Wissenschaft oder Dummheit?
Über die Zerstörung der Rationalität in den Bildungsinstitutionen
Broschiert – von Alex Demirovic (Autor)
Alex Demirović war bis 2012 Gastprofessor an der Technischen Universität Berlin. Er ist Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Prokla, des Wissenschaftlichen Beirats von Attac und Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung.Alex Demirović ist apl. Prof. an der Goethe Universität Frankfurt am Main und hat zahlreiche Gastprofessuren wahrgenommen. Aktuell ist er Senior Fellow der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin. Er ist Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Prokla und LuXemburg und des Wissenschaftlichen Beirats von Attac und des Beirats des BdWi.
Die Einwände, die gegen die neoliberale Zurichtung der Bildung erhoben werden, zielen meist auf »weniger Demokratie« ab. Aus dem Blick gerät dabei oft, welche Konsequenzen die »Verwettbewerblichung« von Bildungsinstitutionen auf die wissenschaftliche Erkenntnisproduktion selbst hat.
Das Absolvieren von Schulen, Universitäten und Hochschulen dient der Ausbildung und der zukünftigen beruflichen Praxis der wissenschaftlich Gebildeten. Diese Ausrichtung hat Rückwirkungen auf das wissenschaftliche Wissen. Es wird Sachwissen erarbeitet und vermittelt, das diejenigen benötigen, die in Wirtschaft, Politik, Verwaltung Aufgaben des Kommandos, der Führung und des Gewinns wahrnehmen. Herrschaft wird mittels Wissen ausgeübt.
Dies zieht die wissenschaftliche Rationalität in Mitleidenschaft. Wissen wird zum von der Erfahrung abgespaltenen Wissen, wertneutral und ohne Einbezug der Praxis.
Deshalb muss der Frage nachgegangen werden, ob Entwicklungen zur Demokratisierung im Bildungsbereich nicht auch zur Demokratisierung des Wissens selbst führen müssen.
Wenn Initiative und Neugier der Beteiligten angeregt werden soll, dann bedarf es eines Rahmens, der allen am wissenschaftlichen Prozess Beteiligten die Möglichkeit gibt, aktiv zu werden, ihre Erfahrungen, ihre Fragen, ihre Einwände und Thesen einzubringen. Früher einmal hat man das die Demokratisierung der Hochschulen genannt.
Wenn das nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht hat, sollte man nicht auf neoliberale Technokratie zurückfallen, sondern es besser machen.
Baustelle Demokratie:
Die Bürgergesellschaft revolutioniert unser Land [Broschiert]
Serge Embacher (Autor)
Demokratie heißt Kontroverse, heißt Bewegung, heißt Veränderung.
Doch
allzu lange schon stagnieren die politischen Institutionen, die
staatlichen ebenso wie die zivilgesellschaftlichen.
Nun präsentieren die
Bürger die Rechnung: Parteienverdrossenheit, Wutbürgertum, aber auch
das Erstarken von Sozialneid und Rassismus sind Symptome einer
Gesellschaft, die ihre Vision verloren hat. Wo Selbstsucht statt
Gemeinwohl regiert, wirken die zentrifugalen Kräfte einer entfesselten
Ökonomie.
Der Politikwissenschaftler Serge Embacher sieht den Dreh-
und Angelpunkt gesellschaftlichen Zusammenhalts in der aktiven
Bürgergesellschaft. Doch noch fehlt es von allen Seiten an Bereitschaft,
Partizipation als integralen Bestandteil einer modernen Gesellschaft zu
begreifen.
Dies gilt nicht nur für den Staat und seine Akteure, sondern
auch für das Gemeinwesen als Ganzes.
Konsequent ruft Embacher zu
einem "demokratischen Wandel" auf:
Die Politik muss Kontrollmacht
abgeben, die Wirtschaft sich demokratisieren und die Bürgergesellschaft
sich öffnen erst im Zusammenwirken dieser drei Systeme kann die
Gesellschaft neuen Zusammenhalt entwickeln und Antworten auf die
brennenden Fragen von Gegenwart und Zukunft finden.
Dr. phil. Serge Embacher geb. 1965, Politikwissenschaftler und
Publizist. Wissenschaftliche Schwerpunkte: Demokratietheorie, Theorie
der Öffentlichkeit, Macht- und Herrschaftssoziologie,
Gouvernementalitätsstudien.