitigen politischen Entscheidungen der USA.
Und das größte Verdienst des Autors ist sicherlich, dass er unterhaltsam beschreibt, wie die 'freie Marktwirtschaft' dabei von wenigen Strategen aus Washington über Jahrzehnte genauestens geplant und staatlich gelenkt wurde. 
(Roman Herzog, SWR2 Die Buchkritik)







Wie der griechische Finanzminister den Kapitalismus retten möchte


YANIS VAROUFAKIS HAT SEIN BUCH “DER GLOBALE MINOTAURUS” AKTUALISIERT UND ZUM GRATISDOWNLOAD INS INTERNET GESTELLT. FALTER, 11. FEBRUAR 2015
varoufacker 3Was wollen die Griechen wirklich? Werden sie sich mit einer Umschuldung und einem Ende der Austerity in ihrem Land zufrieden geben? Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

Das sind die Fragen, die gerade die Schlagzeilen beherrschen. Gut möglich, dass sich die Syriza-Regierung am Ende mit halben Sachen zufrieden geben wird.
Gut möglich aber auch, dass sie ein viel größeres Reformziel vor Augen hat.

Um zu begreifen, welches das sein kann, lohnt es sich, sich mit den Plänen jenes Mannes zu beschäftigen, der binnen weniger Tage zu einer Zentralfigur der Eurozone geworden ist: mit den Ideen von Yanis Varoufakis, dem neuen charismatischen Finanzminister in der Tsipras-Regierung. Gerade tourte er durch Europas Hauptstädte, in Griechenland ist er längst der Darling der Herzen.

Und auch global stieg er wie eine Rakete zum Ökonomiestar auf: Der Guardian nannte den Ökonomen mit dem offenem Hemdkragen, der mit seinem BMW-Motorrad ins Ministerium fährt, “den coolsten Politiker Europas”, der “Businessinsider” machte den Sack dann zu, indem er ihn mit dem Attribut “interessantester Mann Europas” belegte. Die Superlative sind jetzt aufgebraucht, keine Steigerung mehr möglich.
Zur Coolnessdiagnose darf man wohl auch hinzuzählen, dass Varoufakis, kaum war er ernannt, die Veröffentlichung der Neuauflage seines Buches “Der globale Minotaurus” vorzog und gratis zum Download bei Amazon einstellte. Wer also einen Kindle hat, der darf jetzt kostenfrei runter saugen.
Varoufakis, der zuletzt als Professor in Texas an der Seite seines Freundes James K. Galbraith wirkte, zeigt sich in diesen Buch als brillanter Postkeynesianer mit einer großen Bewunderung für den US-dominierten Nachkriegskapitalismus – was, nebenbei gesagt, alle Charakterisierungen als gefährlicher Linksradikaler ziemlich absurd erscheinen lässt !!!

Varoufakis zeichnet eine große globale Analyse: Das Wunder der Nachkriegszeit war, dass eine starke hegemoniale Ökonomie, nämlich die der Vereinigten Staaten, alle Überschüsse der Welt aufkaufte, das globale Kapital anzog, aber weise genug war, diese Mittel in die schwächeren Staaten so zu reinvestieren, dass diese nach und nach selbst ihre Produktionsbasis erweiterten.

“Recycling der Überschüsse”, nennt Varoufakis das.
“Hegemonie unterscheidet sich von Beherrschung oder bloßer Ausbeutung, weil der wahre Hegemon weiß, dass er in die Fähigkeiten seiner Partner, Surplus zu produzieren, investieren muss.”
Auf diese Weise wurde nicht nur die Weltproduktion gesteigert, sondern auch die Nachfrage geschaffen, die nötig ist, um diese gesteigerte Produktion aufzukaufen. Amerika hat sich, obwohl dominierend, selbst beschieden, weil es begriffen hatte, dass das für die Stabilität des Systems notwendig ist und am Ende alle davon profitieren. “Selbstbeschränkung ist eine seltene und verstörende Tugend.”
Doch dieser Mechanismus ist heute zerbrochen.
Bis 2008 wurde er noch auf perverse Weise aufrecht erhalten.
Deutschland, das stärkste Land Europas, hat seine Nachbarn und Eurozonen-Partner niederkonkurriert und Leistungsbilanzüberschüsse aufgebaut.
Die Partner konnten nur überleben, indem sie in die USA exportierten. Das aufstrebende China tat das selbe und baute seinerseits Leistungsbilanzüberschüsse auf. Die USA sogen die Überschüsse auf, indem sie exorbitante Budgetdefizite aufbauten und indem sich die amerikanische Haushalte hoffnungslos verschuldeten.

Doch seit Ausbruch der Finanzkrise ist der Mechanismus kaputt und nicht mehr auf herkömmliche Weise reparabel. Die USA türmen zwar Budgetdefizite in bisher unbekannten, astronomischen Höhen auf, können aber den globalen Nachfrage-Ausfall nicht mehr kompensieren.
Das Drama ist, dass die Eurozone als mögliche globale Lokomotive völlig ausfällt. Einerseits, weil Deutschland als stärkste europäische Ökonomie versagt, nicht zuletzt deshalb, weil ihr politisches Führungspersonal auf fatale Weise ignorant gegenüber ökonomischer Vernunft ist. Varoufakis, der in deutschen Zeitungen als Mann mit deutschlandfeindlichen Tönen porträtiert wird, plädiert in Wirklichkeit für ein “hegemoniales Deutschland” – also ein Deutschland, das in der Eurozone genau die Rolle einnimmt, die die USA lange für die Weltökonomie spielten.

Und zweitens,
weil die Eurozone fatal falsch konstruiert ist, etwa mit einer Europäischen Zentralbank, aber ohne gesamteuropäische Fiskalpolitik und mit nationalen Fiskalpolitiken, die etwa der Bankenkrise überhaupt nicht Herr werden konnten.
Man stürzte sich panisch in eine Austeritätspolitik, die die Schulden nur mehr drückender machte, das Wirtschaftswachstum abwürgte und die Nachfrage zusätzlich ruinierte. Das Ergebnis ist eine katastrophale Abwärtsspirale.
Von den Schuldnerländern wird verlangt, ihre Schulden zurück zu zahlen, aber gleichzeitig werden sie daran gehindert, jene Einnahmen zu erwirtschaften, die das ermöglichen würden. Das ist auf beinahe schon kriminelle Weise dumm.
Varoufakis ist ein Mann mit einem Plan, am ehesten ein radikaler modernistischer Sozialdemokrat.
Nachdem ich ihn vor zwei Jahren im Wiener Kreisky-Forum zu Gast hatte, beschäftigte er sich eingehend mit der Figur Kreisky und schrieb danach auf seinem Blog als Antwort auf einen Kreisky-Kritiker:
“Ich bleibe bei meinem Enthusiasmus für den Mann Kreisky und bei meiner Überzeugung, dass Europa darunter leidet, dass wir zur Zeit keine Männer wie ihn in hohen Ämtern haben.”
Es ist völlig offensichtlich, dass Varoufakis ein solcher Mann sein will.

Robert Misik
20150213

Sonntag, 7. Dezember 2014

Der Gotteswahn; in arabischer Übersetzung






Original:

Der Gotteswahn
Taschenbuch – von Richard Dawkins  (Autor), Sebastian Vogel (Übersetzer)

Auf dem Denkfest, welches im September 2014 in Zürich stattfand, hatte der marokkanische säkulare Aktivist Kacem El Ghazzali die Gelegenheit sich mit Richard Dawkins zu unterhalten. Dabei erfuhr Prof. Dawkins zu seinem Erstaunen, dass es eine inoffizielle arabische Übersetzung von "Der Gotteswahn" gibt, die im arabischen Raum eine hohe Resonanz erfahren hat.
Es kam Richard Dawkins vermutlich nie in den Sinn, dass sein Buch “Der Gotteswahn” das arabische Publikum in seiner eigenen Sprache erreichen würde. Als ich ihn während des Denkfests in der Schweiz traf, eine Veranstaltung, die von der Freidenker-Vereinigung der Schweiz organisiert wurde, war er überrascht, als ich erwähnte, dass ich sein Buch „Der Gotteswahn“ auf arabisch gelesen habe. Er erzählte mir, dass ihm nicht bewusst war, dass es eine solche übersetzte Version gibt, noch gab es eine offizielle Anfrage für eine arabische Übersetzung. Ich informierte ihn darüber, dass diese durch das persönliche Engagement eines irakischen Freundes namens Bassam Al-Baghdadi erfolgt war, der momentan in Schweden lebt.
Seitdem wurde das Buch positiv aufgenommen und zum sofortigen Erfolg. Die PDF Version wurde 10 Millionen Mal heruntergeladen, hauptsächlich aus Saudi-Arabien (30 %). Al-Baghdadi merkte an, dass nach dem Upload am ersten Tag über 1000 Downloads stattfanden, und danach die Anzahl expotentiell anstieg, besonders nachdem sich bekannte arabische Atheisten - Webseiten, Foren und Blogs an der Unterstützung und Weitergabe des Buches im World Wide Web beteiligten.
Seitdem hat das Buch eine beispiellose Aufmerksamkeit, Kontroverse und Debatte in der arabischen und islamischen Welt ausgelöst. Der Übersetzer hat zahlreiche Todesdrohungen und Anschuldigungen erhalten, sich mit den Zionisten zusammen getan zu haben, um die Jugend zu verderben. Er musste infolgedessen seine Online-Konten schließen und seine Beiträge für eine Zeit stoppen. Seitdem kamen vergebliche Versuche auf, die beispiellose Welle der Vernunft, die die arabischen Ufer erreichte, mit mittelmäßigen apologetischen Artikeln und Büchern zu vereiteln. Ein Beispiel dafür ist ein Buch mit dem Titel „Der Atheismus-Wahn“, welches von der Al-Azhar Universität in Ägypten veröffentlicht wurde.
In der arabischen Version schrieb der Übersetzer unter den Buchtitel „Dieses Buch ist in islamischen Ländern verboten“ in fetten und großen Buchstaben. Glücklicherweise ist im Informationszeitalter, das durch das Internet möglich wurde, ein Verbot von Büchern in der arabischen und islamischen Welt nicht mehr länger durchführbar. Ich persönlich konnte mir das Buch beschaffen und lesen, während ich noch in Marokko war, ein anderer atheistischer Freund hat es sogar geschafft, sich das Buch in Saudi-Arabien zu beschaffen und zu lesen. Die dunklen Zeiten der Zensur, in denen das öffentliche Wissen auf sorgsam kuratierte Bücher beschränkt war, sind lange vorbei und werden nie wieder zurück kehren.
Interessanterweise kam ich mit Richard Dawkins Arbeit Jahre zuvor in Berührung, als ich zufällig auf eine offizielle französische Übersetzung von „Das egoistische Gen“ stieß, welche ich in der Bibliothek meines Onkels fand, der sich sehr für Biologie interessierte. Ich wusste zu der Zeit nichts über den Hintergrund des Autors, noch verstand ich das genaue Thema des Buches. Mein Onkel war zu der Zeit nicht da, um es mir zu erklären, daher nahm ich das Buch mit in meine Biologie Klasse und fragte meinen Lehrer, um mir über bestimmte Aspekte Klarheit zu verschaffen. Sein umgehende Reaktion war, das Buch nervös an sich zu nehmen und zu brüllen: Bringe diesen Dreck nicht noch einmal mit! Es ist einfach Bockmist!“ Glaubte der Lehrer tatsächlich, dass das Buch so schlecht war? Oder gab es einen anderen Grund für seine Reaktion? Vielleicht war er verängstigt. Ich weiß, dass es in Marokko atheistische Professoren gibt, die sich gegenüber ihren Studenten genötigt sehen, vorzugeben, sie seien Muslime. Aber ich bezweifele, dass dies hier der Fall war, weil seine Reaktion dann ruhiger und gelassener ausgefallen wäre.
Das Lesen der arabischen Übersetzung von „Der Gotteswahn“ war der eigentliche Anfang meines Respekts und meiner Bewunderung für Richard Dawkins, und ich begann, seine Artikel zu lesen und seine Dokumentationen auf Youtube anzuschauen. Ich erinnere mich, dass ich mich beim Lesen von „Der Gotteswahn“ zu Beginn und während des weiteren Voranschreitens unbehaglich fühlte. Es war nicht die Art von Lektüre, die einen Abschweifen oder in Langeweile abgleiten lässt. Je mehr ich durch die Seiten blätterte, desto mehr fühlte ich eine tiefe Übereinstimmung, fast eine persönliche Verbindung zum Autor, wie zu einem guten Bekannten. Es war, als spräche er meine tiefsten Gedanken und Zweifel aus. Ich kann mich auch erinnern, wie es einen energisch zum Denken herausfordert, erbarmungslos alle vorherigen falschen Vorstellungen und fehlerhaften Argumente zerschmettert. Und obwohl ich zu der Zeit schon zum Freidenker geworden und weit weg vom religiösen Dogma war, berührte mich das Buch nichtsdestotrotz tief und hatte einen starken Einfluss auf die Ausbildung meiner Gedanken und Ideen. Es war ein wichtiger Meilenstein auf meinem Weg zu religiöser Freiheit und so groß wie andere Meilensteine in meinem bisherigen Leben. Ein Leben, welches voll von großen Anstrengungen war, besonders da ich aus einer sehr konservativen religiösen Familie komme. Mein Vater nahm mich sogar für ein Jahr aus der Schule, damit ich islamische Rechtssprechung lernen und den Koran auswendig lernen konnte, um den Wunsch meines Großvaters zu erfüllen, dass ich ein Iman (ein religiöser Gelehrter) werden sollte. Paradoxerweise endete es damit, dass ich meinen Glauben und meine Überzeugungen aufgab.
Ich las „Der Gotteswahn“, als ich in der High School war. Seitdem sind für mich der Name „Richard Dawkins“ und der anderer großer Denker zu einem Synonym für die Gedankenfreiheit und Rationalität geworden. Ich bewundere das Konzept der Freiheit und des Ausdrucks von Gedanken, das westliche Schriftsteller und ihre Leserschaft als selbstverständlich ansehen, während es in meinen Teil der Welt ein großes Tabu und sogar ein Verbrechen ist. Das Gefühl sitzt so tief, dass selbst heute der Name Richard Dawkins und seine Bücher bei mir ein Gefühl der Angst erzeugen, obwohl ich die arabische Welt schon lange hinter mir gelassen habe. Dies ist fast wie Verfolgungswahn oder eine posttraumatische Belastungsstörung. Ich nehme an, dass es einigen von denen, die nie unter ähnlichen Verhältnissen gelebt haben, schwer fallen dürfte, diese Gefühle zu verstehen oder zu begreifen. Versuche dir vorzustellen, ein verbotenes Buch im Geheimen zu lesen, um dann auf die Strasse zu gehen oder mit deiner Familie Tee zu schlürfen, mit einer schleichenden Angst, dass diese „kriminellen“ Gedanken, die du gerade gelesen hast, von alleine herauskommen und deine „Bösartigkeit“ und „Heimtücke“ gegenüber jedem enthüllt werden. Ich konnte diese „kriminellen“ Gedanken nicht länger für mich behalten und ich musste für meine Ehrlichkeit und meine Liebe für die Freiheit den Preis bezahlen. Daher schreibe ich diese Worte heute nicht aus meinem Heimatland, Marokko, sondern aus der Schweiz. Und ich bin Richard Dawkins und den anderen, die mich auf meiner Reise aus der Hölle der religiösen Dogmen zur Oase des Freidenkens und der Aufklärung geführt haben, zu großer Dankbarkeit verpflichtet.
Kacem El Ghazzali ist ein liberaler säkularer Aktivist aus Marokko, der in der Schweiz studiert hat und lebt. Er ist ein Repräsentant der "International Humanist and Ethical Union" (IHEU) am "UN-Menschenrechtsrat" in Genf.

Übersetzung: Jörg Elbe, Daniela Bartl
Quelle: http://de.richarddawkins.net/foundation_articles

Dienstag, 2. September 2014

Totalitäre und autoritäre Regime





Totalitäre und autoritäre Regime 
Taschenbuch – von Raimund Krämer (Herausgeber), WeltTrends e.V. (Herausgeber), Juan J Linz (Autor)

Der vierte Band der Potsdamer Textbücher bringt erstmals den klassischen Text der Politikwissenschaft zum Thema diktatorische Herrschaftssysteme in deutscher Sprache. Juan Linz reflektiert darin die Debatten um Totalitarismus und Demokratie und beschreibt die autoritäre Herrschaft als eigenständige Form politischer Machtausübung. Es ist eine exzellente Auseinandersetzung mit den politischen Phänomenen des 20. Jahrhunderts, die sich durch theoretische Tiefe, empirische Fülle und methodische Klarheit auszeichnet.



Juan Linz hat mit seinem Buch "Totalitäre und autoritäre Regime" eines der wichtigsten Standardwerke zu diesem Forschungsthema verfasst und das Buch ist, trotz des Erscheinens des Originals im Jahr 1975, immer noch hoch aktuell.
Daher ist es sowhl dem Verlag WeltTrends wie auch dem Herausgeber Prof.-Dr. Krämer hoch anzurechnen, dass sie dieses Werk ins deutsche übersetzt und herausgebracht haben.

"Totalitäre und autoritäre Regime" eignet sich nicht nur für den Politikwissen-schaftler/Histroiker, sondern durch den guten und verständlichen Schreibstil für alle politisch Interessierten.


Freitag, 19. April 2013

Sarrazin-Debatte, "Islamkritik" und Terror in der Einwanderungsgesellschaft






Kritik und Gewalt: Sarrazin-Debatte, "Islamkritik" und Terror in der Einwanderungsgesellschaft [Broschiert] Klaus J. Bade (Autor)

Klaus J. Bade, geboren 1944, ist o. Professor für Neueste Geschichte und Vorstand des
Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.

Der Migrationsforscher, Publizist und Politikberater Prof. Dr. Klaus J. Bade lehrte bis 2007 Neueste Geschichte an der Universität Osnabrück und lebt seither in Berlin.
Er war u.a. Begründer des Osnabrücker Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) und bis Mitte 2012 Gründungsvorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) in Berlin.

Bade war Fellow an den Universitäten Harvard und Oxford, an der Niederländischen Akademie der Wissenschaften sowie am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Er hat zu Migration und Integration in Geschichte und Gegenwart viele Forschungsprojekte geleitet, einige Dutzend Bücher veröffentlicht und für sein Engagement in Forschung und kritischer Politikbegleitung diverse Auszeichnungen erhalten, zuletzt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (www.kjbade.de). 

Klaus J. Bade nimmt sich in seinem neu erschienenden Buch Kritik und Gewalt vor allem Sarrazin und Islamophobe vor.



Die Integrationsdebatte nach Thilo Sarrazins Buch ´Deutschland schafft sich ab´ offenbarte ein Paradox eine wachsende Akzeptanz des kulturellen Pluralismus, besonders unter jüngeren Menschen, und zugleich MASSIVE kulturelle Ressentiments in der Einwanderungsgesellschaft.  

Der renommierte Migrationsforscher und Politikberater Klaus J. Bade beleuchtet Ursachen, Hintergründe und bedrohliche Folgen dieser paradoxen Spannung. Ihr Ergebnis ist eine gefährliche Ersatzdebatte anstelle der verdrängten Diskussion um die neue Identität in der Einwanderungsgesellschaft.

Das Buch beschreibt diese Ersatzdebatte als negative Integration : die Selbstvergewisserung der Mehrheit durch die Ausgrenzung einer großen muslimischen Minderheit.
Die Politik verkennt die Brisanz dieser negativen Integration, solange sie Integrationspolitik nicht als Gesellschaftspolitik für alle versteht.

Mit scharfem Blick identifiziert Bade Zusammenhänge von Wortgewalt und Tatgewalt am Beispiel antimultikulturell und antiislamisch motivierter Bluttaten aus jüngster Zeit: dem Breivik-Massaker in Norwegen und den Serienmorden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in Deutschland.

Mit der Zunahme von Integrationserfolgen und der pragmatischen Akzeptanz kultureller Vielfalt sind in Deutschland auch aus kultureller Angst geborene fremdenfeindliche Abwehrhaltungen gewachsen, vor allem gegenüber dem Schreckgespenst Islam.
Im Umgang mit den Themen Einwanderung, Integration und Islam ist ein kritischer Punkt erreicht.


Dienstag, 14. August 2012

Soziologie - Kapitalismus - Kritik





Soziologie - Kapitalismus - Kritik:
Eine Debatte (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) [Taschenbuch]
Hartmut Rosa , Klaus Dörre , Stephan Lessenich



Einst gehörte es zu den zentralen Aufgaben der Soziologie, die moderne Gesellschaft über die sozialen Voraussetzungen und Konsequenzen ihrer Krisenhaftigkeit aufzuklären.

Diesem heute oft vernachlässigten Anliegen fühlen sich die Autoren dieses Bandes verpflichtet und stellen die Frage nach dem zeitdiagnostischen Potential soziologischer Analyse in den Mittelpunkt einer Debatte. Zeitdiagnostisch fundierte Gesellschaftskritik, so eine ihrer Thesen, gehört zum Kerngeschäft der Soziologie. 

Eine zweite besagt, daß jede Gesellschaftskritik der Gegenwart notwendig auch Kapitalismuskritik sein muß. Anhand von drei unterschiedlichen, aber komplementären Perspektiven auf aktuelle Prozesse der Landnahme, der Aktivierung und der Beschleunigung wird eine soziologische Kritik der Gegenwartsgesellschaft entfaltet, die zugleich Ansatzpunkte für politisches Handeln aufzeigt.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Religiosität in der säkularisierten Welt




Religiosität in der säkularisierten Welt:
Theoretische und empirische Beiträge zur Säkularisierungsdebatte in der Religionssoziologie

Christel Gärtner (Herausgeber), Manuel Franzmann (Herausgeber), Nicole Köck (Herausgeber)



Die Herausgeber haben einen ausgewogenen und zeitgemäßen Zugang zum Thema gewählt. Es stellt sich als spannendes Unternehmen dar, eine am abendländischen Horizont gewonnene Säkularisierungs-Kategorie auf einen nicht-westlichen Kulturkreis zu übertragen.
Das Buch befasst sich mit der in der gegenwärtigen Religionssoziologie kontrovers geführten Debatte um die Säkularisierungsthese.
Da das Phänomen der Säkularisierung - komplementär dazu auch des Fundamentalismus - eng mit den monotheistischen Religionen verbunden ist, liegt der Schwerpunkt des Bandes auf diesen Religionstraditionen; vor allem der christlichen und islamischen.

Neben unterschiedlichen soziologischen Paradigmen werden vergangene Epochen und gegenwärtige Tendenzen, sowohl anhand von länderspezifischen Entwicklungen, die sich vor allem auf Europa, Lateinamerika, die Türkei und Indonesien beziehen, als auch an Einzelbiographien, diskutiert.