Weltordnungskrieg:
Das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung [Taschenbuch]
Robert Kurz
(Autor)
Robert Kurz ist am 19.Juli 2012 an den Folgen einer Nierenoperation gestorben. Mit 68 Jahren, viel zu früh.
Er war maßgeblicher Mitbegründer der Wertkritik.
Mit der Gruppe Krisis und später der Gruppe Exit!
entwickelte er eine vehemente Kritik an den Grundformen der
kapitalistischen Gesellschaft: Arbeit, Ware, Wert, Geld.
Dem
Traditionsmarxismus warf er eine verkürzte Analyse und Kritik vor, die
nur auf die Ebene der Verteilung des Reichtums abzielt, aber Form und
Zustandekommen dieses Reichtums außen vor lässt.
Die Krise des Weltsystems und die neue Begriffslosigkeit.
Soweit in einer
Zeit, in der das herrschende System keiner Legitimation mehr zu
bedürfen scheint, überhaupt noch reflexiv gedacht wird, wirkt dieses
Denken merkwürdig anachronistisch. Das gilt nicht nur für den aktuellen
Inhalt, sondern auch für die Kategorien selbst, in denen dieser Inhalt
sich darstellt.
Wie es in wachsendem Umfang neue und schreiende soziale
Gegensätze gibt, die sich aber nicht mehr mit eindeutigen soziologischen
Modellen oder Klassenbegriffen erklären lassen, ebenso sind neue
globale Wirtschaftskonflikte, Kulturkämpfe und Kriege zu beobachten, die
nicht mehr in den bisherigen Begriffen der Wirtschafts-, Innen- und
Außenpolitik beschrieben werden können.
So stellt man einerseits einen Bedeutungsverlust der Politik und
einen Souveränitätsschwund der Staaten fest, drückt diese empirischen
Erscheinungen andererseits gleichwohl immer noch in herkömmlichen
Begriffen der Politik und der staatlichen Beziehungen aus.
Damit hängt
zusammen, dass eine Orientierung, soweit sie überhaupt noch versucht
wird, vornehmlich rückwärtsgewandt ist, nämlich als Hoffnung auf und
Konzeptheckerei für irgendeine „Wiedergewinnung des Politischen“; und
auch deswegen erweist sich die Sichtweise des Neuen als phänomenologisch
beschränkt, während der Begriffsapparat der alte bleibt und krampfhaft
festgehalten wird.
Das zeigt sich nicht zuletzt auf der Ebene der
internationalen oder zwischenstaatlichen Verhältnisse, wenn ebenso
vollmundig wie unangemessen von einer „Weltinnenpolitik“ die Rede ist.
Solange der Kalte Krieg
als Systemkonflikt zwischen zwei ungleichzeitigen Erscheinungsformen
bzw. Entwicklungsstufen des modernen warenproduzierenden Systems tobte,
überlagerte er ein tiefer liegendes Problem, das auf diese Weise
verborgen blieb.
Unter der Oberfläche des Kalten Krieges bildete sich
eine globale prozessierende Krisenstruktur aus, die mit dem
Zusammenbruch des Staatskapitalismus schlagartig ans Licht trat, jedoch
unter dem Eindruck der Nachkriegsgeschichte nur ideologisch verzerrt
wahrgenommen werden konnte.
Was als „Sieg“ des westlichen Kapitalismus
erschien, entpuppte sich im Verlauf der 90er Jahre als irreversibler
sozialökonomischer Zusammenbruch zunächst von großen Teilen der
Peripherie des Weltmarkts.
Im Zentrum dieses Krisenprozesses steht das
Abschmelzen der reellen (real Wert bildenden) kapitalistischen
Arbeitssubstanz durch die dritte industrielle Revolution, die zunehmende
„Ausbeutungsunfähigkeit“ des Kapitals aufgrund seiner eigenen
technologischen Produktivitätsstandards und damit die
Entsubstantialisierung des Geldes (Entkoppelung der Finanzmärkte von der
Realökonomie).
Die Weltherrscher des Kapitals begreifen ihre eigene Welt nicht
mehr.
Um das scheinbar Unbegreifliche dennoch begreifen zu können, ist
es notwendig, in krassem Gegensatz zur pragmatischen Ideologie der
herrschenden Funktionseliten, die heute in Wahrheit nur noch den
totalitären Anspruch der Ökonomie an der Welt exekutieren, den ganz und
gar nicht modischen Standpunkt radikaler Distanz und Kritik einzunehmen.
Erst aus dieser Position ist es möglich, die Zersetzungs- und
Selbstzerstörungsprozesse des Weltsystems als solche zu erkennen, die
Zusammenhänge in ihrer historischen Dimension aufzurollen und
gleichzeitig als aktuell erscheinende Grenze der kapitalistischen
Dynamik zu dokumentieren.
Bekanntestes Werk von Robert Kurz ist das Schwarzbuch Kapitalismus. Das neue Buch Geld ohne Wert. Grundrisse zu einer Transformation der Kritik der politischen Ökonomie soll posthum im Horlemann-Verlag erscheinen.