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Sonntag, 2. Juni 2013

Rede an den kleinen Mann







Rede an den kleinen Mann [Sondereinband]
Wilhelm Reich (Autor)


Wilhelm Reich wurde 1897 in Dobrzcynica, Galizien, geboren. 1920 trat er in die Wiener Psychoanalytische Gesellschaft ein. 1928 Fachwissenschaftlicher Leiter der sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung in Wien.
Nach Auseinandersetzungen mit der Komintern, den Austromarxisten und der KPD auf der einen Seite, mit der Schule Sigmund Freuds auf der anderen, wurde er 1934 aus der Kommunistischen Partei und aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen.
Nach seiner Emigration in die USA entdeckte er 1938-1940 die »Orgon-Energie«, an deren Erforschung er bis zu seinem Tod 1957 arbeitete.



Reich, ein ehemaliger Freud-Schüler, hat 1924-1945 und auch danach Forschungen zur Psychoanalyse betrieben.
Er fiel seinerzeit durch seine recht freizügigen Theorien zur freien Entfaltung des Menschen auf, die sich insbesondere auf Lust, Liebe, Orgasmus und Potenz bezogen. Sein Buch "Die Funktion des Orgasmus" war 1927 ein Skandal, bei den Nazis waren seine Bücher verboten, aber einige Jahre nach seiner Emigration 1933/39 widerfuhr ihm das gleiche Schicksal auch in den USA: Beschimpfung, Verbot und Verfolgung.

Reich starb 1957 unter dubiosen Umständen in einem amerikanischen Gefängnis. Seine Theorien kann man diskutieren, doch die Schärfe der Reaktion des Staates überrascht doch sehr: Reich war letztlich am Guten, am Lebendigen, an der Liebe im Menschen interessiert und hat positiv gedacht - vielleicht hat er einfach in der falschen Zeit gelebt.

Der "Rede an den kleinen Mann" schrieb Reich 1946 aus seiner bedrängten Situation heraus. Der sinnlose Weltkrieg der letzten Jahre war das genaue Gegenteil der Liebe, die Reich predigte.

Durch das ganze Buch wirft er in etwas väterlichem Stil dem "kleinen Mann" vor, sich für bösartige Ziele und Kriege irgend welcher höherer Machthaber beliebig einspannen zu lassen - anstatt sich auf sich selbst, sein Glück, seine Familie und die Liebe zu besinnen. Der "kleine Mann" denke klein und sei sich der Stärke der Masse nicht bewusst. 

Reich schreibt vielleicht mit einem etwas zu erhobenem Zeigefinger, aber man muss auch seine Verbitterung verstehen.





Samstag, 23. Juni 2012

Masse und Macht





Masse und Macht [Broschiert]Elias Canetti (Autor)



Mit seinem sozialwissenschaftlich-philosophischen Essay Masse und Macht wollte Elias Canetti zum Verständnis der politischen, sozialen und kulturellen Umwälzungen im Europa des 20. Jahrhunderts beitragen.

Inhalt: 
Canetti bietet eine systematische Darstellung der Masse als Phänomen mitsamt ihrer verschiedenen Ausprägungen und Funktionsweisen.
Dabei analysiert er – scheinbar wertfrei – eine Reihe von Beispielen des Massenverhaltens aus primitiven und modernen Gesellschaften.

Das Faszinierende und gleichzeitig Beunruhigende an der Vorgehensweise des Autors ist, dass er die Masse nicht in erster Linie als Instrument der politischen Macht oder Abart des menschlichen Verhaltens darstellt, sondern als eigene Existenzform, die irgendwo zwischen Vernunftmensch und Gesellschaft lauert und potenziell überall (beim Sport, im Theater, im Gottesdienst oder im Krieg) ihr auf Handlungstrieben basierendes Unwesen treibt.
Dadurch zeichnet sich Masse und Macht als hervorragende soziologische Studie, aber auch politisches Werk aus.

Aufbau:
Dem Werk liegt eine lose, sehr eigenwillige Struktur zu Grunde, die bereits im Titel angedeutet wird.
So sind die ersten sechs Kapitel der Masse, die letzten vier der Macht gewidmet. Sie behandeln Hauptmerkmale dieser beiden Begriffe wie Masse und Geschichte oder Elemente der Macht und sind wiederum in Unterpunkte unterteilt, in denen Canetti Entstehungsphasen (»Rhythmus«, »Stockung«) und Symbole (»Feuer«, »Fluss«, »Wald«, »Schatz«) der Macht darstellt, eine Kategorisierung vornimmt (»Die Jagdmeute«; »Die Kriegsmeute«; »Die Klagemeute« usw.) oder Beispiele aufführt.



Canetti leitet die starke Anziehungskraft der Masse tiefenpsychologisch von der Angst des Menschen vor der »Berührung durch Fremdes« ab, eine Angst, die der Mensch nur durch seine Integration in die Masse überwinden könne.

Canetti verzichtet weitgehend auf wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit der Fachliteratur. Stattdessen schreibt er, was er denkt, gelesen und selbst erlebt hat.
- Was ist Masse?
- Worin liegt ihre Faszination?
- Unterliegt sie bestimmten Gesetzmäßigkeiten? 

Elias Canetti ist ein großer Stilist. Sein Worte und Sätze sollen und werden überdauern, wenn andere nicht mehr sind. Viele Jahre hat er an diesem Thema gearbeitet und die anthropologischen Konstanten der Masse sorgsam wie kühn abstrahierend herausgearbeitet.