Die Kultivierung des Marktes:
Foucault und die Gouvernementalität des Neoliberalismus [Broschiert] Lars Gertenbach
(Autor)
Die erkenntnisreichsten und spannendsten Abschnitte der Publikation
finden sich in den drei Exkursen zur kultivierten Naturalität des
Marktes, zur Theorie des Humankapitals und zur konstitutiven
Ungleichheit im Neoliberlismus.
Hier gelingt Gertenbach der
Schritt von der neoliberalen Gouvernementalität zur Biopolitik, den
Foucault selbst zwar angelegt, aber nicht mehr konkret ausformuliert
hat.
Susann Dettmann, Politische Vierteljahresschrift, 4/2009

Lars Gertenbach verknüpft auf innovative Weise die Analyse von
Foucaults Konzept der Gouvernementalität mit einer Lektüre der Texte
neoliberaler Ökonomen, allen voran denen Friedrich August von Hayeks.
Mit der historischen Rekonstruktion des neoliberalen Programms bestimmt
Gertenbach dessen ökonomische und erkenntnistheoretische Basis.
Dabei
zeigt er den tiefen epistemologischen Bruch zwischen klassischem
Liberalismus und Neoliberalismus und die daraus resultierenden
weitreichenden gesellschaftstheoretischen, kulturellen und
sozialpolitischen Konsequenzen auf.
Diese kritische Analyse der
politischen Ökonomie des Neoliberalismus stellt zugleich die
kultursoziologische Dimension und die zeitdiagnostische Bedeutung des
Gouvernementalitätskonzeptes heraus.
Biopolitik zur Einführung [Broschiert]
Thomas Lemke
(Autor)
Wissenschaftlicher Beirat:
Michael Hagner, Dieter Thomä, Cornelia Vismann
"Biopolitik" gehört zu jenen Begriffen, die noch vor wenigen Jahrzehnten
in keinem der einschlägigen Lexika zu finden waren, heute ist er nicht
mehr wegzudenken.
Der Begriff der Biopolitik ist in aller Munde.
- Das Spektrum seiner Verwendungsweisen reicht von der Asyl-Politik über
die AIDS-Prävention bis hin zur Bekämpfung des Bevölkerungswachstums.
- Der Begriff bezeichnet die
Unterstützung landwirtschaftlicher Produkte ebenso wie die Förderung
medizinischer Forschung, strafrechtliche Bestimmungen zur Abtreibung und
Patientenverfügungen zum Lebensende.
- Von »Biopolitik« reden Vertreter
der Neuen Rechten ebenso wie linke Globalisierungsgegner, Kritiker des
biotechnologischen Fortschritts, aber auch dessen Befürworter.
Nach Thomas Lemke spiegelt diese Konjunktur des Begriffs eine
"signifikante Veränderung des Politischen" wider, die anzeigt, dass die
biologischen Grundlagen des Lebens für die Politik relevant geworden
sind.
Unter den Begriff der Biopolitik fallen sowohl soziobiologische
Ansätze, die Strukturen politischen Handelns an die biologische
Grundausstattung des Menschen zurückbinden, als auch solche Ansätze, die
thematisieren, inwiefern die Natur zum Gegenstand politischer Verfügung
geworden ist - sei es die "äußere Natur", die "Umwelt" (ökologische
Biopolitik) oder die "innere" Natur des Menschen (z.B. Gentechnik).
Lemke selbst legt den Schwerpunkt seiner Darstellung auf ein Konzept,
das im Anschluss an Foucault Biopolitik nicht als Erweiterung des
Gegenstandsbereichs der Politik versteht, sondern als Veränderung der
Politik in ihrem Kern.
In der Biopolitik, die seit dem 18. Jahrhundert
die absolutistische, um Souveränität zentrierte Politik ablöst, wird
Macht durch den Zugriff der Politik auf den Körper ausgeübt: durch die
Disziplinierung des Individualkörpers und die Regulierung des
"Kollektivkörpers" der Bevölkerung.
Lemke unterscheidet die verschiedenen Facetten
des unscharfen Begriffs "Biopolitik" sehr souverän und liefert einen
analytisch klaren Zugriff auf verschiedenste biopolitische Konzeptionen.