Bildung - Eine Streitschrift. Abschied vom lebenslänglichen Lernen [Broschiert]
Werner Lenz
(Autor)
Werner Lenz lehrt seit 1984 als Universitätsprofessor für Erziehungs-
und Bildungswissenschaft mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung an der
Universität Graz. Von 2007 bis 2011 war er Dekan der Fakultät für
Umwelt-, Regional- und Bildungswissenschaft.
Im Vorjahr erhielt er den
Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung in der Kategorie
Wissenschaft.Das Bildungswesen zeigt eklatante Schwächen.
- Schulen produzieren
Analphabeten.
- Lehrer driften ins Burn-out.
- Universitäten verschließen
sich interessierten Studierwilligen.
Die Streitschrift registriert
Bildungsnotstand und nennt Alternativen. Soziale Chancen werden mit
Bildungsabschlüssen "vererbt". Menschen mit höherer und weiterführender
Bildung eröffnen sich meist günstigere Lebensbedingungen: Einkommen,
Gesundheit, Lebensqualität oder Angebote für die eigenen Kinder
verbessern sich.
Deshalb ist Bildungspolitik heute Sozialpolitik. Bildung
gilt als privates und öffentliches Gut. Für den Wandel in Arbeitswelt
und Alltag sind wir allerdings zu wenig gerüstet. Themen aus
Naturwissenschaft und Technik, aus Ökonomie, Recht und Medizin werden zu
wenig vermittelt.
Zusammenhänge erfassen, Überblick herstellen, sich
selbst Wissen schaffen und auf das eigene Urteil begründet vertrauen
sind Ziele zeitgemäßer Bildung.
- Staatliche Förderung gibt es
hauptsächlich für Schulen und Hochschulen.
- Bildung in früher Kindheit
oder im Erwachsenenalter bleibt großteils privater Finanzierung
überlassen.
- Lebensbegleitende Bildung braucht mehr öffentliche
Aufmerksamkeit.
- Die Transformation von Bildung zu Humankapital
vernichtet kritisches Bewusstsein, verzichtet auf individuelle und
kollektive Emanzipation.
- Ökonomische Denkmodelle bestimmen alle Werte.
- Die Spaltung zwischen Arm und Reich nimmt zu, wenige profitieren von der
Anstrengung vieler.
Das Menschenbild des Autors orientiert sich am Mut,
den eigenen Verstand zu gebrauchen. Selbstbewusst, achtsam und
einfühlsam im sozialen und natürlichen Umfeld aufzutreten lautet sein
Ziel humaner Bildung.
Lenz' essayistischer Stil gestaltet das Lesen ansprechend. Wortgewandt
spannt der Autor den Bogen zwischen Aufklärung und Kapitalismus,
Philosophie und Wirtschaft, Geschichte und Zukunft.
Ein Lesevergnügen,
das keine konkreten Handlungsansätze bieten will, dafür aber immer
wieder provoziert und zum kritischen Nachdenken anregt.
Nicht zuletzt
macht er damit seinem eigenen Unmut und jenem vieler anderer
ÖsterreicherInnen (Stichwort "Bildungsvolksbegehren") Luft.