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Mittwoch, 8. August 2012

EXIT! 9: Krise und Kritik der Warengesellschaf






EXIT! 9: Krise und Kritik der Warengesellschaft
[Broschiert]

Elmar Flatschart
, Robert Kurz , Daniel Späth (Autor)





Der kommende Aufstand ist schon da, aber er ist inhaltlich so armselig wie die Verhältnisse selbst, die er nirgendwo konzeptionell zu transzendieren vermag.

Ohne revolutionäre Theorie keine revolutionäre Bewegung, diese alte Wahrheit muss für die veränderte historische Situation neu erfunden werden. In der Entwicklung und Verbreitung innovativer Inhalte der Reflexion, in der theoretischen Intervention selbst liegt heute die Antwort auf die Frage, was zu tun sei; nicht in ausgeheckten Pseudo-Aktivitäten und nicht im Basteln an kleinen heilen Scheinwelten, die noch hinter den Protestbewegungen zurückbleiben. 

Wer die kapitalistische Totalität nicht erfassen und bekämpfen will, hat schon verloren. Die kulturalistische und dekonstruktivistische Wende hat in eine Sackgasse geführt, weil sie die versachlichte Logik des Kapitalfetischs vergessen machen sollte, um die Kritik im Design der Partikularitäten verschwinden zu lassen.

Es ist dagegen eine Art Universalismus-Streit vom Zaun zu brechen, der die kategoriale Abstraktion als wesentlichen Realitätsbezug kenntlich macht. Den Krisenverhältnissen wird ihre eigene Melodie nicht mit dem Bauch und nicht mit den Füßen vorgespielt.
Sicherlich bedarf es einer weltweiten theoretischen Anstrengung vieler Kräfte, um die Paralyse der revolutionären Transzendenz zu überwinden.
Aber nicht als bürgerlich-pluralistische Katzenmusik, sondern in der Bestimmtheit des übergreifenden Gegenstands, des Weltkapitals, und als Kampf um die theoretische Wahrheit der Zeit.

Die Kritik des auch geschlechtlich bestimmten Wert-Abspaltungs-Verhältnisses hat gezeigt, dass es nicht um eine alte ableitungslogische Kapitalexegese geht; aber gerade deswegen ist erst recht darauf zu bestehen, die in sich gebrochene Totalität des Kapitals auf den Begriff zu bringen.




Freitag, 3. August 2012

Syrien Endspiel



Syrien Endspiel
Heft Nr. 70
Jahrgang 18, Sommer 2012,
64 Seiten
30. Juni 2012


Gastkommentar
Der politische Masterplan des Militärs
Von Heiko Flottau

Syrien Endspiel
Abd al-Rahman al-Kawakibi im Spiegel der syrischen Aufstände
Von Jens Heibach & Inana Othman
Das Leben eines freien Hundes sei besser als das Leben eines Löwen in Ketten, schrieb ‘Abd al-Rahman al-Kawakibi vor über hundert Jahren, vielleicht mit etwas zu viel Pathos für unseren heutigen Geschmack.

Dass aber nachfolgende Generationen von Syrern vor allem damit beschäftigt sein sollten, den Löwen (arab. asad) in Ketten zu legen, konnte der gebürtige Aleppiner beim Verfassen dieser Zeilen natürlich nicht ahnen.
Die syrischen Protestierenden jedenfalls nehmen ihm diese aus der Retrospektive leicht missverständliche Formulierung nicht übel. Im Gegenteil, Kawakibi steht in Syrien wieder hoch im Kurs.


Er ist einer der Intellektuellen, über dessen Schriften gerade in diesen Tagen diskutiert wird. Dies zeigt allein ein Blick ins Internet. Auf zahlreichen Foren werden seine Werke gepostet und besprochen, revolutionäre Webpräsenzen berufen sich auf ihn.


Was ist Despotie?
Von Abd al-Rahman al-Kawakibi
Das angebliche „Projekt Alawitenstaat” in Syrien
Von Abdallah Hanna


„Wir sind zur Hoffnung verdammt“ (Sadallah Wanus)
Hafez al-Asads Überlebensstrategie: Repression


Anmerkungen zu den syrischen Aufständen
Von Omar S. Dahi


Dardari: Der Trojaner des neoliberalen Syrien
Von Ghadi Francis


Die islamischen Stützen der säkularen Diktatur
Von Mona Sarkis


Mächtige Muslimbrüder?
Von Mona Sarkis


Die Opposition als Bürde der Revolution
Von Hazem Nahar


Opposition gegen die syrische Opposition - gegen den SNC
Von As'ad AbuKhalil


Dialog oder Tod?
Von Radwan Mortada


Hizbullahs subtiler Schwenk im Syrien-Konflikt
Von Nicholas Noe

Warum Hizbullah das Asad-Regime unterstützt
Von Amal Saad-Ghorayeb

 


Dienstag, 20. März 2012

Willy Brandt: 1913-1992 - Visionär und Realist



Willy Brandt:
1913-1992 - Visionär und Realist [Gebundene Ausgabe]

Peter Merseburger

 

Er war ein Mann der vielen Stationen und Gesichter: Linkssozialist und Revolutionär, Kalter Krieger und Frontstadtkommandant, Kanzler der Ostpolitik und der Versöhnung.
Willy Brandt polarisierte die politischen Lager wie kein zweiter – geliebt und verehrt, zum Idol erhoben von den einen; gehaßt, verleumdet und gejagt von den anderen. Dabei zählte er gleichzeitig zu den wenigen, die in der Politik moralische Maßstäbe gesetzt haben.

Sein persönliches Schicksal ist auf einzigartige Weise mit der politischen Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert verbunden. Peter Merseburger beschreibt Brandts Jugend in Lübeck, das Exil in Skandinavien und den politischen Aufstieg nach 1945.


Peter Merseburger ist nicht der erste, der sich an einer Biografie von Willy Brandt versucht. Aber, so meint Volker Ullrich: "Merseburger übertrifft all seine Vorgänger bei weitem."


 Fundiert und auf neuesten Quellen basierend, legt Merseburger ein einfühlsames Portrait dieses Mannes vor: "Mit keinem Namen der Nachkriegszeit ist soviel Hoffnung auf moralische Erneuerung der Politik, auf mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit verbunden", schreibt Merseburger im Vorwort.Eine besondere Stärke der Studie liegt in der treffenden, knappen Charakterisierung der Weggefährten Willy Brandts, etwa Egon Bahr, Herbert Wehner und Helmut Schmidt, und deren Bedeutung für Brandt und seine Politik.

Sonntag, 11. März 2012

Dort kämpfen, wo das Leben ist



Clara Zetkin oder: Dort kämpfen, wo das Leben ist!

Clara Zetkin (1857 bis 1933), vor 1914 die »grande dame« der deutschen Sozialdemokratie, nach 1918 umstrittene und streitbare Persönlichkeit des deutschen Kommunismus, ist immer noch unbequem!

Diese Frau war Opposition per se: Frauenrechtlerin, revolutionäre Sozialistin, Initiatorin des Internationalen Frauentags, Kriegsgegnerin, Kommunistin in der Tradition Rosa Luxemburgs, 1932 von den Nazis attackierte Alterspräsidentin des Deutschen Reichstags.


Der anhaltende Streit um die Bedeutung Clara Zetkins war für Florence Hervé Anlass, sich dieser Persönlichkeit erneut zu widmen.

Nachdem Tânia Puschnerat in ihrer 2003 veröffentlichten Monographie Clara Zetkin. Bürgerlichkeit und Marxismus das Leben und Wirken Zetkinsinsbesondere von konservativen, opportunistischen und bürgerlichen Handlungsmotiven bestimmt sieht, betont Hervé die revolutionären und unzeitgemäßen Ideen Zetkins.

Innerhalb der SPD hatte Clara Zetkin eine führende Rolle inne und war als Mitglied der Kontrollkommission von 1909 bis 1917 Teil des Parteivorstands. Sie zählte zu denjenigen, die sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs der Mehrheitsentscheidung der Partei zur Zustimmung der Kriegskredite und zur Burgfriedenspolitik widersetzten und sich damit offen gegen die Partei stellten.
Als Sekretärin des Internationalen Frauensekretariats versammelte sie – gegen das Verbot des Parteivorstandes – im März 1915 Frauen der am Krieg beteiligten Länder zu einer sozialistischen Frauenkonferenz in Bern.
Als Clara Zetkin anschließend in Deutschland Flugblätter mit den Forderungen der Frauenkonferenz zur Beendigung des Krieges verteilen ließ, wurde sie verhaftet und des Landesverrats angeklagt, jedoch aufgrund ungeheuren Protests schließlich wieder aus der Haft entlassen.

Schließlich gehörte Clara Zetkin auch zu den Frauen, die ab 1919 erstmals als Abgeordnete in deutsche Parlamente einziehen konnten: 1919/20 war sie Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung Württembergs und hielt dort die erste Rede, die je von einer Frau in einem deutschen Parlament gehalten wurde, und von 1920 bis1933 gehörte sie dem Deutschen Reichstag an.